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Reiter

Ident. Nr.: B III 82

ObjID: obj:967150

n/a

Details (Expert)

Beteiligte
Josef Müllner (1879 - 1968),
Künstler*in
Datierung
1936
Weitere Titel
Sammlungstitel: Reiter
Übersetzung: Equestrian
Material / Technik
Blei
Abmessungen
Höhe x Breite x Tiefe: 131 x 40 x 120 cm
Erwerbung
1936 Überweisung durch das Reichs- und Preußische Ministerium für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung an die Nationalgalerie

Objektbeschreibung

Seit 1912 wurden die Olympischen Spiele von Kunstwettbewerben begleitet, so auch 1936 in Berlin. Künstler aus 23 Nationen hatten Werke mit sportlichen Motiven eingereicht. Der österreichische Bildhauer Müllner stellte ein klassizistisch anmutendes Reiterstandbild aus, das nach dem Ende des Wettbewerbs vermutlich direkt an die Nationalgalerie überwiesen wurde. Die Skulptur zeigt einen nackten Mann mit entschlossenem Blick auf einem forsch voranschreitenden Pferd. Der Kopf des Tieres ist erhoben, der auf ihm Sitzende scheint es, gemessen an seiner Handhaltung, bestens unter Kontrolle zu haben. Obwohl sich Müllner für eine unterlebensgroße Ausführung der Plastik entschied, büßt das Standbild nichts an Monumentalität ein. Die antikisierende, idealisierte Darstellung des muskulösen, aufrecht sitzenden Reiters drückt Kontrolle, Stärke und Selbstdisziplin aus und entsprach ganz der nationalsozialistischen Bildauffassung. Müllner war in Baden bei Wien aufgewachsen und hatte von 1896 bis 1902 an der Akademie der bildenden Künste in Wien studiert. 1910 erhielt er dort eine Professur, die er bis zu seiner Pensionierung 1948 innehaben sollte. In seinen Werken, die er vor allem für den öffentlichen Raum in Wien schuf, vertrat er von Beginn an einen neoklassizistischen Stil, den er auch während des Nationalsozialismus ohne große Modifikationen beibehielt. | Maike Steinkamp

Letzte Aktualisierung: 30.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Neue Nationalgalerie

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Aufstehendes Pferd

Aufstehendes Pferd

Das ehemals im Besitz des Reichsministeriums für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung in Berlin befindliche „Aufstehende Pferd“ aus lebhaft strukturiertem rot-schwarzen Lahnmarmor steht exemplarisch für Graevenitz’ Schaffen, dessen künstlerisch erfolgreichste Phase in die Zeit des Nationalsozialismus fiel. Ab 1937 leitete er die Bildhauerklasse sowie – mit einigen Unterbrechungen aus gesundheitlichen Gründen – vom selben Jahr bis 1945 die Kunstakademie in Stuttgart als Direktor. Beim vorliegenden Werk hat von Graevenitz offenbar das Zugleich von noch ruhendem Pferdekörper und sich bereits in Bewegung setzenden Vorderbeinen samt sich aufbäumendem Kopf bildhauerisch gereizt, variierte er das Thema doch mehrfach: so etwa in der monumentalen Travertinskulptur „Aufstehendes Pferd“ von 1934/1935 für den Garten des Robert-Bosch-Krankenhauses Stuttgart oder in seinem 1934 möglicherweise im Zusammenhang mit der Ausgestaltung des Berliner Olympiageländes entstandenen Entwurf „Pferd in Wellen“ (Verbleib unbekannt). Das heute als Dauerleihgabe in der Stiftung Fritz von Graevenitz in Solitude bei Stuttgart befindliche „Aufstehende Pferd“ aus dem Bestand der Nationalgalerie war von Graevenitz’ bildhauerischer Beitrag auf der „Großen Deutschen Kunstausstellung“ 1937 im Münchner Haus der Deutschen Kunst; es wurde 1938 auch unter dem Titel „Leżący koń“ (Liegendes Pferd) auf der Propagandaschau „Deutsche Bildhauer der Gegenwart“ in Warschau und Krakau gezeigt. | Yvette Deseyve

Un-Quadrat rot

Un-Quadrat rot

„Das Schrägelement – der senkrecht und waagrecht beschnittene, schräge Balken – […] ist aus der Diagonalen im Quadrat gewonnen. Daher steht es den Grundlagen und dem Ausgangspunkt absoluter Malerei nahe“, heißt es in Stankowskis Buch „Bildpläne“ (Stuttgart 1979, S. 97). Ein von links unten aufsteigender Schrägbalken sei „Ausdruck von Energie und Antriebskraft“; eine Diagonale vermittele „Erregung, Bewegtheit, Rhythmik und ‚Sensation‘“, unabhängig von ihrer Richtung (S. 99). Der Künstler und Designer Stankowski beschäftigte sich zeitlebens so intensiv mit dem Schrägelement, dass die Form zu einer Art Markenzeichen seiner Kunst wurde – sowohl in freien Arbeiten als auch im Grafikdesign. Sein wohl bekanntester Schrägstrich ist Teil des quadratischen Logos für die Deutsche Bank, das 1973 entstand. Doch bereits zuvor war die Schräge das visuell am ausgiebigsten erforschte Element seines Schaffens – ob in experimentellen Fotografien, Werbecollagen, Funktionsgrafiken, Markendesigns oder freien künstlerischen Arbeiten. Mit „Un-Quadrat“ ließ Stankowski die Schräge zur Bildgestalt werden: Die Leinwand selbst hat als „shaped canvas“ („geformtes Bild“) die aufsteigende Schrägform angenommen. Die Dynamik des Aufstrebens wird durch den Neigungswinkel unterstützt: Statt eines optisch ruhigeren 45-Grad-Winkels, der Diagonale eines Quadrats, wurde hier ein Winkel mit energiegeladenen 55 Grad gewählt. Diesen Kniff hatte Stankowski bereits erfolgreich beim Deutsche-Bank-Logo eingesetzt (dort mit 53 Grad). Der Werktitel „Un-Quadrat“ verweist also einerseits auf die als Bildkörper ausgeformte Leinwand ohne klassische rechte Winkel, andererseits auf das dynamische Ausbrechen der Schräge aus der Quadratdiagonale. | Christina Thomson