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Panta Rhei

Ident. Nr.: B 817

ObjID: obj:967654

1966 erworben durch das Land Berlin
n/a

Details (Expert)

Beteiligte
Bernhard Heiliger (1915 - 1995),
Künstler*in
Datierung
1962/1963
Material / Technik
Hartstuck, Zement und Eisen
Abmessungen
Höhe x Breite: 375 x 648 cm
Erwerbung
1966 Schenkung des Künstlers, Berlin, für die Galerie des 20. Jahrhunderts (West)

Objektbeschreibung

Das über sechs Meter lange Wandrelief ist seit 1984 als Dauerleihgabe der Nationalgalerie im Foyer der Staatsbibliothek am Potsdamer Platz in Berlin der Öffentlichkeit zugänglich. Es besteht aus Hartstuck und diente als Modell für einen Bronzeguss, der 1963 für die deutsche Botschaft in Paris gefertigt wurde, wo er sich bis heute befindet. Die erdig-dick verkrustete und durchfurchte Oberfläche erinnert an die Malerei des Informel, bei der das Material Farbe bisweilen plastisch behandelt wurdee. „Panta Rhei“ geht in seiner Monumentalität, Plastizität und Dynamik darüber hinaus. Das Format einer Leinwand andeutend, gleicht die Arbeit eher einem massiven steinernen Monument und greift damit den unebenen, gemaserten Steinfußboden der Staatsbibliothek auf, den es beinahe berührt; so fügt sich das Werk trotz stilistischer Brüche in die Architektur Hans Scharouns ein. Die massiven Fragmente, die aus der Fläche heraustreten, scheinen sich im Fluss oder einem freien Schwebezustand zu befinden, eine Assoziation, die auch durch den Titel nahegelegt wird. Die facettenreiche Farbgebung mit Weißhöhungen belebt die Dynamik des Reliefs und verleiht ihr etwas Organisches, so als handelte es sich bei den fluid wirkenden Fragmenten um treibende Eisschollen oder eine spitzwinklige Mondlandschaft, aus der Vogelperspektive betrachtet. Einzelne Elemente sind vom Bildrand abgeschnitten oder weisen über ihn hinaus. Es dominieren spitzwinklige Formen, die formal durch eine gebogene Linie verbunden sind: Ein langer dünner Eisenstab ist durch eine Reliefform gezogen, wodurch der Bildraum zusätzlich an Tiefe gewinnt, und gibt eine dynamische Bewegungsrichtung vor. Ähnlich hochtönende Titel wählte Heiliger ausschließlich für seine repräsentativen Großplastiken, darunter „Deus ex machina“, „Heureka“ oder „Auge der Nemesis“. Der Künstler wollte damit keine inhaltlichen Interpretationen vorgeben, sondern die Betrachtenden zum Weiterdenken anregen. | Anja Pawel

Letzte Aktualisierung: 30.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Neue Nationalgalerie

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Bogenschützen

Bogenschützen

Vier gespannte Bogen mit Pfeilen sind in dem nahezu abstrakt wirkenden Gemälde zu erkennen, auch die Körper der Bogenschützen und ihrer Pferde. Die Pfeile zielen auf ein Wildtier, das sich – offenbar schon getroffen, durchlöchert und blutend – auf dem Rücken wälzt. Wiederhold hat seine Bildidee in eine überbordende ornamentale Komposition übersetzt. Deren Farb- und Formfülle sowie das Motiv könnten ein ferner Reflex sein auf das 1909 entstandene „Bild mit Bogenschützen“ (The Museum of Modern Art, New York), das Wassily Kandinsky 1912 der Luxus- und Museumsausgabe des Almanachs „Der Blaue Reiter“ als handkolorierten Holzschnitt eingefügt hatte. In Wiederholds Gemälde verschmelzen Elemente von Futurismus, Orphismus, Art déco, russischer Folklore und Theater. Der als Ernst Walther Wiederhold geborene Künstler hatte 1924 ein Studium bei Cesar Klein in dessen Atelierklasse für dekorative Malerei und Bühnengestaltung an den Vereinigten Staatsschulen für freie und angewandte Kunst in Berlin begonnen. Bereits im Juli 1925 erhielt er eine Einzelausstellung in Herwarth Waldens Galerie Der Sturm. Stilistische Einflüsse für die „Bogenschützen“ dürften von im „Sturm“ vertretenen Künstlern ausgegangen sein, etwa von Robert Delaunay, Alexandra Exter, Michael Larionow oder der Werkstatt Hablik-Lindemann. Auch die theaterbezogenen Arbeiten von Léon Bakst, Fortunato Depero und Gino Severini hat Wiederhold vermutlich gekannt. Als durch den Nationalsozialismus die Verdienstmöglichkeiten für ihn entfielen, gab er sein künstlerisches Schaffen auf, ließ sich zum Buchhändler ausbilden und blieb auch nach dem Zweiten Weltkrieg bei diesem Beruf. | Dieter Scholz