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Bildnis Franz Franik (II)

Ident. Nr.: B II 26

ObjID: obj:967806

n/a

Details (Expert)

Beteiligte
Fritz Cremer (1906 - 1993),
Künstler*in
Datierung
1953
Weitere Titel
Sammlungstitel: Bildnis Franz Franik (II)
Übersetzung: Portrait of Franz Franik (II)
Geografische Bezüge
Material / Technik
Gips
Abmessungen
Höhe x Breite x Tiefe: 71,5 x 37 x 33 cm
Erwerbung
1955 Ankauf vom Künstler, Berlin (Ost)

Objektbeschreibung

Franz Franik (1907–1975) war seit 1945 Brigadier im Zwickauer Steinkohlebergwerk „Karl Marx“, wo er 1952 eine rationellere Form der Arbeitsorganisation initiierte. Hierfür wurde er in der DDR gefeiert und mit dem Nationalpreis ausgezeichnet. Cremer erhielt den staatlichen Auftrag, ihn zu porträtieren, und so stellte sich Franik nach seiner Schicht dem Künstler für sein Bildnis zur Verfügung. Cremer konnte sich mit ihm identifizieren und notierte in seiner gewohnt flüchtigen Art zu schreiben: „Er totmüde auf Stuhl sitzend, sackte zusammen, war totenbleich […] Mir bekannt aus Ruhrgebiet meiner eigentlichen Heimat“ (Akademie der Künste, Berlin, Fritz-Cremer-Archiv, Nr. 105). Die Nationalgalerie erwarb 1955 den zweiten Entwurf der Büste, der, wie schon der erste, Franik mit Helm und Grubenlampe zeigt. Diese Darstellung war heftig kritisiert worden: Die Grubenlampe sei „politisch falsch“ (ebd.). Also behielt Cremer Franiks klaren, stillen Gesichtszüge bei, doch anstelle von Helm und Lampe gab er ihm einen Schlips. So wurde aus dem Bergarbeiter ein Nationalpreisträger, der in eher klassischer Manier nicht mehr (nur) den Arbeiter verkörpert, sondern das Resultat seiner Weiterentwicklung darstellt. Deutlich wird so die materialistische Dialektik, nach der Cremer verfuhr: Der Arbeiter wird verändert, er erlangt neue Erkenntnisse. Offenbar wollte die Nationalgalerie trotz der Einwände eine frühe Version des Porträts erwerben. Laut Inventarbuch kam die Erwerbung durch eine „Absprache“ einer Mitarbeiterin mit dem Künstler zustande; es fehlen die üblichen Informationen zu Preis, Erwerbungsdatum und Erwerbungsart, weitere Schriftstücke sind nicht erhalten. Die Inventarisierung des Werkes erfolgte erst fünf Jahre später. Die noch frische politische Kritik an Cremers ersten Entwürfen könnte der Grund sein, warum nichts verschriftlicht wurde. | Emily Joyce Evans

Letzte Aktualisierung: 30.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Neue Nationalgalerie

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Un-Quadrat rot

Un-Quadrat rot

„Das Schrägelement – der senkrecht und waagrecht beschnittene, schräge Balken – […] ist aus der Diagonalen im Quadrat gewonnen. Daher steht es den Grundlagen und dem Ausgangspunkt absoluter Malerei nahe“, heißt es in Stankowskis Buch „Bildpläne“ (Stuttgart 1979, S. 97). Ein von links unten aufsteigender Schrägbalken sei „Ausdruck von Energie und Antriebskraft“; eine Diagonale vermittele „Erregung, Bewegtheit, Rhythmik und ‚Sensation‘“, unabhängig von ihrer Richtung (S. 99). Der Künstler und Designer Stankowski beschäftigte sich zeitlebens so intensiv mit dem Schrägelement, dass die Form zu einer Art Markenzeichen seiner Kunst wurde – sowohl in freien Arbeiten als auch im Grafikdesign. Sein wohl bekanntester Schrägstrich ist Teil des quadratischen Logos für die Deutsche Bank, das 1973 entstand. Doch bereits zuvor war die Schräge das visuell am ausgiebigsten erforschte Element seines Schaffens – ob in experimentellen Fotografien, Werbecollagen, Funktionsgrafiken, Markendesigns oder freien künstlerischen Arbeiten. Mit „Un-Quadrat“ ließ Stankowski die Schräge zur Bildgestalt werden: Die Leinwand selbst hat als „shaped canvas“ („geformtes Bild“) die aufsteigende Schrägform angenommen. Die Dynamik des Aufstrebens wird durch den Neigungswinkel unterstützt: Statt eines optisch ruhigeren 45-Grad-Winkels, der Diagonale eines Quadrats, wurde hier ein Winkel mit energiegeladenen 55 Grad gewählt. Diesen Kniff hatte Stankowski bereits erfolgreich beim Deutsche-Bank-Logo eingesetzt (dort mit 53 Grad). Der Werktitel „Un-Quadrat“ verweist also einerseits auf die als Bildkörper ausgeformte Leinwand ohne klassische rechte Winkel, andererseits auf das dynamische Ausbrechen der Schräge aus der Quadratdiagonale. | Christina Thomson