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Toter Soldat im Schützengraben (Gefallener III)

Ident. Nr.: A IV 494

ObjID: obj:966922

n/a

Details (Expert)

Beteiligte
Heinrich Ehmsen (1886 - 1964),
Künstler*in
Datierung
1919
Weitere Titel
Sammlungstitel: Toter Soldat im Schützengraben (Gefallener III)
Übersetzung: Dead Soldier in the Trench
Provenienz
im Besitz des Künstlers,
1964
Nachlass/Vermächtnis: Nachlass des Künstlers / Marianne Nisser, geb. Ehmsen, Stockholm,
1981
Material / Technik
Öl auf Holz
Abmessungen
Höhe x Breite: 24 x 32 cm
Erwerbung
1981 Ankauf vom Kulturfonds der DDR aus dem Nachlass des Künstlers für die Nationalgalerie

Objektbeschreibung

Rücklings, die entblößte Brust vom aufgerissenen rosa-weißen Hemd und der feldgrauen Uniformjacke blütenförmig umrahmt, liegt der Kadaver. Die Beine sind in unnatürlicher Abwinkelung gespreizt, in den Wogen der von Grün nach Rot changierenden Furchen der aufgewühlten Erde. Zu den grünblauen Tönen des Uniformmantels und der verwesenden Haut steht das leuchtende, festliche Rot der Hose in beunruhigendem Kontrast, ebenso wie zu dem gedämpften Caput mortuum der Beinlinge, die offenbar noch über die rote Hose gezogen sind. Das obszöne Hervorleuchten jener Röte trägt das eigentliche Grauen dieses empathischen Gefallenenporträts eines Franzosen – die wie Zielscheiben wirkenden Hosen wurden kurz nach Kriegsbeginn 1914 gegen solche in „horizont-“ (statt „preußisch-“) blauem Ton ausgetauscht. Das Ölbild entstand nach einer Bleistiftskizze, die Ehmsen 1915 im Schützengraben vor Verdun gemacht hatte (Kupferstichkabinett, Berlin). Im Februar 1919 war er nach über vierjährigem Kriegseinsatz nach München zurückgekehrt. In einer Ausstellung der Galerie Hans Goltz im November 1920 zeigte er 50 Bilder, die dem Kriegsgeschehen selbst wie den durch dieses verursachten seelischen Erschütterungen gewidmet sind. 37 davon waren in den vorangegangenen 21 Monaten entstanden. Mit dieser eruptiven Nachkriegsproduktion kam das Frühwerk Ehmsens zum Abschluss. Von etwa hundert in Bildtiteln dokumentierten Werken ist allerdings nur weniger als ein Dutzend im Original erhalten. | Kyllikki Zacharias

Letzte Aktualisierung: 30.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Neue Nationalgalerie

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Aufstehendes Pferd

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Das ehemals im Besitz des Reichsministeriums für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung in Berlin befindliche „Aufstehende Pferd“ aus lebhaft strukturiertem rot-schwarzen Lahnmarmor steht exemplarisch für Graevenitz’ Schaffen, dessen künstlerisch erfolgreichste Phase in die Zeit des Nationalsozialismus fiel. Ab 1937 leitete er die Bildhauerklasse sowie – mit einigen Unterbrechungen aus gesundheitlichen Gründen – vom selben Jahr bis 1945 die Kunstakademie in Stuttgart als Direktor. Beim vorliegenden Werk hat von Graevenitz offenbar das Zugleich von noch ruhendem Pferdekörper und sich bereits in Bewegung setzenden Vorderbeinen samt sich aufbäumendem Kopf bildhauerisch gereizt, variierte er das Thema doch mehrfach: so etwa in der monumentalen Travertinskulptur „Aufstehendes Pferd“ von 1934/1935 für den Garten des Robert-Bosch-Krankenhauses Stuttgart oder in seinem 1934 möglicherweise im Zusammenhang mit der Ausgestaltung des Berliner Olympiageländes entstandenen Entwurf „Pferd in Wellen“ (Verbleib unbekannt). Das heute als Dauerleihgabe in der Stiftung Fritz von Graevenitz in Solitude bei Stuttgart befindliche „Aufstehende Pferd“ aus dem Bestand der Nationalgalerie war von Graevenitz’ bildhauerischer Beitrag auf der „Großen Deutschen Kunstausstellung“ 1937 im Münchner Haus der Deutschen Kunst; es wurde 1938 auch unter dem Titel „Leżący koń“ (Liegendes Pferd) auf der Propagandaschau „Deutsche Bildhauer der Gegenwart“ in Warschau und Krakau gezeigt. | Yvette Deseyve

Un-Quadrat rot

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„Das Schrägelement – der senkrecht und waagrecht beschnittene, schräge Balken – […] ist aus der Diagonalen im Quadrat gewonnen. Daher steht es den Grundlagen und dem Ausgangspunkt absoluter Malerei nahe“, heißt es in Stankowskis Buch „Bildpläne“ (Stuttgart 1979, S. 97). Ein von links unten aufsteigender Schrägbalken sei „Ausdruck von Energie und Antriebskraft“; eine Diagonale vermittele „Erregung, Bewegtheit, Rhythmik und ‚Sensation‘“, unabhängig von ihrer Richtung (S. 99). Der Künstler und Designer Stankowski beschäftigte sich zeitlebens so intensiv mit dem Schrägelement, dass die Form zu einer Art Markenzeichen seiner Kunst wurde – sowohl in freien Arbeiten als auch im Grafikdesign. Sein wohl bekanntester Schrägstrich ist Teil des quadratischen Logos für die Deutsche Bank, das 1973 entstand. Doch bereits zuvor war die Schräge das visuell am ausgiebigsten erforschte Element seines Schaffens – ob in experimentellen Fotografien, Werbecollagen, Funktionsgrafiken, Markendesigns oder freien künstlerischen Arbeiten. Mit „Un-Quadrat“ ließ Stankowski die Schräge zur Bildgestalt werden: Die Leinwand selbst hat als „shaped canvas“ („geformtes Bild“) die aufsteigende Schrägform angenommen. Die Dynamik des Aufstrebens wird durch den Neigungswinkel unterstützt: Statt eines optisch ruhigeren 45-Grad-Winkels, der Diagonale eines Quadrats, wurde hier ein Winkel mit energiegeladenen 55 Grad gewählt. Diesen Kniff hatte Stankowski bereits erfolgreich beim Deutsche-Bank-Logo eingesetzt (dort mit 53 Grad). Der Werktitel „Un-Quadrat“ verweist also einerseits auf die als Bildkörper ausgeformte Leinwand ohne klassische rechte Winkel, andererseits auf das dynamische Ausbrechen der Schräge aus der Quadratdiagonale. | Christina Thomson