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Zirkusreiterin

Ident. Nr.: B 7

ObjID: obj:966478

1949 erworben durch das Land Berlin
n/a

Details (Expert)

Beteiligte
Werner Scholz (1898 - 1982),
Künstler*in
Datierung
1946
Weitere Titel
Sammlungstitel: Zirkusreiterin
Übersetzung: Circus Rider
Material / Technik
Öl auf Pappe
Abmessungen
Höhe x Breite: 90 x 86,5 cm
Erwerbung
1949 Ankauf vom Künstler durch das Land Berlin für die Galerie des 20. Jahrhunderts (West)

Objektbeschreibung

Da er im Nationalsozialismus als „entarteter“ Künstler galt, übersiedelte Scholz zusammen mit seiner Frau Ursula von Berlin nach Tirol. Einen Tag vor dem Beginn des Zweiten Weltkrieges erwarb er ein Bauernhaus in Alpbach und führte in der dortigen Abgeschiedenheit sein malerisches Werk fort. Seine ersten Ausstellungen nach dem Krieg hatte er im Mai 1946 in der Neuen Galerie Wien und im Dezember 1946 im Kunstverein Konstanz. Die in jenem Jahr entstandene „Zirkusreiterin“ kündet vom Neubeginn des Lebens. Mit roten Lippen und rotem Kleid sitzt die Reiterin auf einem Schimmel, freihändig im Galopp. Mit bewegten diagonal geführten Pinselstrichen unterstreicht der Maler die Dynamik, die von den fliegenden schwarzen Haaren und dem Kleid der Artistin ausgeht. Eine links oben nur im Anschnitt erkennbare Frauenfigur wird zu einem Fleck im flirrenden gelb-grün-weißen Farbenmeer. Von rechts ragt der Kopf eines Elefanten ins Bild, als ob er die Reiterin verfolgen würde. Letztere ähnelt mit ihrem dunklen Haar Scholz’ Lebensfreundin Frida Grasse, die im Juli 1946 die gemeinsame Tochter Claudia zur Welt brachte. Vielleicht lässt sich die für Scholz eher untypische Fröhlichkeit des Bildes vor diesem biografischen Hintergrund deuten. Nachdem das Gemälde im Rahmen einer Scholz-Ausstellung 1948 im Haus am Waldsee in Berlin gezeigt worden war, wurde es 1949 für die Galerie des 20. Jahrhunderts erworben. | Dieter Scholz

Letzte Aktualisierung: 30.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Neue Nationalgalerie

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Aufstehendes Pferd

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Das ehemals im Besitz des Reichsministeriums für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung in Berlin befindliche „Aufstehende Pferd“ aus lebhaft strukturiertem rot-schwarzen Lahnmarmor steht exemplarisch für Graevenitz’ Schaffen, dessen künstlerisch erfolgreichste Phase in die Zeit des Nationalsozialismus fiel. Ab 1937 leitete er die Bildhauerklasse sowie – mit einigen Unterbrechungen aus gesundheitlichen Gründen – vom selben Jahr bis 1945 die Kunstakademie in Stuttgart als Direktor. Beim vorliegenden Werk hat von Graevenitz offenbar das Zugleich von noch ruhendem Pferdekörper und sich bereits in Bewegung setzenden Vorderbeinen samt sich aufbäumendem Kopf bildhauerisch gereizt, variierte er das Thema doch mehrfach: so etwa in der monumentalen Travertinskulptur „Aufstehendes Pferd“ von 1934/1935 für den Garten des Robert-Bosch-Krankenhauses Stuttgart oder in seinem 1934 möglicherweise im Zusammenhang mit der Ausgestaltung des Berliner Olympiageländes entstandenen Entwurf „Pferd in Wellen“ (Verbleib unbekannt). Das heute als Dauerleihgabe in der Stiftung Fritz von Graevenitz in Solitude bei Stuttgart befindliche „Aufstehende Pferd“ aus dem Bestand der Nationalgalerie war von Graevenitz’ bildhauerischer Beitrag auf der „Großen Deutschen Kunstausstellung“ 1937 im Münchner Haus der Deutschen Kunst; es wurde 1938 auch unter dem Titel „Leżący koń“ (Liegendes Pferd) auf der Propagandaschau „Deutsche Bildhauer der Gegenwart“ in Warschau und Krakau gezeigt. | Yvette Deseyve

Un-Quadrat rot

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„Das Schrägelement – der senkrecht und waagrecht beschnittene, schräge Balken – […] ist aus der Diagonalen im Quadrat gewonnen. Daher steht es den Grundlagen und dem Ausgangspunkt absoluter Malerei nahe“, heißt es in Stankowskis Buch „Bildpläne“ (Stuttgart 1979, S. 97). Ein von links unten aufsteigender Schrägbalken sei „Ausdruck von Energie und Antriebskraft“; eine Diagonale vermittele „Erregung, Bewegtheit, Rhythmik und ‚Sensation‘“, unabhängig von ihrer Richtung (S. 99). Der Künstler und Designer Stankowski beschäftigte sich zeitlebens so intensiv mit dem Schrägelement, dass die Form zu einer Art Markenzeichen seiner Kunst wurde – sowohl in freien Arbeiten als auch im Grafikdesign. Sein wohl bekanntester Schrägstrich ist Teil des quadratischen Logos für die Deutsche Bank, das 1973 entstand. Doch bereits zuvor war die Schräge das visuell am ausgiebigsten erforschte Element seines Schaffens – ob in experimentellen Fotografien, Werbecollagen, Funktionsgrafiken, Markendesigns oder freien künstlerischen Arbeiten. Mit „Un-Quadrat“ ließ Stankowski die Schräge zur Bildgestalt werden: Die Leinwand selbst hat als „shaped canvas“ („geformtes Bild“) die aufsteigende Schrägform angenommen. Die Dynamik des Aufstrebens wird durch den Neigungswinkel unterstützt: Statt eines optisch ruhigeren 45-Grad-Winkels, der Diagonale eines Quadrats, wurde hier ein Winkel mit energiegeladenen 55 Grad gewählt. Diesen Kniff hatte Stankowski bereits erfolgreich beim Deutsche-Bank-Logo eingesetzt (dort mit 53 Grad). Der Werktitel „Un-Quadrat“ verweist also einerseits auf die als Bildkörper ausgeformte Leinwand ohne klassische rechte Winkel, andererseits auf das dynamische Ausbrechen der Schräge aus der Quadratdiagonale. | Christina Thomson