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Bewegung

Ident. Nr.: B III 295

ObjID: obj:967876

n/a

Details (Expert)

Beteiligte
Karl Albiker (1878 - 1961),
Künstler*in
Datierung
1910
Weitere Titel
Sammlungstitel: Bewegung
Übersetzung: Movement
Provenienz
im Besitz des Künstlers,
1961
Nachlass/Vermächtnis: Carl Albiker, Ettlingen,
1961–1989
Material / Technik
Bronze
Abmessungen
Höhe x Breite x Tiefe: 61 x 40 x 35 cm (ohne Sockel)
Erwerbung
1989 Schenkung von Carl Albiker, dem Sohn des Künstlers, Ettlingen

Objektbeschreibung

Albiker gehörte in den Jahren um den Ersten Weltkrieg zu den erfolgreichen Bildhauern seiner Zeit. Sein Leitthema war die nackte menschliche Gestalt, ihre seelische und körperliche Energie, die er in verschiedenen Materialien facettenreich darstellte. Dabei bedeutete ihm das „Allgemeingültige der menschlichen Natur“ mehr als individuelle Charakterisierung (Ursula Merkel, „Plastische Kunst ist materialisierte Bewegung“. Karl Albikers Werk zwischen 1900 und 1920, in: Karl Albiker. Figur und Raum, Ausst.-Kat., Ettlingen, 2013, S. 25). In rascher Folge schuf er ab 1909 mehrere weibliche Akte, darunter die allegorische Frauenfigur „Bewegung“. Wiedergegeben in einer fragilen, gleichwohl kraftvollen Bewegung ist ihr gesamtes Gewicht in einer fast schraubenartigen Drehung und zugleich tänzerischen Leichtigkeit auf den Ballen eines Fußes verlagert. Wie Georg Kolbe, Ernesto de Fiori und Bernhard Hoetger begeisterte sich Albiker wohl schon früh für den zeitgenössischen Ausdruckstanz etwa Isadora Duncans und Mary Wigmans, der Körper und Seele als Einheit verstand. Die lebendig modellierte, energiegeladene „Bewegung“ fertigte er vermutlich in Florenz, wo er sich nach der Auszeichnung mit dem Villa-Romana-Preis 1910/1911 aufhielt. Dort studierte Albiker besonders die Figuren Michelangelos, was zu einer verstärkten Beschäftigung mit dem Thema der Bewegung in der Plastik führte. Seine bildhauerische Arbeit verstand er als Ausdruck „materialisierter Bewegung“ (Karl Albiker, Die Probleme der Plastik und das Material des Bildhauers, in: Deutsche Kunst und Dekoration, 45. Jg. [1919/1920], S. 172). 1908 hatte Albiker den Kulturphilosophen Leopold Ziegler kennengelernt, der sich im Zuge einer lebenslangen Freundschaft wiederholt theoretisch mit Albikers Werk auseinandersetzte. Bewegung in der Plastik, so beider Überzeugung, ist mehr als eine reine Momentaufnahme; äußere Bewegtheit muss immer mit einer inneren einhergehen (vgl. Leopold Ziegler, Die Bewegung in der Plastik. Dialog, in: Die Plastik, 3. Jg. [1913], H. 6, S. 46–56). | Uta Caspary

Letzte Aktualisierung: 30.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Neue Nationalgalerie

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Un-Quadrat rot

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„Das Schrägelement – der senkrecht und waagrecht beschnittene, schräge Balken – […] ist aus der Diagonalen im Quadrat gewonnen. Daher steht es den Grundlagen und dem Ausgangspunkt absoluter Malerei nahe“, heißt es in Stankowskis Buch „Bildpläne“ (Stuttgart 1979, S. 97). Ein von links unten aufsteigender Schrägbalken sei „Ausdruck von Energie und Antriebskraft“; eine Diagonale vermittele „Erregung, Bewegtheit, Rhythmik und ‚Sensation‘“, unabhängig von ihrer Richtung (S. 99). Der Künstler und Designer Stankowski beschäftigte sich zeitlebens so intensiv mit dem Schrägelement, dass die Form zu einer Art Markenzeichen seiner Kunst wurde – sowohl in freien Arbeiten als auch im Grafikdesign. Sein wohl bekanntester Schrägstrich ist Teil des quadratischen Logos für die Deutsche Bank, das 1973 entstand. Doch bereits zuvor war die Schräge das visuell am ausgiebigsten erforschte Element seines Schaffens – ob in experimentellen Fotografien, Werbecollagen, Funktionsgrafiken, Markendesigns oder freien künstlerischen Arbeiten. Mit „Un-Quadrat“ ließ Stankowski die Schräge zur Bildgestalt werden: Die Leinwand selbst hat als „shaped canvas“ („geformtes Bild“) die aufsteigende Schrägform angenommen. Die Dynamik des Aufstrebens wird durch den Neigungswinkel unterstützt: Statt eines optisch ruhigeren 45-Grad-Winkels, der Diagonale eines Quadrats, wurde hier ein Winkel mit energiegeladenen 55 Grad gewählt. Diesen Kniff hatte Stankowski bereits erfolgreich beim Deutsche-Bank-Logo eingesetzt (dort mit 53 Grad). Der Werktitel „Un-Quadrat“ verweist also einerseits auf die als Bildkörper ausgeformte Leinwand ohne klassische rechte Winkel, andererseits auf das dynamische Ausbrechen der Schräge aus der Quadratdiagonale. | Christina Thomson