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Geburt

Ident. Nr.: B 65

ObjID: obj:966733

1951 erworben durch das Land Berlin
n/a

Details (Expert)

Datierung
1937
Weitere Titel
Sammlungstitel: Geburt
Übersetzung: Birth
Provenienz
im Besitz des Künstlers,
1939
Kauf: Stephan Lackner, Santa Barbara/Kalifornien,
388953
Galerie Curt Valentin (ehemals Buchholz Gallery), New York,
- Oktober 1951
Kauf: Galerie des 20. Jahrhunderts, Berlin (West),
1951–1968
Material / Technik
Öl auf Leinwand
Abmessungen
Höhe x Breite: 121 x 176,5 cm
Erwerbung
1951 Ankauf von der Galerie Curt Valentin, New York, durch das Land Berlin für die Galerie des 20. Jahrhunderts (West).

Objektbeschreibung

Beckmann war ein Maler größter Ambition. Mit der Krise der Weimarer Republik und der Machtübernahme der Nationalsozialisten äußerte sich das in mehreren Triptychen – Hauptwerke der Kunst des 20. Jahrhunderts, ebenso wie die Pendantbilder „Geburt“ und „Tod“ (B 80). „Geburt“, angesiedelt im Artistenmilieu, zeigt im großen Querformat einen sinnlichen Akt sowie eine Hebamme/Großmutter, die das neugeborene Kind hält. Helfer und Statisten mit teilweise grotesken Zügen umringen sie – womöglich könnte der Mann in Blau am Fußende der Vater sein. Ort des Geschehens ist ein mit Plakaten, Spiegeln, Blumen und einer brennenden Kerze (Symbol des Lebens) vollgestopfter Raum/Artistenwagen mit Dielenboden. Das komprimierte Bild steht in einer Reihe etwa mit dem „Zirkuswagen“ von 1940 (Städel Museum, Frankfurt am Main). Auf symptomatische Weise hat Beckmann private, traditionelle und esoterische Ikonografien verschränkt, die das Werk rätselhaft bis hermetisch erscheinen lassen. In seiner Londoner Rede vom 21. Juli 1938 erklärte er mit Blick auf seine kombinatorische Bildproduktion: „Zwiespältige Träume – laufen sie mir durcheinander, Samothrake – Picadilly – oder Wallstreet. – Eros und nicht mehr sein wollen. – Alle diese Dinge bestürzen mich wie Tugend und Verbrechen – […] schwarz und weiß, das sind die beiden Elemente mit denen ich zu tun habe“ (Max Beckmann, Die Realität der Träume in den Bildern, München/Zürich 1990, S. 49 f.). Die existenziellen Übergangsgeschehen von Geburt und Tod sind dieses Schwarz und Weiß, deren antagonistischer Kontrast links und rechts in den ovalen Spiegeln als Stellvertreter von Bildern aufscheint. | Olaf Peters

Letzte Aktualisierung: 30.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Neue Nationalgalerie

Weitere Objekte aus den Sammlungen

Innenraum-Entwurf

Innenraum-Entwurf

Bereits in den 1930er-Jahren entwickelte Mies van der Rohe die Methode der perspektivischen Fotomontagen oder Collagen als Studien zu seinen architektonischen Entwürfen, aber auch als eigenständige Kunstwerke. Sie wirken wie eine Vorwegnahme der computergenerierten Visualisierungen unserer Tage. In seinem Büro in Chicago fertigten Studierende unter seiner Aufsicht eine Vielzahl von Collagen zu den jeweiligen Projekten. Drei solcher Arbeiten, die einen Ausstellungsbereich mit Blick in den Museumsgarten darstellen, gehörten auch zur Präsentation des Entwurfs für den Bau der Neuen Nationalgalerie. Sie sollten, so Mies im Begleittext zur Entwurfsmappe, „den Charakter und Geist dieses Bereiches [des Untergeschosses] sowie seine Beziehung zum Garten klarmachen“ (Kunstbibliothek, Berlin). Feine Tusche-Linienzeichnungen des Raumes werden mit eingeklebten Fotos von einem Wald, die in Schwarz-Weiß mit Grünfilter gefertigt sind, und Fotos von Kunstwerken kombiniert, die teilweise zur Sammlung der Neuen Nationalgalerie gehören, größtenteils jedoch frei gewählt sind. Hier ist Wassily Kandinskys „Schwere Kreise“ (1927; Norton Simon Museum, Pasadena) mit Wilhelm Lehmbrucks „Große Stehende“ (1910; Von der Heydt-Museum, Wuppertal) kombiniert. Diese Werkauswahl spiegelt die Vorliebe des Architekten für die klassische Moderne, mit Lehmbruck war er außerdem persönlich und künstlerisch eng verbunden. Das von Mies bei der Möblierung bevorzugte Brauneichenfurnier verwendete er hier als abstrakten Raumteiler, der an Tresen oder hüfthohe Grafikschränke im Museum erinnert. Im Garten hinter der Glasfront ist ein rechteckiges Wasserbecken eingezeichnet, in dem die Bronze „La Rivière“ (1938–1943) von Aristide Maillol platziert ist. Hinter der Umfassungsmauer wuchert das dunkle Grün des Waldes. Das Zusammenspiel von Architektur, Kunst und Natur in den Collagen ist charakteristisch für Mies’ Entwurfsprinzip generell. | Uta Caspary

