Landwirtschaftslehrling
Ident. Nr.: A IV 6
ObjID: obj:968155
n/a
Kontakt
Einrichtung:
Neue Nationalgalerie
E-Mail:
nng@smb.spk-berlin.deDetails (Expert)
- Beteiligte
- Datierung
- 1960
- Weitere Titel
- Sammlungstitel: LandwirtschaftslehrlingÜbersetzung: Farming Apprentice
- Material / Technik
- Öl auf Leinwand
- Abmessungen
- Höhe x Breite: 70 x 60 cm
- Permalink
- https://id.smb.museum/object/968155
Objektbeschreibung
Zickelbein gehörte mit Manfred Böttcher und Harald Metzkes zur „Berliner Schule“, ein Begriff, der auf den Kunsthistoriker Lothar Lang zurückgeht. Sie waren Teil einer neuen Malergeneration der DDR, der es gelang, sich innerhalb der Grenzen des als starr empfundenen Sozialistischen Realismus freier zu bewegen und die Vorgaben der Kunstpolitik hinter sich zu lassen. Ihr Programm war die Wiederentdeckung internationaler Stile vor 1945 sowie eine allmähliche Hinwendung zur Abstraktion. Dies konnte nicht ohne Konflikte bleiben, auch Zickelbein wurde des Formalismus bezichtigt, also der westlichen, abstrakten Malerei verpflichtet, kam aber damit durch. Seit 1959 arbeitete er freischaffend, und seine Biografie ist beispielhaft dafür, wie sich abseits der staatlichen Institutionen eine freie Kunstszene neu orientierte und ihr Publikum fand. Das Bild, im Entstehungsjahr als „Lehrling Rudi“ im Pavillon der Kunst (Ost-Berlin) gezeigt, war in der DDR populär und erhielt gute Kritiken, die Nationalgalerie erwarb es 1962 vom Künstler und zeigte es regelmäßig. Zickelbein schuf das Bild nicht, wie vielfach behauptet wurde, im Rahmen eines Stipendiums in der LPG Wartenberg, sondern bei einem Aufenthalt in der LPG Farnstädt ohne öffentlichen Auftrag. Aus dunklen, ausdrucksstarken Augen blickt uns der Junge selbstbewusst an, aber die Härte vieler Arbeiterporträts fehlt hier. Die Bezüge Zickelbeins zur Porträtmalerei Pablo Picassos während der in den Kubismus mündenden Phase um 1907 und zur Linien- und Flächenführung Paul Cézannes deuten sich an. Jörg Makarinus nannte es 1987 ein „psychologisch einfühlsames Bildnis“ (Kunst in Berlin 1648–1987, S. 452). Lothar Lang zufolge hatte hier ein Künstler zur Selbstständigkeit gefunden (Malerei und Graphik in der DDR, Leipzig 1983, S. 191). | Sven Haase
Letzte Aktualisierung: 19.12.2025
Kontakt
Einrichtung:
Neue Nationalgalerie
E-Mail:
nng@smb.spk-berlin.de