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Segnung

Ident. Nr.: NG 38/66

ObjID: obj:966625

n/a

Details (Expert)

Beteiligte
Moriz Melzer (1877 - 1966),
Künstler*in
Datierung
1917-1922
Weitere Titel
Sammlungstitel: Segnung
Übersetzung: Blessing
Provenienz
Nachlass Moritz Melzer,
1966
Material / Technik
Öl auf Holz, mit Lamellen
Abmessungen
Höhe x Breite: 136 x 103 cm (mit Rahmen)
Erwerbung
1966 Geschenk von Kurt Reutti, Berlin, aus dem Nachlass des Künstlers

Objektbeschreibung

Nach der Geburt eines Sohnes wurde der seit zwei Jahren verheiratete Melzer im April 1917 vom Kriegsdienst befreit und zur Arbeit in einer böhmischen Röhrenfabrik verpflichtet. Viele Male zeichnete er Mutter und Kind und malte ein entsprechendes Motiv, das im Figurenaufbau Raffaels „Madonna mit den Nelken“ (1506–1508; National Gallery London) vergleichbar ist. Durch Lichtstrahlen, die traditionellerweise die Verkündigung symbolisieren, erzeugte Melzer das neue Motiv der „Segnung“. Neu war auch die Form: Inspiriert durch Kubismus, Orphismus, Rayonismus und Futurismus zerlegte Melzer die Komposition in kristalline Farbflächen. Den hohen Grad an Abstraktion steigerte er 1922 noch, indem er ein beidseitig bemaltes zweites Bild, das dieselben Figuren jeweils von vorn und hinten zeigte, in Lamellen zerschnitt und diese im rechten Winkel zur Bildfläche anbrachte. Er übernahm damit die im religiösen Bereich populäre Form der Prismen-, Riefel- und Harfenbilder. Unter Anknüpfung an die Tradition löste Melzer die avantgardistische Forderung nach gleichzeitiger Darstellung verschiedener Ansichten eines Bildgegenstandes ebenso ein wie das Ausgreifen der Bildfläche in den Raum und das Postulat der Bewegung. Erst wer am Bild vorbeigeht, wird nacheinander Vorderansicht, Profil und Rückseite der Darstellung sehen, fast wie im Film. Als experimentellstes Werk in Melzers Œuvre sorgte die als „Oelbild im Drei-Aufriß“ ausgewiesene Lamellenkonstruktion bei ihrer ersten Präsentation in der Abteilung der Novembergruppe auf der „Großen Berliner Kunstausstellung“ 1922 (im zugehörigen Katalog S. 63) zwar für Aufmerksamkeit, blieb aber unverkauft. | Dieter Scholz

Letzte Aktualisierung: 30.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Neue Nationalgalerie

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Un-Quadrat rot

Un-Quadrat rot

„Das Schrägelement – der senkrecht und waagrecht beschnittene, schräge Balken – […] ist aus der Diagonalen im Quadrat gewonnen. Daher steht es den Grundlagen und dem Ausgangspunkt absoluter Malerei nahe“, heißt es in Stankowskis Buch „Bildpläne“ (Stuttgart 1979, S. 97). Ein von links unten aufsteigender Schrägbalken sei „Ausdruck von Energie und Antriebskraft“; eine Diagonale vermittele „Erregung, Bewegtheit, Rhythmik und ‚Sensation‘“, unabhängig von ihrer Richtung (S. 99). Der Künstler und Designer Stankowski beschäftigte sich zeitlebens so intensiv mit dem Schrägelement, dass die Form zu einer Art Markenzeichen seiner Kunst wurde – sowohl in freien Arbeiten als auch im Grafikdesign. Sein wohl bekanntester Schrägstrich ist Teil des quadratischen Logos für die Deutsche Bank, das 1973 entstand. Doch bereits zuvor war die Schräge das visuell am ausgiebigsten erforschte Element seines Schaffens – ob in experimentellen Fotografien, Werbecollagen, Funktionsgrafiken, Markendesigns oder freien künstlerischen Arbeiten. Mit „Un-Quadrat“ ließ Stankowski die Schräge zur Bildgestalt werden: Die Leinwand selbst hat als „shaped canvas“ („geformtes Bild“) die aufsteigende Schrägform angenommen. Die Dynamik des Aufstrebens wird durch den Neigungswinkel unterstützt: Statt eines optisch ruhigeren 45-Grad-Winkels, der Diagonale eines Quadrats, wurde hier ein Winkel mit energiegeladenen 55 Grad gewählt. Diesen Kniff hatte Stankowski bereits erfolgreich beim Deutsche-Bank-Logo eingesetzt (dort mit 53 Grad). Der Werktitel „Un-Quadrat“ verweist also einerseits auf die als Bildkörper ausgeformte Leinwand ohne klassische rechte Winkel, andererseits auf das dynamische Ausbrechen der Schräge aus der Quadratdiagonale. | Christina Thomson