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Berlin Block for Charlie Chaplin

Ident. Nr.: FNG 9/79

ObjID: obj:967712

Erworben durch die Freunde der Nationalgalerie
n/a

Details (Expert)

Beteiligte
Richard Serra (1938 - 2024),
Künstler*in
Datierung
1978
Material / Technik
Eisen, geschmiedet
Abmessungen
Höhe x Breite x Tiefe: 192 x 196 x 196 cm (unregelmäßig)
Erwerbung
1979 Ankauf von der Galerie m, Bochum, durch die Freunde der Nationalgalerie

Objektbeschreibung

Als spezifisch für den Ort entworfene Skulptur wurde Serras „Berlin Block for Charlie Chaplin“ ein Jahr nach Entstehung unmittelbar neben der Neuen Nationalgalerie aufgestellt. Es handelt sich um eine aus Eisen geschmiedete Skulptur, die beinahe einem Kubus gleicht – beinahe, weil Serra eine leichte Neigung der Form vorgesehen hat, sodass sie auf einer Seite wenige Zentimeter in den Boden zu sinken scheint. Diese fast unmerkliche Absenkung direkt neben der aus Stahl und Glas bestehenden, geradlinigen Architektur von Ludwig Mies van der Rohe lässt eine Spannung zwischen Skulptur und Ort entstehen, die für Serras Werk exemplarisch ist. Während die Neue Nationalgalerie – entworfen als Monument des fortschrittlichen West-Berlin – Erhabenheit ausstrahlt, streng orthogonal und austariert, ist Serras Arbeit ein intransparenter „Block“, der rund 70 Tonnen wiegt und bewusst ein Kippmoment enthält. Es ist eine Antwort auf den Monumentalitäts- und Ewigkeitsanspruch von Architektur und Kunst oder vielmehr eine Infragestellung dessen. Der Titel betont auf inhaltlicher Ebene das Augenzwinkern, Hinterfragen, „Anecken“. Der Verweis auf Chaplin lässt allerdings im Weiteren genauso an dessen berühmte Parodie von Adolf Hitler in dem Film „Der große Diktator“ (1940) denken und damit an die Verstrickungen von Kunst und Architektur mit der Macht, nicht nur während des Nationalsozialismus. | Kristina Schrei

Letzte Aktualisierung: 30.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Neue Nationalgalerie

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Un-Quadrat rot

Un-Quadrat rot

„Das Schrägelement – der senkrecht und waagrecht beschnittene, schräge Balken – […] ist aus der Diagonalen im Quadrat gewonnen. Daher steht es den Grundlagen und dem Ausgangspunkt absoluter Malerei nahe“, heißt es in Stankowskis Buch „Bildpläne“ (Stuttgart 1979, S. 97). Ein von links unten aufsteigender Schrägbalken sei „Ausdruck von Energie und Antriebskraft“; eine Diagonale vermittele „Erregung, Bewegtheit, Rhythmik und ‚Sensation‘“, unabhängig von ihrer Richtung (S. 99). Der Künstler und Designer Stankowski beschäftigte sich zeitlebens so intensiv mit dem Schrägelement, dass die Form zu einer Art Markenzeichen seiner Kunst wurde – sowohl in freien Arbeiten als auch im Grafikdesign. Sein wohl bekanntester Schrägstrich ist Teil des quadratischen Logos für die Deutsche Bank, das 1973 entstand. Doch bereits zuvor war die Schräge das visuell am ausgiebigsten erforschte Element seines Schaffens – ob in experimentellen Fotografien, Werbecollagen, Funktionsgrafiken, Markendesigns oder freien künstlerischen Arbeiten. Mit „Un-Quadrat“ ließ Stankowski die Schräge zur Bildgestalt werden: Die Leinwand selbst hat als „shaped canvas“ („geformtes Bild“) die aufsteigende Schrägform angenommen. Die Dynamik des Aufstrebens wird durch den Neigungswinkel unterstützt: Statt eines optisch ruhigeren 45-Grad-Winkels, der Diagonale eines Quadrats, wurde hier ein Winkel mit energiegeladenen 55 Grad gewählt. Diesen Kniff hatte Stankowski bereits erfolgreich beim Deutsche-Bank-Logo eingesetzt (dort mit 53 Grad). Der Werktitel „Un-Quadrat“ verweist also einerseits auf die als Bildkörper ausgeformte Leinwand ohne klassische rechte Winkel, andererseits auf das dynamische Ausbrechen der Schräge aus der Quadratdiagonale. | Christina Thomson