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Dorfhaus mit Weiden

Ident. Nr.: A IV 290

ObjID: obj:968106

n/a

Details (Expert)

Beteiligte
Karl Schmidt-Rottluff (1884 - 1976),
Künstler*in
Datierung
1907/1908
Weitere Titel
Sammlungstitel: Dorfhaus mit Weiden
Übersetzung: Village House with Willows
Provenienz
Kurt Schmidt, Karl-Marx-Stadt, Chemnitz,
381714
Hildegard Schmidt, Karl-Marx-Stadt (Chemnitz),
1973
Material / Technik
Öl auf Leinwand
Abmessungen
Höhe x Breite: 85 x 75 cm
Erwerbung
1973 Ankauf von der Schwägerin des Künstlers, Hildegard Schmidt, Karl-Marx-Stadt (Chemnitz)

Objektbeschreibung

Von 1907 bis 1912 verbrachte Schmidt-Rottluff die Sommerwochen zunächst im norddeutschen Dangastermoor, später im Nordseebad Dangast. Die Farbigkeit seiner Werke ist im Vergleich zu früheren Bildern (vgl. „Kauernder Akt“, B 514) dunkler und schwerer geworden, Rot-Grün-Kontraste in Verbindung mit Blau und Gelb gewinnen an Bedeutung. Noch immer verschwinden die dargestellten Objekte leicht in dem Gespinst aus pastosen Flecken, die kurzen Pinselhiebe gleichen die wiedergegebenen Materialien – Gras, Sand, Stein – einander an. Die Farbmaterie hat eine eigene Wertigkeit, der Pinselduktus folgt einem eigenen Rhythmus. Nur der in die Tiefe führende rote Weg verweist in dem Bild „Dorfhaus mit Weiden“ auf Räumlichkeit. Von dem Hamburger Kunstsammler Gustav Schiefler fühlte sich der junge Schmidt-Rottluff in dieser Phase verstanden: „Rhythmisierung – für das Wort bin ich Ihnen besonders dankbar. Der Rhythmus, das Rauschen der Farben, das ist das, was mich immer bannt und beschäftigt“ (Brief vom Mai 1907, in: Gerhard Wietek, Schmidt-Rottluff. Oldenburger Jahre 1907–1912, Mainz 1995, S. 119). Das 1973 aus dem Besitz der Chemnitzer Familie des Künstlers in die Nationalgalerie (Ost) gelangte Bild könnte mit einem der 1907 entstandenen Gemälde „Gehöft im Grünen“ oder „Rotes Haus“, wie die beiden aus Privatbesitz 1928 in der Kunsthütte Chemnitz ausgestellten Werke benannt waren, identisch sein (WVZ Grohmann 1956, S. 282). | Angelika Wesenberg

Letzte Aktualisierung: 30.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Neue Nationalgalerie

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Aufstehendes Pferd

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Das ehemals im Besitz des Reichsministeriums für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung in Berlin befindliche „Aufstehende Pferd“ aus lebhaft strukturiertem rot-schwarzen Lahnmarmor steht exemplarisch für Graevenitz’ Schaffen, dessen künstlerisch erfolgreichste Phase in die Zeit des Nationalsozialismus fiel. Ab 1937 leitete er die Bildhauerklasse sowie – mit einigen Unterbrechungen aus gesundheitlichen Gründen – vom selben Jahr bis 1945 die Kunstakademie in Stuttgart als Direktor. Beim vorliegenden Werk hat von Graevenitz offenbar das Zugleich von noch ruhendem Pferdekörper und sich bereits in Bewegung setzenden Vorderbeinen samt sich aufbäumendem Kopf bildhauerisch gereizt, variierte er das Thema doch mehrfach: so etwa in der monumentalen Travertinskulptur „Aufstehendes Pferd“ von 1934/1935 für den Garten des Robert-Bosch-Krankenhauses Stuttgart oder in seinem 1934 möglicherweise im Zusammenhang mit der Ausgestaltung des Berliner Olympiageländes entstandenen Entwurf „Pferd in Wellen“ (Verbleib unbekannt). Das heute als Dauerleihgabe in der Stiftung Fritz von Graevenitz in Solitude bei Stuttgart befindliche „Aufstehende Pferd“ aus dem Bestand der Nationalgalerie war von Graevenitz’ bildhauerischer Beitrag auf der „Großen Deutschen Kunstausstellung“ 1937 im Münchner Haus der Deutschen Kunst; es wurde 1938 auch unter dem Titel „Leżący koń“ (Liegendes Pferd) auf der Propagandaschau „Deutsche Bildhauer der Gegenwart“ in Warschau und Krakau gezeigt. | Yvette Deseyve

Un-Quadrat rot

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„Das Schrägelement – der senkrecht und waagrecht beschnittene, schräge Balken – […] ist aus der Diagonalen im Quadrat gewonnen. Daher steht es den Grundlagen und dem Ausgangspunkt absoluter Malerei nahe“, heißt es in Stankowskis Buch „Bildpläne“ (Stuttgart 1979, S. 97). Ein von links unten aufsteigender Schrägbalken sei „Ausdruck von Energie und Antriebskraft“; eine Diagonale vermittele „Erregung, Bewegtheit, Rhythmik und ‚Sensation‘“, unabhängig von ihrer Richtung (S. 99). Der Künstler und Designer Stankowski beschäftigte sich zeitlebens so intensiv mit dem Schrägelement, dass die Form zu einer Art Markenzeichen seiner Kunst wurde – sowohl in freien Arbeiten als auch im Grafikdesign. Sein wohl bekanntester Schrägstrich ist Teil des quadratischen Logos für die Deutsche Bank, das 1973 entstand. Doch bereits zuvor war die Schräge das visuell am ausgiebigsten erforschte Element seines Schaffens – ob in experimentellen Fotografien, Werbecollagen, Funktionsgrafiken, Markendesigns oder freien künstlerischen Arbeiten. Mit „Un-Quadrat“ ließ Stankowski die Schräge zur Bildgestalt werden: Die Leinwand selbst hat als „shaped canvas“ („geformtes Bild“) die aufsteigende Schrägform angenommen. Die Dynamik des Aufstrebens wird durch den Neigungswinkel unterstützt: Statt eines optisch ruhigeren 45-Grad-Winkels, der Diagonale eines Quadrats, wurde hier ein Winkel mit energiegeladenen 55 Grad gewählt. Diesen Kniff hatte Stankowski bereits erfolgreich beim Deutsche-Bank-Logo eingesetzt (dort mit 53 Grad). Der Werktitel „Un-Quadrat“ verweist also einerseits auf die als Bildkörper ausgeformte Leinwand ohne klassische rechte Winkel, andererseits auf das dynamische Ausbrechen der Schräge aus der Quadratdiagonale. | Christina Thomson