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Kriegsblinder Verso: Landschaft

Ident. Nr.: A IV 547

ObjID: obj:967198

n/a

Details (Expert)

Beteiligte
Horst Strempel (1904 - 1975),
Künstler*in
Datierung
1930/1931
Weitere Titel
Sammlungstitel: Kriegsblinder Verso: Landschaft
Übersetzung: War-Blinded Verso: Landscape
Provenienz
Nachlass/Vermächtnis: Sohn des Künstlers, Berlin (West),
1985
Kauf: Staatlicher Kunsthandel der DDR,
1985–1986
Material / Technik
Öl auf Pappe
Abmessungen
Höhe x Breite: 53,3 x 40,7 cm
Erwerbung
1985 Ankauf vom Staatlichen Kunsthandel mit Mitteln des Kulturfonds der DDR aus dem Nachlass des Künstlers.

Objektbeschreibung

Die Folgen des Ersten Weltkriegs für den Einzelnen fanden auch in der Kunst ihren Ausdruck, vornehmlich durch drastische Darstellungen versehrter Kriegsheimkehrer. Strempels späte Bearbeitung des Themas steht unverkennbar in dieser Tradition, zu deren Ikonen die Invalidenbilder von George Grosz oder Otto Dix’ „Streichholzhändler“ (1920; Staatsgalerie Stuttgart) zählen. Den Kopf in einen Verband, den Körper in einen ärmlichen Mantel gehüllt, läuft der „Kriegsblinde“ eine verschneite nächtliche Straße entlang, direkt auf die Betrachter:innen zu. Vor sich umklammert er eine Tasche oder ein Kästchen, möglicherweise mit einem kargen Warenangebot, den letzten Habseligkeiten oder den Betteleinkünften des Tages. Dass sein Gesicht die Assoziation an einen Totenkopf weckt, unterstreicht die Trost- und Ausweglosigkeit seiner Lage und Herkunft und verleiht der Figur in der Düsternis eine fast bedrohliche Wirkung. Die skizzenhafte Darstellung des Blinden ähnelt früheren Arbeiten des Künstlers zu verwandten Themen (etwa „Musizierender Kriegskrüppel mit Frau und Kind“, 1932; Standort unbekannt), die typische Ausdruckform seiner Figuren in späteren Bildern hingegen lässt sich lediglich erahnen. Auf der Rückseite ist eine Szene zu sehen, die kaum gegensätzlicher sein könnte: eine Landschaft in hellen Farben mit Bäumen, die idyllisch ein Flussufer säumen. Diese Darstellung ist unsigniert; möglicherweise stammt sie nicht von Strempel. | Sven Haase

Letzte Aktualisierung: 30.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Neue Nationalgalerie

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Un-Quadrat rot

Un-Quadrat rot

„Das Schrägelement – der senkrecht und waagrecht beschnittene, schräge Balken – […] ist aus der Diagonalen im Quadrat gewonnen. Daher steht es den Grundlagen und dem Ausgangspunkt absoluter Malerei nahe“, heißt es in Stankowskis Buch „Bildpläne“ (Stuttgart 1979, S. 97). Ein von links unten aufsteigender Schrägbalken sei „Ausdruck von Energie und Antriebskraft“; eine Diagonale vermittele „Erregung, Bewegtheit, Rhythmik und ‚Sensation‘“, unabhängig von ihrer Richtung (S. 99). Der Künstler und Designer Stankowski beschäftigte sich zeitlebens so intensiv mit dem Schrägelement, dass die Form zu einer Art Markenzeichen seiner Kunst wurde – sowohl in freien Arbeiten als auch im Grafikdesign. Sein wohl bekanntester Schrägstrich ist Teil des quadratischen Logos für die Deutsche Bank, das 1973 entstand. Doch bereits zuvor war die Schräge das visuell am ausgiebigsten erforschte Element seines Schaffens – ob in experimentellen Fotografien, Werbecollagen, Funktionsgrafiken, Markendesigns oder freien künstlerischen Arbeiten. Mit „Un-Quadrat“ ließ Stankowski die Schräge zur Bildgestalt werden: Die Leinwand selbst hat als „shaped canvas“ („geformtes Bild“) die aufsteigende Schrägform angenommen. Die Dynamik des Aufstrebens wird durch den Neigungswinkel unterstützt: Statt eines optisch ruhigeren 45-Grad-Winkels, der Diagonale eines Quadrats, wurde hier ein Winkel mit energiegeladenen 55 Grad gewählt. Diesen Kniff hatte Stankowski bereits erfolgreich beim Deutsche-Bank-Logo eingesetzt (dort mit 53 Grad). Der Werktitel „Un-Quadrat“ verweist also einerseits auf die als Bildkörper ausgeformte Leinwand ohne klassische rechte Winkel, andererseits auf das dynamische Ausbrechen der Schräge aus der Quadratdiagonale. | Christina Thomson