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Porträt der Tochter Angelina

Ident. Nr.: NG 30/60

ObjID: obj:968222

n/a

Details (Expert)

Beteiligte
Alexander Kanoldt (1881 - 1939),
Künstler*in
Datierung
1935
Weitere Titel
Sammlungstitel: Porträt der Tochter Angelina
Übersetzung: Portrait of the Artist's Daughter Angelina
Übersetzung: Portrait of Daughter Angelina
Provenienz
Familienbesitz Kanoldt,
1955
Nachlass/Vermächtnis: Irmgard Trommsdorff, Frankfurt am Main,
1955–1962
Material / Technik
Öl auf Leinwand
Abmessungen
Höhe x Breite: 80,5 x 56,5 cm
Erwerbung
1960 Geschenk von der Schwägerin des Künstlers, Irmgard Trommsdorff, Frankfurt am Main

Objektbeschreibung

Als Kanoldt 1935 seine damals 14-jährige Tochter Sophie-Angelina (1921–1950) porträtierte, amtierte er seit zwei Jahren als Direktor der Staatlichen Kunstschule zu Berlin. Bereits im Mai 1932 war er in die NSDAP eingetreten, in Kunstangelegenheiten verteidigte er jedoch an der Moderne orientierte Künstler und besetzte freie Professuren mit Georg Schrimpf, Karl Rössing und Walter Dexel. Die Neue Sachlichkeit war schon 1933 durch Reichsinnenminister Wilhelm Frick als „undeutsch“ abqualifiziert worden (Völkischer Beobachter, 20.10.1933), und Adolf Hitler verdammte auf dem Nürnberger Parteitag im September 1935 nicht nur Dadaisten, Kubisten und Futuristen, sondern auch die von ihm so bezeichneten „Sachlichkeitsschwätzer“ (Völkischer Beobachter, 13.9.1935). Aufgrund der permanent notwendigen Diplomatie fühlte sich Kanoldt physisch und psychisch so geschwächt, dass er sein Amt im Oktober 1936 aufgab. Die administrativen Aufgaben hatten ihn derart beansprucht, dass er kaum zum Malen gekommen war. Aus den dreieinhalb Jahren seiner Rektoratstätigkeit sind nur zwei Ölgemälde bekannt, eines davon ist das im Juli 1935 als „Bildnisstudie“ erstmals ausgestellte Porträt seiner jüngeren Tochter. Diese posiert in kurzärmeliger weißer Bluse und hellblauem Kleid mit einem Strauß Wiesenblumen auf dem Schoß. Der senfgelbe Hintergrund ist an der Haarfarbe Angelinas orientiert. Ihre Gesichtszüge und der ernste Blick entsprechen ganz dem Vater, der infolge einer Herzerkrankung 1939 mit nur 57 Jahren starb. | Dieter Scholz

Letzte Aktualisierung: 30.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Neue Nationalgalerie

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Aufstehendes Pferd

Aufstehendes Pferd

Das ehemals im Besitz des Reichsministeriums für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung in Berlin befindliche „Aufstehende Pferd“ aus lebhaft strukturiertem rot-schwarzen Lahnmarmor steht exemplarisch für Graevenitz’ Schaffen, dessen künstlerisch erfolgreichste Phase in die Zeit des Nationalsozialismus fiel. Ab 1937 leitete er die Bildhauerklasse sowie – mit einigen Unterbrechungen aus gesundheitlichen Gründen – vom selben Jahr bis 1945 die Kunstakademie in Stuttgart als Direktor. Beim vorliegenden Werk hat von Graevenitz offenbar das Zugleich von noch ruhendem Pferdekörper und sich bereits in Bewegung setzenden Vorderbeinen samt sich aufbäumendem Kopf bildhauerisch gereizt, variierte er das Thema doch mehrfach: so etwa in der monumentalen Travertinskulptur „Aufstehendes Pferd“ von 1934/1935 für den Garten des Robert-Bosch-Krankenhauses Stuttgart oder in seinem 1934 möglicherweise im Zusammenhang mit der Ausgestaltung des Berliner Olympiageländes entstandenen Entwurf „Pferd in Wellen“ (Verbleib unbekannt). Das heute als Dauerleihgabe in der Stiftung Fritz von Graevenitz in Solitude bei Stuttgart befindliche „Aufstehende Pferd“ aus dem Bestand der Nationalgalerie war von Graevenitz’ bildhauerischer Beitrag auf der „Großen Deutschen Kunstausstellung“ 1937 im Münchner Haus der Deutschen Kunst; es wurde 1938 auch unter dem Titel „Leżący koń“ (Liegendes Pferd) auf der Propagandaschau „Deutsche Bildhauer der Gegenwart“ in Warschau und Krakau gezeigt. | Yvette Deseyve

Un-Quadrat rot

Un-Quadrat rot

„Das Schrägelement – der senkrecht und waagrecht beschnittene, schräge Balken – […] ist aus der Diagonalen im Quadrat gewonnen. Daher steht es den Grundlagen und dem Ausgangspunkt absoluter Malerei nahe“, heißt es in Stankowskis Buch „Bildpläne“ (Stuttgart 1979, S. 97). Ein von links unten aufsteigender Schrägbalken sei „Ausdruck von Energie und Antriebskraft“; eine Diagonale vermittele „Erregung, Bewegtheit, Rhythmik und ‚Sensation‘“, unabhängig von ihrer Richtung (S. 99). Der Künstler und Designer Stankowski beschäftigte sich zeitlebens so intensiv mit dem Schrägelement, dass die Form zu einer Art Markenzeichen seiner Kunst wurde – sowohl in freien Arbeiten als auch im Grafikdesign. Sein wohl bekanntester Schrägstrich ist Teil des quadratischen Logos für die Deutsche Bank, das 1973 entstand. Doch bereits zuvor war die Schräge das visuell am ausgiebigsten erforschte Element seines Schaffens – ob in experimentellen Fotografien, Werbecollagen, Funktionsgrafiken, Markendesigns oder freien künstlerischen Arbeiten. Mit „Un-Quadrat“ ließ Stankowski die Schräge zur Bildgestalt werden: Die Leinwand selbst hat als „shaped canvas“ („geformtes Bild“) die aufsteigende Schrägform angenommen. Die Dynamik des Aufstrebens wird durch den Neigungswinkel unterstützt: Statt eines optisch ruhigeren 45-Grad-Winkels, der Diagonale eines Quadrats, wurde hier ein Winkel mit energiegeladenen 55 Grad gewählt. Diesen Kniff hatte Stankowski bereits erfolgreich beim Deutsche-Bank-Logo eingesetzt (dort mit 53 Grad). Der Werktitel „Un-Quadrat“ verweist also einerseits auf die als Bildkörper ausgeformte Leinwand ohne klassische rechte Winkel, andererseits auf das dynamische Ausbrechen der Schräge aus der Quadratdiagonale. | Christina Thomson