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Drei Akte (Dünenbild aus Nidden)

Ident. Nr.: B 1

ObjID: obj:967168

1949 erworben durch das Land Berlin
n/a

Details (Expert)

Beteiligte
Karl Schmidt-Rottluff (1884 - 1976),
Künstler*in
Datierung
1913
Weitere Titel
Sammlungstitel: Drei Akte (Dünenbild aus Nidden)
Übersetzung: Three Nudes (Picture of Dunes near Nidden)
Provenienz
im Besitz des Künstlers,
1913–1949
Walter Schüler, Berlin,
1949
Kauf: Galerie des 20. Jahrhunderts, Berlin (West),
1949–1968
Material / Technik
Öl auf Leinwand
Abmessungen
Höhe x Breite: 98 x 106,5 cm
Erwerbung
1949 Ankauf von der Galerie Schüler, Berlin, durch das Land Berlin für die Galerie des 20. Jahrhunderts (West)

Objektbeschreibung

Den Sommer 1913 verbrachte Schmidt-Rottluff erstmals in Nidden auf der Kurischen Nehrung. Er hielt sich von Ende Mai an etwa drei Monate lang dort auf, wo bereits Max Pechstein in den Sommern 1909 und 1911 gearbeitet hatte. Es entstand eine große Anzahl an lapidaren, farbstarken Ansichten sonnendurchglühter Strände, häufig verbunden mit Aktdarstellungen, einem Sujet, das bisher kaum eine Rolle in Schmidt-Rottluffs Werk gespielt hatte. Die drei großen Badenden, die aufgerichtet das Bildformat sprengen würden, sind ziegelrot auf leuchtendrotem Untergrund gemalt. Der Künstler hat sie ebenso wie das als grüne Zackenform wiedergegebene Dünengras zeichenhaft erfasst. Dunkelblaue Linien umschreiben die gerundeten, monumentalen Formen der Körper und skizzierten Gesichter. Ein Widerhall der „Großen Badenden“ von Paul Cézanne (1900–1906; Philadelphia Museum of Art), die 1909 in der Berliner Secession ausgestellt waren, ist denkbar, aber auch der Einfluss archaischer Kunst, überhaupt der Mode des Primitivismus. Ernst Ludwig Kirchner bemerkte in der umstrittenen „Chronik“ der Künstlergruppe Brücke 1913, dass Schmidt-Rottluff bei seinen Seeaufenthalten einen „monumentalen Impressionismus“ (Expressionisten. Die Avantgarde in Deutschland 1905-1920, Ausst.-Kat., Berlin 1986, S. 122) entwickelt habe. Will Grohmann hat die Bilder jenes Sommers beschrieben: „Es ist eine Art heraldischer Stil […] alles Existenzielle ist auf wenige wesenhafte Abkürzungen und Bedeutungszeichen reduziert. […] Wie sehr er damit allein steht, erhellt, wenn man die gleichzeitigen Arbeiten seiner Freunde mit diesen Figurenbildern vergleicht“ (Will Grohmann, Karl Schmidt-Rottluff, Stuttgart 1956, S. 72). | Angelika Wesenberg

Letzte Aktualisierung: 30.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Neue Nationalgalerie

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Un-Quadrat rot

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„Das Schrägelement – der senkrecht und waagrecht beschnittene, schräge Balken – […] ist aus der Diagonalen im Quadrat gewonnen. Daher steht es den Grundlagen und dem Ausgangspunkt absoluter Malerei nahe“, heißt es in Stankowskis Buch „Bildpläne“ (Stuttgart 1979, S. 97). Ein von links unten aufsteigender Schrägbalken sei „Ausdruck von Energie und Antriebskraft“; eine Diagonale vermittele „Erregung, Bewegtheit, Rhythmik und ‚Sensation‘“, unabhängig von ihrer Richtung (S. 99). Der Künstler und Designer Stankowski beschäftigte sich zeitlebens so intensiv mit dem Schrägelement, dass die Form zu einer Art Markenzeichen seiner Kunst wurde – sowohl in freien Arbeiten als auch im Grafikdesign. Sein wohl bekanntester Schrägstrich ist Teil des quadratischen Logos für die Deutsche Bank, das 1973 entstand. Doch bereits zuvor war die Schräge das visuell am ausgiebigsten erforschte Element seines Schaffens – ob in experimentellen Fotografien, Werbecollagen, Funktionsgrafiken, Markendesigns oder freien künstlerischen Arbeiten. Mit „Un-Quadrat“ ließ Stankowski die Schräge zur Bildgestalt werden: Die Leinwand selbst hat als „shaped canvas“ („geformtes Bild“) die aufsteigende Schrägform angenommen. Die Dynamik des Aufstrebens wird durch den Neigungswinkel unterstützt: Statt eines optisch ruhigeren 45-Grad-Winkels, der Diagonale eines Quadrats, wurde hier ein Winkel mit energiegeladenen 55 Grad gewählt. Diesen Kniff hatte Stankowski bereits erfolgreich beim Deutsche-Bank-Logo eingesetzt (dort mit 53 Grad). Der Werktitel „Un-Quadrat“ verweist also einerseits auf die als Bildkörper ausgeformte Leinwand ohne klassische rechte Winkel, andererseits auf das dynamische Ausbrechen der Schräge aus der Quadratdiagonale. | Christina Thomson