Aufstehendes Pferd

Aufstehendes Pferd

Das ehemals im Besitz des Reichsministeriums für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung in Berlin befindliche „Aufstehende Pferd“ aus lebhaft strukturiertem rot-schwarzen Lahnmarmor steht exemplarisch für Graevenitz’ Schaffen, dessen künstlerisch erfolgreichste Phase in die Zeit des Nationalsozialismus fiel. Ab 1937 leitete er die Bildhauerklasse sowie – mit einigen Unterbrechungen aus gesundheitlichen Gründen – vom selben Jahr bis 1945 die Kunstakademie in Stuttgart als Direktor. Beim vorliegenden Werk hat von Graevenitz offenbar das Zugleich von noch ruhendem Pferdekörper und sich bereits in Bewegung setzenden Vorderbeinen samt sich aufbäumendem Kopf bildhauerisch gereizt, variierte er das Thema doch mehrfach: so etwa in der monumentalen Travertinskulptur „Aufstehendes Pferd“ von 1934/1935 für den Garten des Robert-Bosch-Krankenhauses Stuttgart oder in seinem 1934 möglicherweise im Zusammenhang mit der Ausgestaltung des Berliner Olympiageländes entstandenen Entwurf „Pferd in Wellen“ (Verbleib unbekannt). Das heute als Dauerleihgabe in der Stiftung Fritz von Graevenitz in Solitude bei Stuttgart befindliche „Aufstehende Pferd“ aus dem Bestand der Nationalgalerie war von Graevenitz’ bildhauerischer Beitrag auf der „Großen Deutschen Kunstausstellung“ 1937 im Münchner Haus der Deutschen Kunst; es wurde 1938 auch unter dem Titel „Leżący koń“ (Liegendes Pferd) auf der Propagandaschau „Deutsche Bildhauer der Gegenwart“ in Warschau und Krakau gezeigt. | Yvette Deseyve

Un-Quadrat rot

Un-Quadrat rot

„Das Schrägelement – der senkrecht und waagrecht beschnittene, schräge Balken – […] ist aus der Diagonalen im Quadrat gewonnen. Daher steht es den Grundlagen und dem Ausgangspunkt absoluter Malerei nahe“, heißt es in Stankowskis Buch „Bildpläne“ (Stuttgart 1979, S. 97). Ein von links unten aufsteigender Schrägbalken sei „Ausdruck von Energie und Antriebskraft“; eine Diagonale vermittele „Erregung, Bewegtheit, Rhythmik und ‚Sensation‘“, unabhängig von ihrer Richtung (S. 99). Der Künstler und Designer Stankowski beschäftigte sich zeitlebens so intensiv mit dem Schrägelement, dass die Form zu einer Art Markenzeichen seiner Kunst wurde – sowohl in freien Arbeiten als auch im Grafikdesign. Sein wohl bekanntester Schrägstrich ist Teil des quadratischen Logos für die Deutsche Bank, das 1973 entstand. Doch bereits zuvor war die Schräge das visuell am ausgiebigsten erforschte Element seines Schaffens – ob in experimentellen Fotografien, Werbecollagen, Funktionsgrafiken, Markendesigns oder freien künstlerischen Arbeiten. Mit „Un-Quadrat“ ließ Stankowski die Schräge zur Bildgestalt werden: Die Leinwand selbst hat als „shaped canvas“ („geformtes Bild“) die aufsteigende Schrägform angenommen. Die Dynamik des Aufstrebens wird durch den Neigungswinkel unterstützt: Statt eines optisch ruhigeren 45-Grad-Winkels, der Diagonale eines Quadrats, wurde hier ein Winkel mit energiegeladenen 55 Grad gewählt. Diesen Kniff hatte Stankowski bereits erfolgreich beim Deutsche-Bank-Logo eingesetzt (dort mit 53 Grad). Der Werktitel „Un-Quadrat“ verweist also einerseits auf die als Bildkörper ausgeformte Leinwand ohne klassische rechte Winkel, andererseits auf das dynamische Ausbrechen der Schräge aus der Quadratdiagonale. | Christina Thomson