Details (Expert)
- Beteiligte
- Datierung
- 1849
- Weitere Titel
- Sammlungstitel: SS. Giovanni e Paolo in VenedigS.S. Giovanni Paolo
- Material / Technik
- Öl auf Leinwand
- Permalink
- https://id.smb.museum/object/967535
Objektbeschreibung
Der 1807 in Erfurt geborene Friedrich Nerly wuchs nach dem frühen Tod seines Vaters ab 1815 beim Bruder seiner Mutter in Hamburg auf. Der Onkel erkannte Nerlys künstlerische Begabung und förderte ihn. Er wurde Lehrling in der lithographischen Werkstatt von Heinrich Joachim Herterich und Johann Michael Speckter. Dort lernte der junge Nerly den Mäzen Freiherr Carl Friedrich von Rumohr (1785-1843) kennen. Die Begegnung mit dem weitgereisten und bestvernetzten Kunsthistoriker, Kunstpädagogen und Amateurkünstler wurde für Nerly prägend. Rumohr nahm ab 1823 den 16-Jährigen zur weiteren Ausbildung bei sich auf Gut Rothenhausen bei Lübeck auf.
1827 begleitete Nerly seinen Mentor auf einer Reise durch Deutschland, u.a. nach Dresden und München. In Weimar besuchten sie Goethe. Im Frühjahr ging es nach Italien. Da Rumohr nach Deutschland zurückkehren musste, traf Nerly im Dezember 1828 ohne seinen Mäzen in Rom ein. Von dort aus bereiste der Maler in den nachfolgenden Jahren verschiedene Regionen Italiens. Der mit dem Namen „Nehrlich“ geborene Künstler nannte sich fortan „Nerly“.
1837 besuchte Nerly Venedig. Die Stadt am Meer mit ihren großartigen Bauwerken, den alten Palästen, Kirchen und Plätzen, mit ihren zahlreichen Brücken und Kanälen, muss ihn fasziniert haben. Im Januar 1838 bezog Nerly eine Wohnung im Palazzo Pisani am Campo San Stefano, wo er über vierzig Jahre wohnen, arbeiten und Gäste empfangen sollte. Er spezialisierte sich erfolgreich auf venezianische Stadtansichten. Die Ansicht der „Piazzetta in Venedig bei Mondschein“ wurde sein berühmtestes und am meisten nachgefragtes Werk. Nerly porträtierte nicht nur bekannte Gebäude und Plätze, als einer der ersten malte er die Lagune, den noch unerschlossenen Lido und viele unscheinbare Winkel Venedigs. Er wurde der prominenteste in Venedig ansässige ausländische Maler. In den Reisehandbüchern wurde Nerlys Atelierwohnung als Anlaufstelle für Kunstinteressierte empfohlen. Nerly erfand nicht nur ein neues Bild der Lagunenstadt, sondern begründete auch die venezianische Freilichtmalerei.
In dem großformatigen, repräsentativen Gemälde hat der Maler eine Ansicht der Kirche SS. Giovanni e Paolo ins Zentrum gerückt (auch San Zanipolo genannt). Der knapp 100 Meter lange Bau zählt zu den größten und bedeutendsten Gebäuden der Venezianischen Gotik. Er wurde die Grablege der Dogen. Links neben der Kirche ist die prächtige Fassade der um 1500 errichteten Scuola di San Marco dargestellt. Rechts auf dem Platz vor den Gebäuden steht auf einem hohen vom Sonnenlicht beschienenen Sockel das bronzene Reiterdenkmal des Condottiere Bartolomeo Colleoni von Andrea del Verrocchio. Nerly hat die Ansicht vom Wasser aus aufgenommen. Auf dem Kanal sind Händler mit Schiffen und Booten unterwegs, an der Ufermauer liegen Gondeln. Auf dem Platz herrscht geschäftiges Treiben, mehrere Besucher strömen zum Eingang der Kirche. Nerly hat die reich verzierten Fassaden der historischen Bauten im Wechsel von Licht und Schatten subtil erfasst. Unter einem fast wolkenlosen blauen Himmel entfalten sich Pracht und Würde der geschichtsträchtigen Gebäude Venedigs.
1850 war das Gemälde auf der Berliner Akademieausstellung zu sehen, mit dem Hinweis im Katalog: „Im Besitz Sr. Maj. des Königs“ (Kat. 1249). Ein Jahr zuvor, im Jahr der Vollendung 1849, hatte Friedrich Wilhelm IV. das Werk erworben. Wohl in Erinnerung an seine Venedigaufenthalte war von ihm das Bild beim Maler bestellt worden. 1876 wurde das Gemälde anlässlich der Eröffnung der Nationalgalerie auf der Museumsinsel aus der kaiserlich-königlichen Sammlung an das Museum überwiesen (Vgl. NG-Kat. 1876, S. 148).
