Logo

Porträt Frau D.

Ident. Nr.: B III 54

ObjID: obj:966747

n/a

Details (Expert)

Beteiligte
Heinrich Drake (1903 - 1994),
Künstler*in
Datierung
1931/1932
Weitere Titel
Sammlungstitel: Porträt Frau D.
Übersetzung: Portrait of Mrs. D.
Geografische Bezüge
Provenienz
im Besitz des Künstlers,
1968
Material / Technik
Bronze
Abmessungen
Höhe x Breite x Tiefe: 41 x 17 x 23,5 cm (inkl. Sockel)
Erwerbung
1968 Ankauf vom Künstler aus Mitteln des Ministeriums für Kultur der DDR

Objektbeschreibung

Dieser lebensgroße Bronzekopf entstand zwischen 1931 und 1932 in Berlin. Die Dargestellte ist Hilde Jacobsen, die Drake 1935 heiratete. Ein weiterer Guss des „Porträt Frau D.“ befindet sich im Staatlichen Museum Schwerin. Drake ist mit diesem Frauenbildnis ein subjektives und zugleich zeitloses Werk gelungen. Plastisch fließend und dabei straff geformt arbeitete er die physiognomischen Wölbungen – Kinn, Wangen, Stirn – fast geometrisch heraus. Die flach an den Kopf gelegten Haare betonen die Schädelform. Der ernste Blick mit von den Oberlidern ein wenig verdeckten Augen und die herben Gesichtszüge verleihen dem Porträt Eigensinn und eine natürlich wirkende Introvertiertheit. 1929 war Drake von Dresden nach Berlin gezogen mit der Aussicht, in Wilhelm Gerstels Klasse an den Vereinigten Staatsschulen für freie und angewandte Kunst aufgenommen zu werden, was sich jedoch bei der Aufnahmeprüfung zerschlug. Einzig mit Fürsprache Georg Kolbes arbeite er von nun an als freischaffender Bildhauer. Kolbe verschaffte ihm Zugang zum Verein Berliner Künstler, bei dem Drake erstmals 1931 ausstellte und 1936 Mitglied wurde. In den 1930er-Jahren erhielt er kaum Aufträge. Seinen Lebensunterhalt bestritt er mithilfe erster Preise bei Wettbewerben des finanzkräftigen Vereins Berliner Künstler. Seine hier porträtierte Frau erwarb „das Fehlende“, wie Drake rückblickend schrieb, durch „Bürotätigkeit“ (zit. nach: Heinrich Drake, hg. von Heinz Lüdecke, Dresden 1958, S. 6). Hilde Drake erkrankte im Sommer 1943 an einem organischen Nervenleiden, an dem sie im März 1958 starb. | Uta Caspary

Letzte Aktualisierung: 30.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Neue Nationalgalerie

Weitere Objekte aus den Sammlungen

Aufstehendes Pferd

Aufstehendes Pferd

Das ehemals im Besitz des Reichsministeriums für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung in Berlin befindliche „Aufstehende Pferd“ aus lebhaft strukturiertem rot-schwarzen Lahnmarmor steht exemplarisch für Graevenitz’ Schaffen, dessen künstlerisch erfolgreichste Phase in die Zeit des Nationalsozialismus fiel. Ab 1937 leitete er die Bildhauerklasse sowie – mit einigen Unterbrechungen aus gesundheitlichen Gründen – vom selben Jahr bis 1945 die Kunstakademie in Stuttgart als Direktor. Beim vorliegenden Werk hat von Graevenitz offenbar das Zugleich von noch ruhendem Pferdekörper und sich bereits in Bewegung setzenden Vorderbeinen samt sich aufbäumendem Kopf bildhauerisch gereizt, variierte er das Thema doch mehrfach: so etwa in der monumentalen Travertinskulptur „Aufstehendes Pferd“ von 1934/1935 für den Garten des Robert-Bosch-Krankenhauses Stuttgart oder in seinem 1934 möglicherweise im Zusammenhang mit der Ausgestaltung des Berliner Olympiageländes entstandenen Entwurf „Pferd in Wellen“ (Verbleib unbekannt). Das heute als Dauerleihgabe in der Stiftung Fritz von Graevenitz in Solitude bei Stuttgart befindliche „Aufstehende Pferd“ aus dem Bestand der Nationalgalerie war von Graevenitz’ bildhauerischer Beitrag auf der „Großen Deutschen Kunstausstellung“ 1937 im Münchner Haus der Deutschen Kunst; es wurde 1938 auch unter dem Titel „Leżący koń“ (Liegendes Pferd) auf der Propagandaschau „Deutsche Bildhauer der Gegenwart“ in Warschau und Krakau gezeigt. | Yvette Deseyve

Un-Quadrat rot

Un-Quadrat rot

„Das Schrägelement – der senkrecht und waagrecht beschnittene, schräge Balken – […] ist aus der Diagonalen im Quadrat gewonnen. Daher steht es den Grundlagen und dem Ausgangspunkt absoluter Malerei nahe“, heißt es in Stankowskis Buch „Bildpläne“ (Stuttgart 1979, S. 97). Ein von links unten aufsteigender Schrägbalken sei „Ausdruck von Energie und Antriebskraft“; eine Diagonale vermittele „Erregung, Bewegtheit, Rhythmik und ‚Sensation‘“, unabhängig von ihrer Richtung (S. 99). Der Künstler und Designer Stankowski beschäftigte sich zeitlebens so intensiv mit dem Schrägelement, dass die Form zu einer Art Markenzeichen seiner Kunst wurde – sowohl in freien Arbeiten als auch im Grafikdesign. Sein wohl bekanntester Schrägstrich ist Teil des quadratischen Logos für die Deutsche Bank, das 1973 entstand. Doch bereits zuvor war die Schräge das visuell am ausgiebigsten erforschte Element seines Schaffens – ob in experimentellen Fotografien, Werbecollagen, Funktionsgrafiken, Markendesigns oder freien künstlerischen Arbeiten. Mit „Un-Quadrat“ ließ Stankowski die Schräge zur Bildgestalt werden: Die Leinwand selbst hat als „shaped canvas“ („geformtes Bild“) die aufsteigende Schrägform angenommen. Die Dynamik des Aufstrebens wird durch den Neigungswinkel unterstützt: Statt eines optisch ruhigeren 45-Grad-Winkels, der Diagonale eines Quadrats, wurde hier ein Winkel mit energiegeladenen 55 Grad gewählt. Diesen Kniff hatte Stankowski bereits erfolgreich beim Deutsche-Bank-Logo eingesetzt (dort mit 53 Grad). Der Werktitel „Un-Quadrat“ verweist also einerseits auf die als Bildkörper ausgeformte Leinwand ohne klassische rechte Winkel, andererseits auf das dynamische Ausbrechen der Schräge aus der Quadratdiagonale. | Christina Thomson