Bunkerkarneval
Ident. Nr.: A IV 401
ObjID: obj:966333
n/a
Kontakt
Einrichtung:
Neue Nationalgalerie
E-Mail:
nng@smb.spk-berlin.deDetails (Expert)
- Beteiligte
- Datierung
- 1976
- Weitere Titel
- Sammlungstitel: BunkerkarnevalÜbersetzung: Carnival in the Bunker
- Material / Technik
- Öl und Tempera auf Hartfaser
- Abmessungen
- Höhe x Breite: 125 x 112 cm
- Permalink
- https://id.smb.museum/object/966333
Objektbeschreibung
In klaustrophobischer Enge geben sich Stelzmanns Figuren einer lustvoll morbiden Endzeitstimmung hin. Dabei verbinden sich im „Bunkerkarneval“ mehrere Bedeutungsebenen. Das Werk zeugt zunächst von Stelzmanns intensiver Auseinandersetzung mit Otto Dix, der 1933 „Die Sieben Todsünden“ (Staatliche Kunsthalle Karlsruhe) als grotesken Karnevalszug gemalt hatte. Wie bei Dix lassen sich auch bei Stelzmann einige Figuren als Personifikationen der Todsünden lesen: Das Paar im Zentrum als Wollust; die Figur mit Schlagstock als Zorn; dahinter Faulheit und Hochmut; ein Greis mit fest umklammerter Geldbörse als Geiz; vorn rechts ein Speiender in SS-Hemd als Völlerei. Mit ihnen schuf Stelzmann weitgehend profanierte, subjektive Neucodierungen christlicher Metaphorik. In der Abgeschlossenheit des Bunkers verschwimmen die Grenzen zwischen Gesicht und Maske, Kleidung und Kostüm, Accessoire und Attribut. Schon in früheren Werken Stelzmanns findet sich das Motiv der „Todsünden als politische Allegorie“ (Renate Hartleb, Volker Stelzmann, Berlin [Ost] 1976, S. 9), so in dem Triptychon „Demonstrationen I“ (1973; Museum der bildenden Künste, Leipzig) und in dem Diptychon „Demonstrationen II“ (1974/1975; Ludwig Múzeum, Budapest). Uwe M. Schneede sieht im „Bunkerkarneval“ das „Bild einer heruntergekommenen Gesellschaft, in der Lustigkeit kein Vergnügen ist“ (Schneede, Als guter Realist muß ich alles erfinden. Internationaler Realismus heute, Ausst.-Kat. Hamburg 1978, S. 223). Hermann Raum hat das Gemälde als Widerspiegelung von Eitelkeiten und Spannungen in der Leipziger Kunstszene gedeutet (Raum, Bildende Kunst in der DDR. Die andere Moderne, Werke – Tendenzen – Bleibendes, Berlin 2000, S. 236). | Sophie Thorak
Letzte Aktualisierung: 19.12.2025
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