Logo

Der Boxer Erich Brandl

Ident. Nr.: NG 52/86

ObjID: obj:968361

n/a

Details (Expert)

Beteiligte
Renée Sintenis (1888 - 1965),
Künstler*in
Datierung
1925
Weitere Titel
Sammlungstitel: Der Boxer Erich Brandl
Übersetzung: The Boxer Erich Brandl
Provenienz
Hans Christian Albrecht, Hamburg,
389566
Material / Technik
Terrakotta
Abmessungen
Höhe x Breite x Tiefe: 41,5 x 17,5 x 17 cm (inkl. Plinthe)
Erwerbung
1986 Geschenk von Dr. jur. Hans-Christian Albrecht, Hamburg

Objektbeschreibung

Mit der zunehmenden Popularität des Sports in der Weimarer Republik entdeckte Sintenis – selbst eine begeisterte Sportlerin – diesen als Sujet für sich. Möglicherweise hatte auch ihr Galerist Alfred Flechtheim Anteil daran. Er war ein großer Sport- und insbesondere Boxfan und regte die mit ihm in Verbindung stehenden Künstler immer wieder zu Sportlerdarstellungen an. Vielleicht schuf Sintenis auf sein Geheiß 1925 die Figur des Mittelgewichtsboxers Erich Brandl, der sich zu diesem Zeitpunkt am Beginn seiner Laufbahn befand. Die Bildhauerin modellierte den durchtrainierten und gleichzeitig knabenhaft wirkenden Sportler in dynamischer Boxerpose. Konzentriert abwartend hält er die Fäuste zum Kampf geballt, die Beine sind leicht gegrätscht, bereit für den Angriff. Jeder einzelne Muskel ist klar herausgearbeitet. Anders als bei ihrer Darstellung des Boxers Helmut Hartkopp fünf Jahre später (WVZ Berger/Ladwig 2013, 115) gab sie Brandl vollkommen unbekleidet wieder. Sintenis folgte damit der zeitgenössischen Rezeption des jungen Sportlers, der nicht zuletzt durch die Nacktaufnahmen der Fotografin Frieda Riess, die zeitgleich im „Querschnitt“ (5. Jg. [1925], H. 9) erschienen, zur Reinkarnation des klassischen Schönheitsideals und zum modernen Sexsymbol stilisiert wurde. | Maike Steinkamp

Letzte Aktualisierung: 30.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Neue Nationalgalerie

Weitere Objekte aus den Sammlungen

Aufstehendes Pferd

Aufstehendes Pferd

Das ehemals im Besitz des Reichsministeriums für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung in Berlin befindliche „Aufstehende Pferd“ aus lebhaft strukturiertem rot-schwarzen Lahnmarmor steht exemplarisch für Graevenitz’ Schaffen, dessen künstlerisch erfolgreichste Phase in die Zeit des Nationalsozialismus fiel. Ab 1937 leitete er die Bildhauerklasse sowie – mit einigen Unterbrechungen aus gesundheitlichen Gründen – vom selben Jahr bis 1945 die Kunstakademie in Stuttgart als Direktor. Beim vorliegenden Werk hat von Graevenitz offenbar das Zugleich von noch ruhendem Pferdekörper und sich bereits in Bewegung setzenden Vorderbeinen samt sich aufbäumendem Kopf bildhauerisch gereizt, variierte er das Thema doch mehrfach: so etwa in der monumentalen Travertinskulptur „Aufstehendes Pferd“ von 1934/1935 für den Garten des Robert-Bosch-Krankenhauses Stuttgart oder in seinem 1934 möglicherweise im Zusammenhang mit der Ausgestaltung des Berliner Olympiageländes entstandenen Entwurf „Pferd in Wellen“ (Verbleib unbekannt). Das heute als Dauerleihgabe in der Stiftung Fritz von Graevenitz in Solitude bei Stuttgart befindliche „Aufstehende Pferd“ aus dem Bestand der Nationalgalerie war von Graevenitz’ bildhauerischer Beitrag auf der „Großen Deutschen Kunstausstellung“ 1937 im Münchner Haus der Deutschen Kunst; es wurde 1938 auch unter dem Titel „Leżący koń“ (Liegendes Pferd) auf der Propagandaschau „Deutsche Bildhauer der Gegenwart“ in Warschau und Krakau gezeigt. | Yvette Deseyve

Un-Quadrat rot

Un-Quadrat rot

„Das Schrägelement – der senkrecht und waagrecht beschnittene, schräge Balken – […] ist aus der Diagonalen im Quadrat gewonnen. Daher steht es den Grundlagen und dem Ausgangspunkt absoluter Malerei nahe“, heißt es in Stankowskis Buch „Bildpläne“ (Stuttgart 1979, S. 97). Ein von links unten aufsteigender Schrägbalken sei „Ausdruck von Energie und Antriebskraft“; eine Diagonale vermittele „Erregung, Bewegtheit, Rhythmik und ‚Sensation‘“, unabhängig von ihrer Richtung (S. 99). Der Künstler und Designer Stankowski beschäftigte sich zeitlebens so intensiv mit dem Schrägelement, dass die Form zu einer Art Markenzeichen seiner Kunst wurde – sowohl in freien Arbeiten als auch im Grafikdesign. Sein wohl bekanntester Schrägstrich ist Teil des quadratischen Logos für die Deutsche Bank, das 1973 entstand. Doch bereits zuvor war die Schräge das visuell am ausgiebigsten erforschte Element seines Schaffens – ob in experimentellen Fotografien, Werbecollagen, Funktionsgrafiken, Markendesigns oder freien künstlerischen Arbeiten. Mit „Un-Quadrat“ ließ Stankowski die Schräge zur Bildgestalt werden: Die Leinwand selbst hat als „shaped canvas“ („geformtes Bild“) die aufsteigende Schrägform angenommen. Die Dynamik des Aufstrebens wird durch den Neigungswinkel unterstützt: Statt eines optisch ruhigeren 45-Grad-Winkels, der Diagonale eines Quadrats, wurde hier ein Winkel mit energiegeladenen 55 Grad gewählt. Diesen Kniff hatte Stankowski bereits erfolgreich beim Deutsche-Bank-Logo eingesetzt (dort mit 53 Grad). Der Werktitel „Un-Quadrat“ verweist also einerseits auf die als Bildkörper ausgeformte Leinwand ohne klassische rechte Winkel, andererseits auf das dynamische Ausbrechen der Schräge aus der Quadratdiagonale. | Christina Thomson