Die Mücke ist tot
Ident. Nr.: B 68/5
ObjID: obj:966553
1955 erworben durch das Land Berlin
n/a
Details (Expert)
- Beteiligte
- Datierung
- 1922
- Weitere Titel
- Sammlungstitel: Die Mücke ist totÜbersetzung: The Mosquito is Dead
- Provenienz
- im Besitz der Künstlerin,
1955Kauf: Galerie des 20. Jahrhunderts, Berlin (West),
1955–1968 - Material / Technik
- Öl auf Leinwand
- Abmessungen
- Höhe x Breite: 78 x 68 cm
- Erwerbung
- 1955 Ankauf von der Künstlerin durch das Land Berlin für die Galerie des 20. Jahrhunderts (West)
- Permalink
- https://id.smb.museum/object/966553
Objektbeschreibung
Um 1922 begann sich Höch figurativen Darstellungen zuzuwenden, die Surrealismus und Neue Sachlichkeit miteinander verbinden. Das Gemälde „Die Mücke ist tot“ entstand im Jahr ihrer endgültigen Trennung von Raoul Hausmann, mit dem sie seit 1915 eine gefühlsintensive, aber auch sehr zehrende Beziehung geführt hatte. 1920/1921 hatte sie auf einer Italien-Reise und durch die Ausstellung „Valori Plastici“ im Berliner Kronprinzen-Palais die italienische Moderne kennengelernt, zeitgleich schrieb sie das Gedicht „Die Mondmücke“ (abgedruckt in: Cornelia Thater-Schulz, Hannah Höch. Eine Lebenscollage, Band 2.2: 1921–1945, Dokumente, Berlin 1995, Nr. 21.77, S. 62). Diese Einflüsse hat Höch wohl in ihrem kuriosen Kosmos des Stilllebens mit Mücke verarbeitet. Die Farbgebung konzentriert sich auf die drei Grundfarben Rot, Blau und Gelb; geometrisch beinhaltet die Komposition die drei Grundformen Kreis, Rechteck und Dreieck. Analog dazu sind die drei Formen von Lebewesen – Pflanze, Tier und Mensch – ins Bild aufgenommen, jedoch keines in seinem üblichen Existenzzustand. Der (dreiblättrige) Gummibaum ist eine mechanische Imitation seiner selbst, der sezierten Mücke fehlen Beine, und das geschrumpfte Männlein ist eine zum Leben erwachte hölzerne Gliederpuppe, die als „manichino“ ein zentrales Motiv der italienischen Pittura metafisica war. Höchs Ikonografie verweist zudem auf die ältere Kunstgeschichte: Während man Insekten häufig in barocken Stillleben findet, ist die Sanduhr ein traditionelles Memento mori in Vanitas-Darstellungen. Die Vergänglichkeit, an die hier erinnert wird, setzte die Künstlerin womöglich in Bezug zum Erlöschen ihrer Liebe zu Hausmann. | Christina Thomson
Letzte Aktualisierung: 30.07.2026
Kontakt
Einrichtung:
Neue Nationalgalerie
E-Mail:
nng@smb.spk-berlin.de