Logo

Kopf

Ident. Nr.: B 485

ObjID: obj:966850

1961 erworben durch das Land Berlin
n/a

Details (Expert)

Beteiligte
Karl Schmidt-Rottluff (1884 - 1976),
Künstler*in
Datierung
um 1930
Weitere Titel
Sammlungstitel: Kopf
Übersetzung: Head
Provenienz
im Besitz des Künstlers,
1930–1960
Kauf: Galerie des 20. Jahrhunderts, Berlin (West),
1960–1968
Material / Technik
Kalkstein
Abmessungen
Höhe x Breite x Tiefe: 9,7 x 5,5 x 3 cm
Erwerbung
1961 Ankauf vom Künstler durch das Land Berlin für die Galerie des 20. Jahrhunderts (West)

Objektbeschreibung

Seit 1911/1912 schuf Schmidt-Rottluff neben Gemälden, Zeichnungen und Grafik auch plastische Werke, zunächst vor allem aus Holz. 1953 fand im Leicester Museum and Art Gallery eine Ausstellung mit Grafik und Steinschnitzereien des Künstlers statt. Seine Vertraute und langjährige Sammlerin seiner Werke, Rosa Schapire, hatte sie organisiert. 1939 war die jüdische Kunsthistorikerin nach England emigriert. Spätestens seit der Ausstellung in Leicester gehörten die kleinen Steinarbeiten – bearbeitete Kiesel, die Schmidt-Rottluff zumeist am Strand aufgelesen hatte – zu den anerkannten Arbeiten seines künstlerischen Werks. Vor allem bei den Sommeraufenthalten in Jershöft (heute Jarosławiec) von 1920 bis 1931 hatte Schmidt-Rottluff diese Technik gepflegt, nach dem Zweiten Weltkrieg nahm er sie bei Ostsee-Aufenthalten in Sierksdorf an der Lübecker Bucht wieder auf. Für die West-Berliner „Galerie des 20. Jahrhunderts“ erwarb deren Direktor, Adolf Jannasch, 1960/1961 drei Steinarbeiten: Zwei Werke aus den 1950er-Jahren („Hockende“, B 483, und „Rückenakt“, B 484) und diesen noch in Jershöft entstandenen Kopf. Dort hat Raoul Hausmann 1931 ein Foto mit drei Steinköpfen aufgenommen, das beschriftet ist mit: „S. Rottluff-Steine / Juli 31“ (WVZ Wietek 2001, Abb. S. 241). Einer der Köpfe zeigt die gleiche Haartracht wie der vorliegende, vielleicht auch ein gestreiftes Haartuch. Bei diesen Werken aus Jershöft scheint Schmidt-Rottluff in Kopfform und Haarbehandlung wie bei seinen frühen Holzarbeiten von afrikanischer Kunst beeinflusst worden zu sein. | Angelika Wesenberg

Letzte Aktualisierung: 30.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Neue Nationalgalerie

Weitere Objekte aus den Sammlungen

Un-Quadrat rot

Un-Quadrat rot

„Das Schrägelement – der senkrecht und waagrecht beschnittene, schräge Balken – […] ist aus der Diagonalen im Quadrat gewonnen. Daher steht es den Grundlagen und dem Ausgangspunkt absoluter Malerei nahe“, heißt es in Stankowskis Buch „Bildpläne“ (Stuttgart 1979, S. 97). Ein von links unten aufsteigender Schrägbalken sei „Ausdruck von Energie und Antriebskraft“; eine Diagonale vermittele „Erregung, Bewegtheit, Rhythmik und ‚Sensation‘“, unabhängig von ihrer Richtung (S. 99). Der Künstler und Designer Stankowski beschäftigte sich zeitlebens so intensiv mit dem Schrägelement, dass die Form zu einer Art Markenzeichen seiner Kunst wurde – sowohl in freien Arbeiten als auch im Grafikdesign. Sein wohl bekanntester Schrägstrich ist Teil des quadratischen Logos für die Deutsche Bank, das 1973 entstand. Doch bereits zuvor war die Schräge das visuell am ausgiebigsten erforschte Element seines Schaffens – ob in experimentellen Fotografien, Werbecollagen, Funktionsgrafiken, Markendesigns oder freien künstlerischen Arbeiten. Mit „Un-Quadrat“ ließ Stankowski die Schräge zur Bildgestalt werden: Die Leinwand selbst hat als „shaped canvas“ („geformtes Bild“) die aufsteigende Schrägform angenommen. Die Dynamik des Aufstrebens wird durch den Neigungswinkel unterstützt: Statt eines optisch ruhigeren 45-Grad-Winkels, der Diagonale eines Quadrats, wurde hier ein Winkel mit energiegeladenen 55 Grad gewählt. Diesen Kniff hatte Stankowski bereits erfolgreich beim Deutsche-Bank-Logo eingesetzt (dort mit 53 Grad). Der Werktitel „Un-Quadrat“ verweist also einerseits auf die als Bildkörper ausgeformte Leinwand ohne klassische rechte Winkel, andererseits auf das dynamische Ausbrechen der Schräge aus der Quadratdiagonale. | Christina Thomson