Logo

Bunkerkarneval

Ident. Nr.: A IV 401

ObjID: obj:966333

n/a

Details (Expert)

Beteiligte
Volker Stelzmann (1940 -),
Künstler*in
Datierung
1976
Weitere Titel
Sammlungstitel: Bunkerkarneval
Übersetzung: Carnival in the Bunker
Abmessungen
Höhe x Breite: 125 x 112 cm
Erwerbung
1979 Ankauf vom Künstler aus Mitteln des Kulturfonds der DDR

Objektbeschreibung

In klaustrophobischer Enge geben sich Stelzmanns Figuren einer lustvoll morbiden Endzeitstimmung hin. Dabei verbinden sich im „Bunkerkarneval“ mehrere Bedeutungsebenen. Das Werk zeugt zunächst von Stelzmanns intensiver Auseinandersetzung mit Otto Dix, der 1933 „Die Sieben Todsünden“ (Staatliche Kunsthalle Karlsruhe) als grotesken Karnevalszug gemalt hatte. Wie bei Dix lassen sich auch bei Stelzmann einige Figuren als Personifikationen der Todsünden lesen: Das Paar im Zentrum als Wollust; die Figur mit Schlagstock als Zorn; dahinter Faulheit und Hochmut; ein Greis mit fest umklammerter Geldbörse als Geiz; vorn rechts ein Speiender in SS-Hemd als Völlerei. Mit ihnen schuf Stelzmann weitgehend profanierte, subjektive Neucodierungen christlicher Metaphorik. In der Abgeschlossenheit des Bunkers verschwimmen die Grenzen zwischen Gesicht und Maske, Kleidung und Kostüm, Accessoire und Attribut. Schon in früheren Werken Stelzmanns findet sich das Motiv der „Todsünden als politische Allegorie“ (Renate Hartleb, Volker Stelzmann, Berlin [Ost] 1976, S. 9), so in dem Triptychon „Demonstrationen I“ (1973; Museum der bildenden Künste, Leipzig) und in dem Diptychon „Demonstrationen II“ (1974/1975; Ludwig Múzeum, Budapest). Uwe M. Schneede sieht im „Bunkerkarneval“ das „Bild einer heruntergekommenen Gesellschaft, in der Lustigkeit kein Vergnügen ist“ (Schneede, Als guter Realist muß ich alles erfinden. Internationaler Realismus heute, Ausst.-Kat. Hamburg 1978, S. 223). Hermann Raum hat das Gemälde als Widerspiegelung von Eitelkeiten und Spannungen in der Leipziger Kunstszene gedeutet (Raum, Bildende Kunst in der DDR. Die andere Moderne, Werke – Tendenzen – Bleibendes, Berlin 2000, S. 236). | Sophie Thorak

Letzte Aktualisierung: 30.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Neue Nationalgalerie

Weitere Objekte aus den Sammlungen

Aufstehendes Pferd

Aufstehendes Pferd

Das ehemals im Besitz des Reichsministeriums für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung in Berlin befindliche „Aufstehende Pferd“ aus lebhaft strukturiertem rot-schwarzen Lahnmarmor steht exemplarisch für Graevenitz’ Schaffen, dessen künstlerisch erfolgreichste Phase in die Zeit des Nationalsozialismus fiel. Ab 1937 leitete er die Bildhauerklasse sowie – mit einigen Unterbrechungen aus gesundheitlichen Gründen – vom selben Jahr bis 1945 die Kunstakademie in Stuttgart als Direktor. Beim vorliegenden Werk hat von Graevenitz offenbar das Zugleich von noch ruhendem Pferdekörper und sich bereits in Bewegung setzenden Vorderbeinen samt sich aufbäumendem Kopf bildhauerisch gereizt, variierte er das Thema doch mehrfach: so etwa in der monumentalen Travertinskulptur „Aufstehendes Pferd“ von 1934/1935 für den Garten des Robert-Bosch-Krankenhauses Stuttgart oder in seinem 1934 möglicherweise im Zusammenhang mit der Ausgestaltung des Berliner Olympiageländes entstandenen Entwurf „Pferd in Wellen“ (Verbleib unbekannt). Das heute als Dauerleihgabe in der Stiftung Fritz von Graevenitz in Solitude bei Stuttgart befindliche „Aufstehende Pferd“ aus dem Bestand der Nationalgalerie war von Graevenitz’ bildhauerischer Beitrag auf der „Großen Deutschen Kunstausstellung“ 1937 im Münchner Haus der Deutschen Kunst; es wurde 1938 auch unter dem Titel „Leżący koń“ (Liegendes Pferd) auf der Propagandaschau „Deutsche Bildhauer der Gegenwart“ in Warschau und Krakau gezeigt. | Yvette Deseyve

Un-Quadrat rot

Un-Quadrat rot

„Das Schrägelement – der senkrecht und waagrecht beschnittene, schräge Balken – […] ist aus der Diagonalen im Quadrat gewonnen. Daher steht es den Grundlagen und dem Ausgangspunkt absoluter Malerei nahe“, heißt es in Stankowskis Buch „Bildpläne“ (Stuttgart 1979, S. 97). Ein von links unten aufsteigender Schrägbalken sei „Ausdruck von Energie und Antriebskraft“; eine Diagonale vermittele „Erregung, Bewegtheit, Rhythmik und ‚Sensation‘“, unabhängig von ihrer Richtung (S. 99). Der Künstler und Designer Stankowski beschäftigte sich zeitlebens so intensiv mit dem Schrägelement, dass die Form zu einer Art Markenzeichen seiner Kunst wurde – sowohl in freien Arbeiten als auch im Grafikdesign. Sein wohl bekanntester Schrägstrich ist Teil des quadratischen Logos für die Deutsche Bank, das 1973 entstand. Doch bereits zuvor war die Schräge das visuell am ausgiebigsten erforschte Element seines Schaffens – ob in experimentellen Fotografien, Werbecollagen, Funktionsgrafiken, Markendesigns oder freien künstlerischen Arbeiten. Mit „Un-Quadrat“ ließ Stankowski die Schräge zur Bildgestalt werden: Die Leinwand selbst hat als „shaped canvas“ („geformtes Bild“) die aufsteigende Schrägform angenommen. Die Dynamik des Aufstrebens wird durch den Neigungswinkel unterstützt: Statt eines optisch ruhigeren 45-Grad-Winkels, der Diagonale eines Quadrats, wurde hier ein Winkel mit energiegeladenen 55 Grad gewählt. Diesen Kniff hatte Stankowski bereits erfolgreich beim Deutsche-Bank-Logo eingesetzt (dort mit 53 Grad). Der Werktitel „Un-Quadrat“ verweist also einerseits auf die als Bildkörper ausgeformte Leinwand ohne klassische rechte Winkel, andererseits auf das dynamische Ausbrechen der Schräge aus der Quadratdiagonale. | Christina Thomson