Eine Vorzeichnung befindet sich im Metropolitan Museum New York (SS. Giovanni e Paolo in Venedig mit dem Reiterstandbild des Bartolommeo Colleoni von Verrocchio, Bleistift, 37,7 x 46,3 cm, Inv.-Nr. 2008.198, Metropolitan Museum New York). Eine Teilansicht in Aquarell wird im Angermuseum Erfurt bewahrt (1849, Aquarell, 74,7 x 55,1, cm, Angermuseum Erfurt, Inv.-Nr. 3028).| Birgit Verwiebe
1827 begleitete Nerly seinen Mentor auf einer Reise durch Deutschland, u.a. nach Dresden und München. In Weimar besuchten sie Goethe. Im Frühjahr ging es nach Italien. Da Rumohr nach Deutschland zurückkehren musste, traf Nerly im Dezember 1828 ohne seinen Mäzen in Rom ein. Von dort aus bereiste der Maler in den nachfolgenden Jahren verschiedene Regionen Italiens. Der mit dem Namen „Nehrlich“ geborene Künstler nannte sich fortan „Nerly“.
1837 besuchte Nerly Venedig. Die Stadt am Meer mit ihren großartigen Bauwerken, den alten Palästen, Kirchen und Plätzen, mit ihren zahlreichen Brücken und Kanälen, muss ihn fasziniert haben. Im Januar 1838 bezog Nerly eine Wohnung im Palazzo Pisani am Campo San Stefano, wo er über vierzig Jahre wohnen, arbeiten und Gäste empfangen sollte. Er spezialisierte sich erfolgreich auf venezianische Stadtansichten. Die Ansicht der „Piazzetta in Venedig bei Mondschein“ wurde sein berühmtestes und am meisten nachgefragtes Werk. Nerly porträtierte nicht nur bekannte Gebäude und Plätze, als einer der ersten malte er die Lagune, den noch unerschlossenen Lido und viele unscheinbare Winkel Venedigs. Er wurde der prominenteste in Venedig ansässige ausländische Maler. In den Reisehandbüchern wurde Nerlys Atelierwohnung als Anlaufstelle für Kunstinteressierte empfohlen. Nerly erfand nicht nur ein neues Bild der Lagunenstadt, sondern begründete auch die venezianische Freilichtmalerei.
In dem großformatigen, repräsentativen Gemälde hat der Maler eine Ansicht der Kirche SS. Giovanni e Paolo ins Zentrum gerückt (auch San Zanipolo genannt). Der knapp 100 Meter lange Bau zählt zu den größten und bedeutendsten Gebäuden der Venezianischen Gotik. Er wurde die Grablege der Dogen. Links neben der Kirche ist die prächtige Fassade der um 1500 errichteten Scuola di San Marco dargestellt. Rechts auf dem Platz vor den Gebäuden steht auf einem hohen vom Sonnenlicht beschienenen Sockel das bronzene Reiterdenkmal des Condottiere Bartolomeo Colleoni von Andrea del Verrocchio. Nerly hat die Ansicht vom Wasser aus aufgenommen. Auf dem Kanal sind Händler mit Schiffen und Booten unterwegs, an der Ufermauer liegen Gondeln. Auf dem Platz herrscht geschäftiges Treiben, mehrere Besucher strömen zum Eingang der Kirche. Nerly hat die reich verzierten Fassaden der historischen Bauten im Wechsel von Licht und Schatten subtil erfasst. Unter einem fast wolkenlosen blauen Himmel entfalten sich Pracht und Würde der geschichtsträchtigen Gebäude Venedigs.
1850 war das Gemälde auf der Berliner Akademieausstellung zu sehen, mit dem Hinweis im Katalog: „Im Besitz Sr. Maj. des Königs“ (Kat. 1249). Ein Jahr zuvor, im Jahr der Vollendung 1849, hatte Friedrich Wilhelm IV. das Werk erworben. Wohl in Erinnerung an seine Venedigaufenthalte war von ihm das Bild beim Maler bestellt worden. 1876 wurde das Gemälde anlässlich der Eröffnung der Nationalgalerie auf der Museumsinsel aus der kaiserlich-königlichen Sammlung an das Museum überwiesen (Vgl. NG-Kat. 1876, S. 148).
Eine Vorzeichnung befindet sich im Metropolitan Museum New York (SS. Giovanni e Paolo in Venedig mit dem Reiterstandbild des Bartolommeo Colleoni von Verrocchio, Bleistift, 37,7 x 46,3 cm, Inv.-Nr. 2008.198, Metropolitan Museum New York). Eine Teilansicht in Aquarell wird im Angermuseum Erfurt bewahrt (1849, Aquarell, 74,7 x 55,1, cm, Angermuseum Erfurt, Inv.-Nr. 3028).| Birgit Verwiebe
Letzte Aktualisierung: 16.03.2026
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Alte Nationalgalerie
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