Logo

Porträt der Tänzerin Ruth Tobi

Ident. Nr.: B III 285

ObjID: obj:967724

n/a

Details (Expert)

Beteiligte
Will Lammert (1892 - 1957),
Künstler*in
Datierung
1919 (Guss 1988)
Weitere Titel
Sammlungstitel: Porträt der Tänzerin Ruth Tobi
Übersetzung: Portrait of the Dancer Ruth Tobi
Provenienz
Nachlass/Vermächtnis: Nachlass des Künstlers,
1989
Material / Technik
Bronze
Abmessungen
Höhe x Breite x Tiefe: 57 x 39 x 28 cm
Erwerbung
1989 Ankauf aus dem Nachlass des Künstlers über den Staatlichen Kunsthandel der DDR, Galerie Schönhof, Görlitz

Objektbeschreibung

Der überlebensgroße Kopf einer Frau mit modischem Bubikopf ist leicht zur Seite geneigt, der Hals überlang ausgeführt und die Schulterpartie nur abstrahiert angedeutet. Angefertigt wurde der Bronzeguss 1988 nach dem originalen Gipsfragment von 1919 (Privatbesitz). In der vollständigen Fassung waren noch die Hände der Figur zu sehen, die der Bildhauer Lammert geziert in Pose gesetzt hatte. Einzig sie unterstrichen die tänzerisch-gestische Bewegung, denn laut Bildtitel handelt es sich bei der dargestellten Person um eine Tänzerin namens Ruth Tobi (Lebensdaten unbekannt). Fotografische Detailstudien von Tänzerinnen, die ihre Hände in ästhetisch überhöhten Positionen halten, waren im Zusammenhang mit dem Ausdruckstanz im frühen 20. Jahrhundert populär. Bei seinem Porträt scheint Lammert jedoch weniger die tänzerische Bewegung interessiert zu haben, die er sonst in zahlreichen Ganzkörperstudien zum Ausdruck brachte. Vielmehr konzentrierte er sich auf die Persönlichkeit der Tänzerin und ihr Mienenspiel: Ihre abstrahierten Gesichtszüge sind durch Rundbögen bestimmt, die die Flächen dynamisch durchschneiden und in spitzen Winkeln enden. Die kubistisch-scharfe Aufspaltung und der lange, sich emporschlängelnde Hals erinnern an William Wauers Büste Herwarth Waldens (1917, B II 45). Zur Zeit der Entstehung des Porträts war Lammert in Hagen als freischaffender Künstler tätig. Noch im selben Jahr wurde das Werk in Düsseldorf in der Galerie Flechtheim und bei der ersten Ausstellung der Künstlergruppe Das Junge Rheinland in der Kunsthalle gezeigt. | Anja Pawel

Letzte Aktualisierung: 30.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Neue Nationalgalerie

Weitere Objekte aus den Sammlungen

Un-Quadrat rot

Un-Quadrat rot

„Das Schrägelement – der senkrecht und waagrecht beschnittene, schräge Balken – […] ist aus der Diagonalen im Quadrat gewonnen. Daher steht es den Grundlagen und dem Ausgangspunkt absoluter Malerei nahe“, heißt es in Stankowskis Buch „Bildpläne“ (Stuttgart 1979, S. 97). Ein von links unten aufsteigender Schrägbalken sei „Ausdruck von Energie und Antriebskraft“; eine Diagonale vermittele „Erregung, Bewegtheit, Rhythmik und ‚Sensation‘“, unabhängig von ihrer Richtung (S. 99). Der Künstler und Designer Stankowski beschäftigte sich zeitlebens so intensiv mit dem Schrägelement, dass die Form zu einer Art Markenzeichen seiner Kunst wurde – sowohl in freien Arbeiten als auch im Grafikdesign. Sein wohl bekanntester Schrägstrich ist Teil des quadratischen Logos für die Deutsche Bank, das 1973 entstand. Doch bereits zuvor war die Schräge das visuell am ausgiebigsten erforschte Element seines Schaffens – ob in experimentellen Fotografien, Werbecollagen, Funktionsgrafiken, Markendesigns oder freien künstlerischen Arbeiten. Mit „Un-Quadrat“ ließ Stankowski die Schräge zur Bildgestalt werden: Die Leinwand selbst hat als „shaped canvas“ („geformtes Bild“) die aufsteigende Schrägform angenommen. Die Dynamik des Aufstrebens wird durch den Neigungswinkel unterstützt: Statt eines optisch ruhigeren 45-Grad-Winkels, der Diagonale eines Quadrats, wurde hier ein Winkel mit energiegeladenen 55 Grad gewählt. Diesen Kniff hatte Stankowski bereits erfolgreich beim Deutsche-Bank-Logo eingesetzt (dort mit 53 Grad). Der Werktitel „Un-Quadrat“ verweist also einerseits auf die als Bildkörper ausgeformte Leinwand ohne klassische rechte Winkel, andererseits auf das dynamische Ausbrechen der Schräge aus der Quadratdiagonale. | Christina Thomson