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Blick vom Rupenhorn auf die Havel

Ident. Nr.: B 724

ObjID: obj:967183

1964 erworben durch das Land Berlin
n/a

Details (Expert)

Beteiligte
Max Beckmann (1884 - 1950),
Künstler*in
Datierung
1936
Weitere Titel
Sammlungstitel: Blick vom Rupenhorn auf die Havel
Übersetzung: View on the Havel from Rupenhorn
Geografische Bezüge
Provenienz
im Besitz des Künstlers,
1936
Kauf: Stephan Lackner, Paris, später Santa Barbara (Kalifornien),
spätestens 1937 - 1955
Kommission: Curt Valentin, Buchholz Gallery, New York; wohl in Kommission von Stephan Lackner,
Herbst 1937 - 1939
Richard Feigen Gallery, Chicago,
388963
Walter Feilchenfeldt, Zürich,
388964
Kunsthandel Franz Resch, Gauting,
388965
Galerie Wilhelm Grosshenning, Düsseldorf,
um 1963 - 1964
Kauf: Galerie des 20. Jahrhunderts, Berlin (West),
1964–1968
Material / Technik
Öl auf Leinwand
Abmessungen
Höhe x Breite: 50,5 x 80,5 cm
Erwerbung
1964 Ankauf von der Galerie Grosshenning, Düsseldorf, durch das Land Berlin mit Mitteln der Deutschen Klassenlotterie für die Galerie des 20. Jahrhunderts (West).

Objektbeschreibung

Das Gemälde ist eine radikale Bildfindung, stellt es doch eine vollständig ins Rutschen geratene Welt auf schiefer Ebene vor Augen, die sich noch dazu vor der eigenen Haustür auftut. Beckmann, der von 1925 bis 1933 Professor an der Städelschule in Frankfurt am Main gewesen war, hatte sich nach seiner Entlassung durch die neuen Machthaber nach Bayern und Berlin geflüchtet. Er hoffte, in der Anonymität relativ sicher zu sein, verhinderte größeres Aufheben zu seinem 50. Geburtstag 1934 und wartete ab. Angesichts von Kontakten zu der NS-Elite nahestehenden Sammlern spekulierte der Maler vielleicht sogar darauf, nicht völlig ausgeschaltet zu werden. Einen offiziellen Platz konnte er jedoch nicht mehr einnehmen, und das wurde ihm immer deutlicher. In einem Brief vom 28. April 1936 erinnerte er seine Frau Mathilde daran, mit in den Niederlanden lebenden Verwandten „die Möglichkeiten einer Übersiedlung zu besprechen“ (Max Beckmann, Briefe, Band II, München/Zürich 1994, S. 261). Damit war die Emigration aus Nazideutschland konkret ins Auge gefasst und erfolgte im Juli 1937. Die Wirklichkeit des Bildes ist porös: Beckmann hat die farbige Untermalung des Gemäldes an vielen Stellen stehen gelassen und darauf fast aquarellhaft tupfend die (Stadt-)Flusslandschaft mit der Baumgruppe gestaltet, die so einen kontingent-flüchtigen Charakter annimmt. Alle Bäume neigen sich nach links, ebenso das gelbe Haus und die Balkonbrüstung. Nur der rosafarbene Weg und die ovale Form einer Sessellehne stabilisieren links ansatzweise die aus dem Gleichgewicht gebrachte Komposition. Der Künstlerexistenz wird der Boden buchstäblich unter den Füßen weggezogen. | Olaf Peters

Letzte Aktualisierung: 30.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Neue Nationalgalerie

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Aufstehendes Pferd

Aufstehendes Pferd

Das ehemals im Besitz des Reichsministeriums für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung in Berlin befindliche „Aufstehende Pferd“ aus lebhaft strukturiertem rot-schwarzen Lahnmarmor steht exemplarisch für Graevenitz’ Schaffen, dessen künstlerisch erfolgreichste Phase in die Zeit des Nationalsozialismus fiel. Ab 1937 leitete er die Bildhauerklasse sowie – mit einigen Unterbrechungen aus gesundheitlichen Gründen – vom selben Jahr bis 1945 die Kunstakademie in Stuttgart als Direktor. Beim vorliegenden Werk hat von Graevenitz offenbar das Zugleich von noch ruhendem Pferdekörper und sich bereits in Bewegung setzenden Vorderbeinen samt sich aufbäumendem Kopf bildhauerisch gereizt, variierte er das Thema doch mehrfach: so etwa in der monumentalen Travertinskulptur „Aufstehendes Pferd“ von 1934/1935 für den Garten des Robert-Bosch-Krankenhauses Stuttgart oder in seinem 1934 möglicherweise im Zusammenhang mit der Ausgestaltung des Berliner Olympiageländes entstandenen Entwurf „Pferd in Wellen“ (Verbleib unbekannt). Das heute als Dauerleihgabe in der Stiftung Fritz von Graevenitz in Solitude bei Stuttgart befindliche „Aufstehende Pferd“ aus dem Bestand der Nationalgalerie war von Graevenitz’ bildhauerischer Beitrag auf der „Großen Deutschen Kunstausstellung“ 1937 im Münchner Haus der Deutschen Kunst; es wurde 1938 auch unter dem Titel „Leżący koń“ (Liegendes Pferd) auf der Propagandaschau „Deutsche Bildhauer der Gegenwart“ in Warschau und Krakau gezeigt. | Yvette Deseyve

Un-Quadrat rot

Un-Quadrat rot

„Das Schrägelement – der senkrecht und waagrecht beschnittene, schräge Balken – […] ist aus der Diagonalen im Quadrat gewonnen. Daher steht es den Grundlagen und dem Ausgangspunkt absoluter Malerei nahe“, heißt es in Stankowskis Buch „Bildpläne“ (Stuttgart 1979, S. 97). Ein von links unten aufsteigender Schrägbalken sei „Ausdruck von Energie und Antriebskraft“; eine Diagonale vermittele „Erregung, Bewegtheit, Rhythmik und ‚Sensation‘“, unabhängig von ihrer Richtung (S. 99). Der Künstler und Designer Stankowski beschäftigte sich zeitlebens so intensiv mit dem Schrägelement, dass die Form zu einer Art Markenzeichen seiner Kunst wurde – sowohl in freien Arbeiten als auch im Grafikdesign. Sein wohl bekanntester Schrägstrich ist Teil des quadratischen Logos für die Deutsche Bank, das 1973 entstand. Doch bereits zuvor war die Schräge das visuell am ausgiebigsten erforschte Element seines Schaffens – ob in experimentellen Fotografien, Werbecollagen, Funktionsgrafiken, Markendesigns oder freien künstlerischen Arbeiten. Mit „Un-Quadrat“ ließ Stankowski die Schräge zur Bildgestalt werden: Die Leinwand selbst hat als „shaped canvas“ („geformtes Bild“) die aufsteigende Schrägform angenommen. Die Dynamik des Aufstrebens wird durch den Neigungswinkel unterstützt: Statt eines optisch ruhigeren 45-Grad-Winkels, der Diagonale eines Quadrats, wurde hier ein Winkel mit energiegeladenen 55 Grad gewählt. Diesen Kniff hatte Stankowski bereits erfolgreich beim Deutsche-Bank-Logo eingesetzt (dort mit 53 Grad). Der Werktitel „Un-Quadrat“ verweist also einerseits auf die als Bildkörper ausgeformte Leinwand ohne klassische rechte Winkel, andererseits auf das dynamische Ausbrechen der Schräge aus der Quadratdiagonale. | Christina Thomson