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Fliehender (Der Verzweifelte)

Ident. Nr.: B I 656

ObjID: obj:966561

n/a

Details (Expert)

Beteiligte
Ernesto de Fiori (1884 - 1945),
Künstler*in
Datierung
1934
Weitere Titel
Sammlungstitel: Fliehender (Der Verzweifelte)
Übersetzung: The Fugitive (The Desperate Man)
Geografische Bezüge
Provenienz
vermutlich Galerie Buchholz, Berlin,
1935
Fund: Schrottlager der tschechoslowakischen Militärmission, Berliner Osthafen,
1948
Verwahrung: Magistrat von Groß-Berlin, Amt Museen und Sammlungen, Referat Rückführungen,
4.1949 - 1951
Material / Technik
Bronze
Abmessungen
Höhe x Breite x Tiefe: 104 x 30 x 52 cm
Erwerbung
1948 im Berliner Osthafen aufgefunden und der Nationalgalerie zur Verwahrung übergeben. 1951 Schenkung des Magistrats von Groß-Berlin für die Galerie des 20. Jahrhunderts (Ost).

Objektbeschreibung

Der „Fliehende“ ist eine der letzten Ganzkörperfiguren, die de Fiori schuf, bevor er Europa den Rücken kehrte und im Sommer 1936 nach Brasilien aufbrach. Die Versuchung, sie biografisch zu deuten, ist also groß: Nach dieser Lesart steht „Der Verzweifelte“, wie die Bronze auch bezeichnet wird, als Symbol seiner Zeit und spiegelt die Machtübernahme der Nationalsozialisten, bevor ihr Schöpfer ins Exil ging. Aber stimmt das? Tatsächlich bedrohte die neue Staatsideologie auch die Freiheit der Kunst und trieb viele Künstlerinnen und Künstler in die Emigration. De Fiori aber war davon nicht betroffen. Er hatte mächtige Fürsprecher, sodass er weder ein Berufsverbot noch um Leib und Leben fürchten musste. Seine Reise war als Familienbesuch geplant. Erst in Brasilien fiel der Entschluss zu bleiben. Die Figur als Ausdruck eines Fluchtreflexes zu interpretieren passt also nicht zur persönlichen Situation des Künstlers. 1935 präsentierte die Berliner Galerie Buchholz zwei Varianten des „Fliehenden“. Die „Weltkunst“ druckte in einem Artikel zur Ausstellung (Weltkunst, 9. Jg. [1935], H. 21, S. 2) ein Foto des heute zur Nationalgalerie gehörenden Werkes ab. Danach verlor sich die Spur der Figur. Als der Kunstexperte Kurt Reutti nach Kriegsende ganz Berlin nach Skulpturen absuchte, um deren Einschmelzung zu verhindern, wurde er am Osthafen fündig: Er entdeckte den „Fliehenden“ auf der Schrottverladestelle der tschechoslowakischen Militärkommission. Die Plastik wurde geborgen und restauriert. 1951 erhielt sie die Nationalgalerie (Ost) als Schenkung der Stadt Berlin. | Sven Haase

Letzte Aktualisierung: 30.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Neue Nationalgalerie

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Un-Quadrat rot

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„Das Schrägelement – der senkrecht und waagrecht beschnittene, schräge Balken – […] ist aus der Diagonalen im Quadrat gewonnen. Daher steht es den Grundlagen und dem Ausgangspunkt absoluter Malerei nahe“, heißt es in Stankowskis Buch „Bildpläne“ (Stuttgart 1979, S. 97). Ein von links unten aufsteigender Schrägbalken sei „Ausdruck von Energie und Antriebskraft“; eine Diagonale vermittele „Erregung, Bewegtheit, Rhythmik und ‚Sensation‘“, unabhängig von ihrer Richtung (S. 99). Der Künstler und Designer Stankowski beschäftigte sich zeitlebens so intensiv mit dem Schrägelement, dass die Form zu einer Art Markenzeichen seiner Kunst wurde – sowohl in freien Arbeiten als auch im Grafikdesign. Sein wohl bekanntester Schrägstrich ist Teil des quadratischen Logos für die Deutsche Bank, das 1973 entstand. Doch bereits zuvor war die Schräge das visuell am ausgiebigsten erforschte Element seines Schaffens – ob in experimentellen Fotografien, Werbecollagen, Funktionsgrafiken, Markendesigns oder freien künstlerischen Arbeiten. Mit „Un-Quadrat“ ließ Stankowski die Schräge zur Bildgestalt werden: Die Leinwand selbst hat als „shaped canvas“ („geformtes Bild“) die aufsteigende Schrägform angenommen. Die Dynamik des Aufstrebens wird durch den Neigungswinkel unterstützt: Statt eines optisch ruhigeren 45-Grad-Winkels, der Diagonale eines Quadrats, wurde hier ein Winkel mit energiegeladenen 55 Grad gewählt. Diesen Kniff hatte Stankowski bereits erfolgreich beim Deutsche-Bank-Logo eingesetzt (dort mit 53 Grad). Der Werktitel „Un-Quadrat“ verweist also einerseits auf die als Bildkörper ausgeformte Leinwand ohne klassische rechte Winkel, andererseits auf das dynamische Ausbrechen der Schräge aus der Quadratdiagonale. | Christina Thomson