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Kopf eines Denkers (mit Hand)

Ident. Nr.: B III 240

ObjID: obj:966671

n/a

Details (Expert)

Beteiligte
Wilhelm Lehmbruck (1881 - 1919),
Künstler*in
Datierung
1918
Weitere Titel
Sammlungstitel: Kopf eines Denkers (mit Hand)
Übersetzung: Head of a Thinker (with Hand)
Provenienz
Beschlagnahmung: Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda,
1937–1939
Material / Technik
Steinguss
Abmessungen
Höhe x Breite x Tiefe: 64 x 59 x 32 cm
Erwerbung
1985 Ankauf von Brunhild Baumann, Güstrow, über den Staatlichen Kunsthandel der DDR

Objektbeschreibung

Ab Dezember 1916 wartete Lehmbruck das Kriegsende in der Schweiz ab. In den knapp zweieinhalb Jahren bis zu seinem Freitod im März 1919 schuf er zahlreiche Porträtbüsten und -köpfe. Vor allem das Bildnis der von ihm verehrten Schauspielerin Elisabeth Bergner aus dem Jahr 1918 und das kurz darauf entstandene Selbstporträt „Kopf eines Denkers“ offenbaren sein Bestreben, die plastische Materialität zugunsten einer geistigen Dimension in den Hintergrund zu rücken. Beim „Denker“ erreichte er dies durch die enorme Wölbung des schmalen Schädels und die Stärkung eines räumlichen Eindrucks der Figur. Mit den Schulterstümpfen, dem Fragment der linken Hand vor der Brust und der knochigen Erscheinung definiert das Werk einen Raum, ohne diesen plastisch auszufüllen. Dem entspricht Lehmbrucks von Paul Westheim überliefertes Diktum, dass „eine gute Skulptur wie eine gute Komposition gehandhabt werden [muss], wie ein Gebäude, wo Maß gegen Maß spricht“ (Paul Westheim, Wilhelm Lehmbruck, Potsdam/Berlin 1919, S. 61). Seit seinem Aufbruch nach Paris im Jahr 1910 hatte sich der Bildhauer immer weiter von einem Skulpturverständnis entfernt, das auf ein exaktes Abbild der äußeren Wirklichkeit abzielte. So ist es kaum verwunderlich, dass die meisten seiner von Ludwig Justi für die Nationalgalerie erworbenen und bis 1933 in deren Neuer Abteilung, dem Kronprinzen-Palais, ausgestellten Werke im August 1937 von den Nationalsozialisten als „entartet“ beschlagnahmt wurden, so auch der „Kopf eines Denkers“, der jedoch 1985 von der Nationalgalerie (Ost) erneut angekauft werden konnte. | Nina Schallenberg

Letzte Aktualisierung: 30.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Neue Nationalgalerie

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Aufstehendes Pferd

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Das ehemals im Besitz des Reichsministeriums für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung in Berlin befindliche „Aufstehende Pferd“ aus lebhaft strukturiertem rot-schwarzen Lahnmarmor steht exemplarisch für Graevenitz’ Schaffen, dessen künstlerisch erfolgreichste Phase in die Zeit des Nationalsozialismus fiel. Ab 1937 leitete er die Bildhauerklasse sowie – mit einigen Unterbrechungen aus gesundheitlichen Gründen – vom selben Jahr bis 1945 die Kunstakademie in Stuttgart als Direktor. Beim vorliegenden Werk hat von Graevenitz offenbar das Zugleich von noch ruhendem Pferdekörper und sich bereits in Bewegung setzenden Vorderbeinen samt sich aufbäumendem Kopf bildhauerisch gereizt, variierte er das Thema doch mehrfach: so etwa in der monumentalen Travertinskulptur „Aufstehendes Pferd“ von 1934/1935 für den Garten des Robert-Bosch-Krankenhauses Stuttgart oder in seinem 1934 möglicherweise im Zusammenhang mit der Ausgestaltung des Berliner Olympiageländes entstandenen Entwurf „Pferd in Wellen“ (Verbleib unbekannt). Das heute als Dauerleihgabe in der Stiftung Fritz von Graevenitz in Solitude bei Stuttgart befindliche „Aufstehende Pferd“ aus dem Bestand der Nationalgalerie war von Graevenitz’ bildhauerischer Beitrag auf der „Großen Deutschen Kunstausstellung“ 1937 im Münchner Haus der Deutschen Kunst; es wurde 1938 auch unter dem Titel „Leżący koń“ (Liegendes Pferd) auf der Propagandaschau „Deutsche Bildhauer der Gegenwart“ in Warschau und Krakau gezeigt. | Yvette Deseyve

Un-Quadrat rot

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„Das Schrägelement – der senkrecht und waagrecht beschnittene, schräge Balken – […] ist aus der Diagonalen im Quadrat gewonnen. Daher steht es den Grundlagen und dem Ausgangspunkt absoluter Malerei nahe“, heißt es in Stankowskis Buch „Bildpläne“ (Stuttgart 1979, S. 97). Ein von links unten aufsteigender Schrägbalken sei „Ausdruck von Energie und Antriebskraft“; eine Diagonale vermittele „Erregung, Bewegtheit, Rhythmik und ‚Sensation‘“, unabhängig von ihrer Richtung (S. 99). Der Künstler und Designer Stankowski beschäftigte sich zeitlebens so intensiv mit dem Schrägelement, dass die Form zu einer Art Markenzeichen seiner Kunst wurde – sowohl in freien Arbeiten als auch im Grafikdesign. Sein wohl bekanntester Schrägstrich ist Teil des quadratischen Logos für die Deutsche Bank, das 1973 entstand. Doch bereits zuvor war die Schräge das visuell am ausgiebigsten erforschte Element seines Schaffens – ob in experimentellen Fotografien, Werbecollagen, Funktionsgrafiken, Markendesigns oder freien künstlerischen Arbeiten. Mit „Un-Quadrat“ ließ Stankowski die Schräge zur Bildgestalt werden: Die Leinwand selbst hat als „shaped canvas“ („geformtes Bild“) die aufsteigende Schrägform angenommen. Die Dynamik des Aufstrebens wird durch den Neigungswinkel unterstützt: Statt eines optisch ruhigeren 45-Grad-Winkels, der Diagonale eines Quadrats, wurde hier ein Winkel mit energiegeladenen 55 Grad gewählt. Diesen Kniff hatte Stankowski bereits erfolgreich beim Deutsche-Bank-Logo eingesetzt (dort mit 53 Grad). Der Werktitel „Un-Quadrat“ verweist also einerseits auf die als Bildkörper ausgeformte Leinwand ohne klassische rechte Winkel, andererseits auf das dynamische Ausbrechen der Schräge aus der Quadratdiagonale. | Christina Thomson