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Horizont

Ident. Nr.: A IV 280

ObjID: obj:966583

n/a

Details (Expert)

Beteiligte
Wolfgang Mattheuer (1927 - 2004),
Künstler*in
Datierung
1970
Weitere Titel
Sammlungstitel: Horizont
Übersetzung: Horizon
Abmessungen
Höhe x Breite: 95 x 118,5 cm
Erwerbung
1972 Ankauf vom Künstler, Leipzig

Objektbeschreibung

Das Gemälde „Horizont“ war eines der meistdiskutierten Bilder in der DDR. In eine nur vage ausgearbeitete Landschaft hat Mattheuer eine überdimensionierte Zeitung mit einem Loch in der Mitte gesetzt. Die Schrift darauf ist unleserlich, man erkennt lediglich Abbildungen von zwei fast identischen Männerköpfen mit Hut, deren Gesichter halb verdeckt sind. Rechts ragt hinter der Zeitung ein riesiges Ohr hervor, schemenhaft deutet sich auch der dazugehörige Körper an. In die durchlöcherte Mitte hat der Künstler zwei Männer gesetzt. Der Rechte sitzt mit einer Akte vor einem Telefon, die Hand schon fast am Hörer; er bildet den Mittelpunkt des Gemäldes. Der zweite Mann lehnt sich an seinen rechten Arm und scheint zu schlafen, spuckt währenddessen jedoch einen Schwall Papier aus. Im oberen Teil des Bildes laufen verschiedene Gruppen junger Menschen nach und nach hinter den titelgebenden Horizont. Zwar wurde in den 1970er-Jahren das kulturpolitische Programm „Weite und Vielfalt“ propagiert, das konstruktiv-kritische Aspekte in Kunst und Kultur der DDR zuließ, „Horizont“ lief der Parteidoktrin jedoch allzu deutlich entgegen. Zu offensichtlich erscheint der Bezug auf die Omnipräsenz der Staatssicherheit, die alle öffentlichen wie privaten Bereiche des Lebens ausspähte. Das Bild entfachte eine derart heftige Debatte, dass der Künstler selbst es von der 8. „Bezirksausstellung“ in Leipzig zurückzog. Auch auf der 8. „Dresdener Kunstausstellung“ war es nicht zu sehen. Dafür wurde es 1977 auf der „documenta“ in Kassel ausgestellt es gehörte zu einem Konvolut an Werken, mit dem erstmals Künstler aus der DDR auf der internationalen Schau in der Bundesrepublik vertreten waren. Mattheuers Präsenz festigte seinen Status als ostdeutscher Systemkritiker. | Maike Steinkamp

Letzte Aktualisierung: 30.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Neue Nationalgalerie

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Un-Quadrat rot

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„Das Schrägelement – der senkrecht und waagrecht beschnittene, schräge Balken – […] ist aus der Diagonalen im Quadrat gewonnen. Daher steht es den Grundlagen und dem Ausgangspunkt absoluter Malerei nahe“, heißt es in Stankowskis Buch „Bildpläne“ (Stuttgart 1979, S. 97). Ein von links unten aufsteigender Schrägbalken sei „Ausdruck von Energie und Antriebskraft“; eine Diagonale vermittele „Erregung, Bewegtheit, Rhythmik und ‚Sensation‘“, unabhängig von ihrer Richtung (S. 99). Der Künstler und Designer Stankowski beschäftigte sich zeitlebens so intensiv mit dem Schrägelement, dass die Form zu einer Art Markenzeichen seiner Kunst wurde – sowohl in freien Arbeiten als auch im Grafikdesign. Sein wohl bekanntester Schrägstrich ist Teil des quadratischen Logos für die Deutsche Bank, das 1973 entstand. Doch bereits zuvor war die Schräge das visuell am ausgiebigsten erforschte Element seines Schaffens – ob in experimentellen Fotografien, Werbecollagen, Funktionsgrafiken, Markendesigns oder freien künstlerischen Arbeiten. Mit „Un-Quadrat“ ließ Stankowski die Schräge zur Bildgestalt werden: Die Leinwand selbst hat als „shaped canvas“ („geformtes Bild“) die aufsteigende Schrägform angenommen. Die Dynamik des Aufstrebens wird durch den Neigungswinkel unterstützt: Statt eines optisch ruhigeren 45-Grad-Winkels, der Diagonale eines Quadrats, wurde hier ein Winkel mit energiegeladenen 55 Grad gewählt. Diesen Kniff hatte Stankowski bereits erfolgreich beim Deutsche-Bank-Logo eingesetzt (dort mit 53 Grad). Der Werktitel „Un-Quadrat“ verweist also einerseits auf die als Bildkörper ausgeformte Leinwand ohne klassische rechte Winkel, andererseits auf das dynamische Ausbrechen der Schräge aus der Quadratdiagonale. | Christina Thomson