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Bahnhof Sayda

Ident. Nr.: A IV 385

ObjID: obj:967703

n/a

Details (Expert)

Beteiligte
Bernhard Kretzschmar (1889 - 1972),
Künstler*in
Datierung
1926
Weitere Titel
Sammlungstitel: Bahnhof Sayda
Übersetzung: The Train Station in Sayda
Provenienz
Nachlass/Vermächtnis: Hildegard Stilijanow-Kretzschmar,
1972–1977
Material / Technik
Öl auf Holz
Abmessungen
Höhe x Breite: 67 x 100 cm
Erwerbung
1977 Ankauf aus dem Nachlass des Künstlers durch das Ministerium für Kultur aus Mitteln des Kulturfonds der DDR für die Nationalgalerie

Objektbeschreibung

Aus seinem erhaltenen Frühwerk ist ersichtlich, dass sich Kretzschmar in den 1910er-Jahren sämtliche Gattungen der Malerei erarbeitet und diese im weiteren Verlauf seiner Karriere in thematischen Blöcken vertieft hatte. So begann er nach dem Autodafé von 1921 (vgl. „Bildnis des Malers Oskar Trepte“, A IV 382) seine neue künstlerische Phase mit einer Serie von kleinstädtischen Impressionen seines Geburtsortes Döbeln sowie Ansichten von Provinzbahnhöfen und -plätzen wie in dem Bild „Bahnhof Sayda“ (A IV 385). Die Auseinandersetzung mit diesen Motiven erfolgte sowohl in der Malerei als auch in der Grafik. Bereits 1923 war etwa eine nahezu identische, wenngleich seitenverkehrte Wiedergabe des Bahnübergangs Reick als Radierung entstanden. Naturgemäß deutlicher als die Gemälde betonen die Grafiken Linie und Fläche und damit den konstruktiven Aufbau der Kompositionen jener Jahre. In den Gemälden ergänzt die Farbsetzung die Funktion der Linie und rhythmisiert die Fläche. Der gespachtelte Farbauftrag, den Kretzschmar seit Beginn der 1920er-Jahre anwandte, trägt den neu gewonnenen Parametern im Werk des Künstlers ebenfalls Rechnung und betont diese. Die Übersetzung kleinstädtischer Räume und ihrer Gegebenheiten in künstlerische Motive ist charakteristisch für Kretzschmar. Das änderte sich sein Leben lang nicht, weder durch Aufenthalte in Frankreich und Italien während eines Urlaubssemesters 1913 noch durch Fernreisen in späteren Jahren wie 1954 in die Volksrepublik China oder 1955 in die UdSSR. Kretzschmar blieb mit wenigen Ausnahmen ein Chronist des sächsischen (klein-)bürgerlichen Alltags, dessen Gepflogenheiten er mittels seiner Gestaltung in eine zeitlose Gültigkeit überführte. | Katharina Wippermann

Letzte Aktualisierung: 30.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Neue Nationalgalerie

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Aufstehendes Pferd

Aufstehendes Pferd

Das ehemals im Besitz des Reichsministeriums für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung in Berlin befindliche „Aufstehende Pferd“ aus lebhaft strukturiertem rot-schwarzen Lahnmarmor steht exemplarisch für Graevenitz’ Schaffen, dessen künstlerisch erfolgreichste Phase in die Zeit des Nationalsozialismus fiel. Ab 1937 leitete er die Bildhauerklasse sowie – mit einigen Unterbrechungen aus gesundheitlichen Gründen – vom selben Jahr bis 1945 die Kunstakademie in Stuttgart als Direktor. Beim vorliegenden Werk hat von Graevenitz offenbar das Zugleich von noch ruhendem Pferdekörper und sich bereits in Bewegung setzenden Vorderbeinen samt sich aufbäumendem Kopf bildhauerisch gereizt, variierte er das Thema doch mehrfach: so etwa in der monumentalen Travertinskulptur „Aufstehendes Pferd“ von 1934/1935 für den Garten des Robert-Bosch-Krankenhauses Stuttgart oder in seinem 1934 möglicherweise im Zusammenhang mit der Ausgestaltung des Berliner Olympiageländes entstandenen Entwurf „Pferd in Wellen“ (Verbleib unbekannt). Das heute als Dauerleihgabe in der Stiftung Fritz von Graevenitz in Solitude bei Stuttgart befindliche „Aufstehende Pferd“ aus dem Bestand der Nationalgalerie war von Graevenitz’ bildhauerischer Beitrag auf der „Großen Deutschen Kunstausstellung“ 1937 im Münchner Haus der Deutschen Kunst; es wurde 1938 auch unter dem Titel „Leżący koń“ (Liegendes Pferd) auf der Propagandaschau „Deutsche Bildhauer der Gegenwart“ in Warschau und Krakau gezeigt. | Yvette Deseyve

Un-Quadrat rot

Un-Quadrat rot

„Das Schrägelement – der senkrecht und waagrecht beschnittene, schräge Balken – […] ist aus der Diagonalen im Quadrat gewonnen. Daher steht es den Grundlagen und dem Ausgangspunkt absoluter Malerei nahe“, heißt es in Stankowskis Buch „Bildpläne“ (Stuttgart 1979, S. 97). Ein von links unten aufsteigender Schrägbalken sei „Ausdruck von Energie und Antriebskraft“; eine Diagonale vermittele „Erregung, Bewegtheit, Rhythmik und ‚Sensation‘“, unabhängig von ihrer Richtung (S. 99). Der Künstler und Designer Stankowski beschäftigte sich zeitlebens so intensiv mit dem Schrägelement, dass die Form zu einer Art Markenzeichen seiner Kunst wurde – sowohl in freien Arbeiten als auch im Grafikdesign. Sein wohl bekanntester Schrägstrich ist Teil des quadratischen Logos für die Deutsche Bank, das 1973 entstand. Doch bereits zuvor war die Schräge das visuell am ausgiebigsten erforschte Element seines Schaffens – ob in experimentellen Fotografien, Werbecollagen, Funktionsgrafiken, Markendesigns oder freien künstlerischen Arbeiten. Mit „Un-Quadrat“ ließ Stankowski die Schräge zur Bildgestalt werden: Die Leinwand selbst hat als „shaped canvas“ („geformtes Bild“) die aufsteigende Schrägform angenommen. Die Dynamik des Aufstrebens wird durch den Neigungswinkel unterstützt: Statt eines optisch ruhigeren 45-Grad-Winkels, der Diagonale eines Quadrats, wurde hier ein Winkel mit energiegeladenen 55 Grad gewählt. Diesen Kniff hatte Stankowski bereits erfolgreich beim Deutsche-Bank-Logo eingesetzt (dort mit 53 Grad). Der Werktitel „Un-Quadrat“ verweist also einerseits auf die als Bildkörper ausgeformte Leinwand ohne klassische rechte Winkel, andererseits auf das dynamische Ausbrechen der Schräge aus der Quadratdiagonale. | Christina Thomson