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Billardspieler

Ident. Nr.: A IV 386

ObjID: obj:966508

n/a

Details (Expert)

Beteiligte
Bernhard Kretzschmar (1889 - 1972),
Künstler*in
Datierung
1926-1930
Weitere Titel
Sammlungstitel: Billardspieler
Übersetzung: Billiards Players
Provenienz
Nachlass/Vermächtnis: Hildegard Stilijanow-Kretzschmar,
1972–1977
Material / Technik
Öl auf Holz
Abmessungen
Höhe x Breite: 60 x 120 cm
Erwerbung
1977 Ankauf aus dem Nachlass des Künstlers durch das Ministerium für Kultur aus Mitteln des Kulturfonds der DDR für die Nationalgalerie

Objektbeschreibung

In der zweiten Hälfte der 1920er-Jahre lösten Interieurs zunehmend die Kleinstadtansichten (vgl. etwa „Bahnhof Sayda“, A IV 385) in Kretzschmars Werk ab. Die Innenräume sind kleinteiliger und detaillierter ausgestaltet, dennoch dominiert auch in ihnen die Flächigkeit, die hier weniger durch Farbkontraste als durch geschickte Verschachtelungen, das Spiel mit Ebenen und Räumen belebt wird. Das Motiv der „Billardspieler“ (A IV 386) fand Kretzschmar in seiner unmittelbaren Umgebung des Dresdner Stadtteils Gostritz, im Gasthaus Höhenluft in der Friebelstraße, in der der Künstler seit 1917 wohnte. Die Kneipenszene ist in ihrer Farbigkeit aus Grau, Grün, Blau und Braun charakteristisch für die Bilder Kretzschmars aus dieser Zeit. Das Format des Billardtisches steht in einem annähernd proportionalen Verhältnis mit dem Querformat der Leinwand; die starke horizontale Betonung ist bis in den schwebenden Queue und die Rauchschwaden konsequent durchgestaltet. Zur Serie der Interieurs gehört auch „Konfektion“ (A IV 318), eine Szene in einem Schneideratelier, die sich perspektivisch auf die Dame bei der Anprobe konzentriert. Bei der Figur handelt es sich um Stefanie Dittmayer (1896–1989), die Frau von Kretzschmars größtem Sammler, Hans Dittmayer. In der knienden Person hat der Künstler einmal mehr seine Frau Susanna (1891–1942) verewigt (vgl. „Lesende Susanna“, A IV 383). Farblich augenfälliger als die vermeintliche Hauptfigur hat Kretzschmar jedoch zwei der Bediensteten in Rosa und Gelb gestaltet, wie auf einer Bühne scheinen sie aus dem dunklen Fond auf. Bühnengleich ist auch die Billardszene angelegt. Diese Art der Inszenierung hatte sich Kretzschmar möglicherweise vom Theater abgeschaut, war seine Mutter doch Schneiderin am Stadttheater Döbeln gewesen, in dem ihr Sohn sie oft besucht hatte. | Katharina Wippermann

Letzte Aktualisierung: 30.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Neue Nationalgalerie

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Aufstehendes Pferd

Aufstehendes Pferd

Das ehemals im Besitz des Reichsministeriums für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung in Berlin befindliche „Aufstehende Pferd“ aus lebhaft strukturiertem rot-schwarzen Lahnmarmor steht exemplarisch für Graevenitz’ Schaffen, dessen künstlerisch erfolgreichste Phase in die Zeit des Nationalsozialismus fiel. Ab 1937 leitete er die Bildhauerklasse sowie – mit einigen Unterbrechungen aus gesundheitlichen Gründen – vom selben Jahr bis 1945 die Kunstakademie in Stuttgart als Direktor. Beim vorliegenden Werk hat von Graevenitz offenbar das Zugleich von noch ruhendem Pferdekörper und sich bereits in Bewegung setzenden Vorderbeinen samt sich aufbäumendem Kopf bildhauerisch gereizt, variierte er das Thema doch mehrfach: so etwa in der monumentalen Travertinskulptur „Aufstehendes Pferd“ von 1934/1935 für den Garten des Robert-Bosch-Krankenhauses Stuttgart oder in seinem 1934 möglicherweise im Zusammenhang mit der Ausgestaltung des Berliner Olympiageländes entstandenen Entwurf „Pferd in Wellen“ (Verbleib unbekannt). Das heute als Dauerleihgabe in der Stiftung Fritz von Graevenitz in Solitude bei Stuttgart befindliche „Aufstehende Pferd“ aus dem Bestand der Nationalgalerie war von Graevenitz’ bildhauerischer Beitrag auf der „Großen Deutschen Kunstausstellung“ 1937 im Münchner Haus der Deutschen Kunst; es wurde 1938 auch unter dem Titel „Leżący koń“ (Liegendes Pferd) auf der Propagandaschau „Deutsche Bildhauer der Gegenwart“ in Warschau und Krakau gezeigt. | Yvette Deseyve

Un-Quadrat rot

Un-Quadrat rot

„Das Schrägelement – der senkrecht und waagrecht beschnittene, schräge Balken – […] ist aus der Diagonalen im Quadrat gewonnen. Daher steht es den Grundlagen und dem Ausgangspunkt absoluter Malerei nahe“, heißt es in Stankowskis Buch „Bildpläne“ (Stuttgart 1979, S. 97). Ein von links unten aufsteigender Schrägbalken sei „Ausdruck von Energie und Antriebskraft“; eine Diagonale vermittele „Erregung, Bewegtheit, Rhythmik und ‚Sensation‘“, unabhängig von ihrer Richtung (S. 99). Der Künstler und Designer Stankowski beschäftigte sich zeitlebens so intensiv mit dem Schrägelement, dass die Form zu einer Art Markenzeichen seiner Kunst wurde – sowohl in freien Arbeiten als auch im Grafikdesign. Sein wohl bekanntester Schrägstrich ist Teil des quadratischen Logos für die Deutsche Bank, das 1973 entstand. Doch bereits zuvor war die Schräge das visuell am ausgiebigsten erforschte Element seines Schaffens – ob in experimentellen Fotografien, Werbecollagen, Funktionsgrafiken, Markendesigns oder freien künstlerischen Arbeiten. Mit „Un-Quadrat“ ließ Stankowski die Schräge zur Bildgestalt werden: Die Leinwand selbst hat als „shaped canvas“ („geformtes Bild“) die aufsteigende Schrägform angenommen. Die Dynamik des Aufstrebens wird durch den Neigungswinkel unterstützt: Statt eines optisch ruhigeren 45-Grad-Winkels, der Diagonale eines Quadrats, wurde hier ein Winkel mit energiegeladenen 55 Grad gewählt. Diesen Kniff hatte Stankowski bereits erfolgreich beim Deutsche-Bank-Logo eingesetzt (dort mit 53 Grad). Der Werktitel „Un-Quadrat“ verweist also einerseits auf die als Bildkörper ausgeformte Leinwand ohne klassische rechte Winkel, andererseits auf das dynamische Ausbrechen der Schräge aus der Quadratdiagonale. | Christina Thomson