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Mädchenzimmer

Ident. Nr.: NG 30/68

ObjID: obj:967776

n/a

Details (Expert)

Beteiligte
Max Beckmann (1884 - 1950),
Künstler*in
Datierung
1947
Weitere Titel
Sammlungstitel: Mädchenzimmer
Übersetzung: Girls' Room
Siesta
Übersetzung: Girl’s Room
Provenienz
im Besitz des Künstlers,
1947–1950
Mathilde Beckmann, New York,
1950–1968
Material / Technik
Öl auf Leinwand
Abmessungen
Höhe x Breite: 140,5 x 130,5 cm
Erwerbung
1968 Ankauf von Mathilde Beckmann, New York, über die Galerie Catherine Civiano, New York

Objektbeschreibung

Beckmanns annähernd quadratisches Gemälde vereint wie übereinandergestapelt drei junge, kaum bekleidete Frauen. Immer wieder hat der Maler Sinnlichkeit und Sexualität ins Bild gesetzt, oft ohne sich um anatomische Genauigkeit zu bemühen. Auf engem Raum kurvt und streckt Beckmann die Körper und unterstreicht so das erotische Moment des Themas, wobei Deformationen in Kauf genommen werden. Das Thema dient ihm so auch zu einer verdichteten Auseinandersetzung mit der für ihn konstanten künstlerischen Herausforderung und Zielsetzung, „Rundheit in der Fläche“ zu artikulieren (Beckmann, „Bekenntnis“, 1918-1920). Auffällig ist die fast schrille Farbigkeit des Bildes, in dessen Zentrum eine gelbe, phallusartige Petroleumlampe steht, ohne Beleuchtungslicht zu verbreiten. Beckmann passt ihm die Farbigkeit nicht an, sondern gestaltet mit reinem Rot, Grün, Blau, Gelb sowie Rosa, Braun und Schwarz, wobei Letzteres die Farbwirkung dramatisch steigert. Zweitens fällt die düstere Aufladung der Szenerie durch die sphinxhafte Frau am oberen Ende der Figurenkonstellation ins Auge, die ins Profil gedreht ist und in einen Spiegel schaut. Ihr antwortet links eine rätselhafte, eingehüllte vierte, lesende Figur, ebenfalls streng ins Profil gesetzt. Abgehärmt und düster, ist sie Kupplerin und Unglücksbringerin in einem. Die schwarze Katze komplettiert die Darstellung, die Édouard Manets „Olympia“ (1863, Musée d’Orsay, Paris) in Erinnerung ruft. Begonnen wurde das Gemälde im entbehrungsreichen Herbst/Winter 1946 in Amsterdam und dort im Mai 1947 vollendet; Ende August sollte der Maler nach zehn Jahren Exil in der Stadt in die USA übersiedeln. Das Bild verblieb nach Beckmanns Tod im Besitz Quappis, der Witwe. | Olaf Peters

Letzte Aktualisierung: 30.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Neue Nationalgalerie

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Un-Quadrat rot

Un-Quadrat rot

„Das Schrägelement – der senkrecht und waagrecht beschnittene, schräge Balken – […] ist aus der Diagonalen im Quadrat gewonnen. Daher steht es den Grundlagen und dem Ausgangspunkt absoluter Malerei nahe“, heißt es in Stankowskis Buch „Bildpläne“ (Stuttgart 1979, S. 97). Ein von links unten aufsteigender Schrägbalken sei „Ausdruck von Energie und Antriebskraft“; eine Diagonale vermittele „Erregung, Bewegtheit, Rhythmik und ‚Sensation‘“, unabhängig von ihrer Richtung (S. 99). Der Künstler und Designer Stankowski beschäftigte sich zeitlebens so intensiv mit dem Schrägelement, dass die Form zu einer Art Markenzeichen seiner Kunst wurde – sowohl in freien Arbeiten als auch im Grafikdesign. Sein wohl bekanntester Schrägstrich ist Teil des quadratischen Logos für die Deutsche Bank, das 1973 entstand. Doch bereits zuvor war die Schräge das visuell am ausgiebigsten erforschte Element seines Schaffens – ob in experimentellen Fotografien, Werbecollagen, Funktionsgrafiken, Markendesigns oder freien künstlerischen Arbeiten. Mit „Un-Quadrat“ ließ Stankowski die Schräge zur Bildgestalt werden: Die Leinwand selbst hat als „shaped canvas“ („geformtes Bild“) die aufsteigende Schrägform angenommen. Die Dynamik des Aufstrebens wird durch den Neigungswinkel unterstützt: Statt eines optisch ruhigeren 45-Grad-Winkels, der Diagonale eines Quadrats, wurde hier ein Winkel mit energiegeladenen 55 Grad gewählt. Diesen Kniff hatte Stankowski bereits erfolgreich beim Deutsche-Bank-Logo eingesetzt (dort mit 53 Grad). Der Werktitel „Un-Quadrat“ verweist also einerseits auf die als Bildkörper ausgeformte Leinwand ohne klassische rechte Winkel, andererseits auf das dynamische Ausbrechen der Schräge aus der Quadratdiagonale. | Christina Thomson