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Grüner Kanal

Ident. Nr.: NG 24/61

ObjID: obj:968308

n/a

Details (Expert)

Beteiligte
Anton Kerschbaumer (1885 - 1931),
Künstler*in
Datierung
1925
Weitere Titel
Sammlungstitel: Grüner Kanal
Übersetzung: Green Canal
Provenienz
Nachlass/Vermächtnis: Friederike Kerschbaumer, Witwe des Künstlers,
1961
Material / Technik
Öl auf Leinwand
Abmessungen
Höhe x Breite: 65,7 x 81,7 cm
Erwerbung
1961 Ankauf von der Witwe des Künstlers aus Spendenmitteln der Siemens AG, Berlin (West)

Objektbeschreibung

Kerschbaumer kam 1908 aus München nach Berlin. Viele Jahre lang malte er Ansichten aus verschiedenen Teilen der Stadt. Mitte der 1920er-Jahre kehrte er wiederholt zum Motiv der Brücken über dem Landwehrkanal zurück. Das Tempelhofer Ufer in der Nähe des Anhalter Bahnhofs, das im „Grünen Kanal“ dargestellt ist, war ihm dabei ein beliebter Ort. Hier richtete der Künstler seinen Blick auf die Natur, die an beiden Ufern von Bahngleisen flankiert war. Davon ahnen die Betrachter:innen des Bildes jedoch fast nichts. Die grüne Farbe der Bäume wird nicht nur im Wasser reflektiert, sie ist auch auf die im Hintergrund stehenden Häuser und den Turm übergegangen. Der Kontrast zwischen den dunklen Tönen des Vordergrunds und dem hellen Himmel suggeriert Abenddämmerung. Kerschbaumer war von der Malerei Edvard Munchs beeindruckt und orientierte sich außerdem an Hans von Marées und Paul Cézanne. Er setzte sich intensiv mit Wahrnehmung und Abstraktion auseinander. Insgesamt 13 Gemälde, Grafiken und Aquarelle Kerschbaumers wurden in der Zeit des Nationalsozialismus bei der Aktion „Entartete Kunst“ beschlagnahmt, darunter drei aus dem Besitz der Nationalgalerie; sie alle wurden vernichtet oder gelten als verschollen. | Emily Joyce Evans

Letzte Aktualisierung: 30.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Neue Nationalgalerie

Weitere Objekte aus den Sammlungen

Aufstehendes Pferd

Aufstehendes Pferd

Das ehemals im Besitz des Reichsministeriums für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung in Berlin befindliche „Aufstehende Pferd“ aus lebhaft strukturiertem rot-schwarzen Lahnmarmor steht exemplarisch für Graevenitz’ Schaffen, dessen künstlerisch erfolgreichste Phase in die Zeit des Nationalsozialismus fiel. Ab 1937 leitete er die Bildhauerklasse sowie – mit einigen Unterbrechungen aus gesundheitlichen Gründen – vom selben Jahr bis 1945 die Kunstakademie in Stuttgart als Direktor. Beim vorliegenden Werk hat von Graevenitz offenbar das Zugleich von noch ruhendem Pferdekörper und sich bereits in Bewegung setzenden Vorderbeinen samt sich aufbäumendem Kopf bildhauerisch gereizt, variierte er das Thema doch mehrfach: so etwa in der monumentalen Travertinskulptur „Aufstehendes Pferd“ von 1934/1935 für den Garten des Robert-Bosch-Krankenhauses Stuttgart oder in seinem 1934 möglicherweise im Zusammenhang mit der Ausgestaltung des Berliner Olympiageländes entstandenen Entwurf „Pferd in Wellen“ (Verbleib unbekannt). Das heute als Dauerleihgabe in der Stiftung Fritz von Graevenitz in Solitude bei Stuttgart befindliche „Aufstehende Pferd“ aus dem Bestand der Nationalgalerie war von Graevenitz’ bildhauerischer Beitrag auf der „Großen Deutschen Kunstausstellung“ 1937 im Münchner Haus der Deutschen Kunst; es wurde 1938 auch unter dem Titel „Leżący koń“ (Liegendes Pferd) auf der Propagandaschau „Deutsche Bildhauer der Gegenwart“ in Warschau und Krakau gezeigt. | Yvette Deseyve

Un-Quadrat rot

Un-Quadrat rot

„Das Schrägelement – der senkrecht und waagrecht beschnittene, schräge Balken – […] ist aus der Diagonalen im Quadrat gewonnen. Daher steht es den Grundlagen und dem Ausgangspunkt absoluter Malerei nahe“, heißt es in Stankowskis Buch „Bildpläne“ (Stuttgart 1979, S. 97). Ein von links unten aufsteigender Schrägbalken sei „Ausdruck von Energie und Antriebskraft“; eine Diagonale vermittele „Erregung, Bewegtheit, Rhythmik und ‚Sensation‘“, unabhängig von ihrer Richtung (S. 99). Der Künstler und Designer Stankowski beschäftigte sich zeitlebens so intensiv mit dem Schrägelement, dass die Form zu einer Art Markenzeichen seiner Kunst wurde – sowohl in freien Arbeiten als auch im Grafikdesign. Sein wohl bekanntester Schrägstrich ist Teil des quadratischen Logos für die Deutsche Bank, das 1973 entstand. Doch bereits zuvor war die Schräge das visuell am ausgiebigsten erforschte Element seines Schaffens – ob in experimentellen Fotografien, Werbecollagen, Funktionsgrafiken, Markendesigns oder freien künstlerischen Arbeiten. Mit „Un-Quadrat“ ließ Stankowski die Schräge zur Bildgestalt werden: Die Leinwand selbst hat als „shaped canvas“ („geformtes Bild“) die aufsteigende Schrägform angenommen. Die Dynamik des Aufstrebens wird durch den Neigungswinkel unterstützt: Statt eines optisch ruhigeren 45-Grad-Winkels, der Diagonale eines Quadrats, wurde hier ein Winkel mit energiegeladenen 55 Grad gewählt. Diesen Kniff hatte Stankowski bereits erfolgreich beim Deutsche-Bank-Logo eingesetzt (dort mit 53 Grad). Der Werktitel „Un-Quadrat“ verweist also einerseits auf die als Bildkörper ausgeformte Leinwand ohne klassische rechte Winkel, andererseits auf das dynamische Ausbrechen der Schräge aus der Quadratdiagonale. | Christina Thomson