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Sie singen nicht mehr

Ident. Nr.: A IV 287

ObjID: obj:967100

n/a

Details (Expert)

Beteiligte
Georg Muche (1895 - 1987),
Künstler*in
Datierung
1929
Weitere Titel
Sammlungstitel: Sie singen nicht mehr
Übersetzung: They Have Ceased to Sing
Provenienz
im Besitz des Künstlers,
1973
Abmessungen
Höhe x Breite: 58 x 64 cm
Erwerbung
1973 Schenkung des Künstlers

Objektbeschreibung

Nach seinem Weggang vom mittlerweile in Dessau ansässigen Bauhaus 1927 kehrte Muche nach Berlin zurück und unterrichtete an der Kunstschule von Johannes Itten, der bereits 1923 das Bauhaus verlassen hatte. Einige Gemälde dieser Zeit widmen sich Themen wie Unsicherheit oder Unruhe. So bezieht sich der Titel „Sie singen nicht mehr“ zunächst auf die toten Vögel, die leicht rechts der Bildmitte wie zum Verkauf an den Füßen, links aber an ihren Hälsen aufgehängt sind. Die Darstellung ist unstet und fragmentiert: Nicht immer lassen sich die Körperteile der Vögel zuordnen, die instabile Holzkonstruktion im Hintergrund hat Lücken, und die vielen grauen und schwarzen Streifen entstellen den Raum. Das bullige Profil des Mannes ist in Grau gemalt; es wird von den aufgehängten Vögeln umringt und verdeckt. Dagegen ist das Frauenprofil vollständig sichtbar. Durch seine Stellung am rechten Bildrand und das kühle, statuenhafte Gesicht wirkt die Frau wie eine außenstehende Betrachterin und nicht als Teil des unheimlichen Geschehens. Muche verrät nicht, welche Rolle sie spielt, ob sie kritische Stimme, Zeugin, Warnerin oder doch jene ist, deren Gesang nun nicht mehr erklingt. | Emily Joyce Evans

Letzte Aktualisierung: 30.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Neue Nationalgalerie

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Un-Quadrat rot

Un-Quadrat rot

„Das Schrägelement – der senkrecht und waagrecht beschnittene, schräge Balken – […] ist aus der Diagonalen im Quadrat gewonnen. Daher steht es den Grundlagen und dem Ausgangspunkt absoluter Malerei nahe“, heißt es in Stankowskis Buch „Bildpläne“ (Stuttgart 1979, S. 97). Ein von links unten aufsteigender Schrägbalken sei „Ausdruck von Energie und Antriebskraft“; eine Diagonale vermittele „Erregung, Bewegtheit, Rhythmik und ‚Sensation‘“, unabhängig von ihrer Richtung (S. 99). Der Künstler und Designer Stankowski beschäftigte sich zeitlebens so intensiv mit dem Schrägelement, dass die Form zu einer Art Markenzeichen seiner Kunst wurde – sowohl in freien Arbeiten als auch im Grafikdesign. Sein wohl bekanntester Schrägstrich ist Teil des quadratischen Logos für die Deutsche Bank, das 1973 entstand. Doch bereits zuvor war die Schräge das visuell am ausgiebigsten erforschte Element seines Schaffens – ob in experimentellen Fotografien, Werbecollagen, Funktionsgrafiken, Markendesigns oder freien künstlerischen Arbeiten. Mit „Un-Quadrat“ ließ Stankowski die Schräge zur Bildgestalt werden: Die Leinwand selbst hat als „shaped canvas“ („geformtes Bild“) die aufsteigende Schrägform angenommen. Die Dynamik des Aufstrebens wird durch den Neigungswinkel unterstützt: Statt eines optisch ruhigeren 45-Grad-Winkels, der Diagonale eines Quadrats, wurde hier ein Winkel mit energiegeladenen 55 Grad gewählt. Diesen Kniff hatte Stankowski bereits erfolgreich beim Deutsche-Bank-Logo eingesetzt (dort mit 53 Grad). Der Werktitel „Un-Quadrat“ verweist also einerseits auf die als Bildkörper ausgeformte Leinwand ohne klassische rechte Winkel, andererseits auf das dynamische Ausbrechen der Schräge aus der Quadratdiagonale. | Christina Thomson