Logo

Die Vision

Ident. Nr.: B 73

ObjID: obj:968380

1952 erworben durch das Land Berlin
n/a

Details (Expert)

Beteiligte
Ernst Barlach (1870 - 1938),
Künstler*in
Datierung
1912
Weitere Titel
Sammlungstitel: Die Vision
Übersetzung: The Vision
Geografische Bezüge
Provenienz
Kauf: Paul Cassirer, Berlin,
1912–1919
Kauf: Hugo Simon, Berlin, Basel, Paris, São Paulo,
Oktober 1919 bis 1950
Verwahrung: Kunstmuseum Basel,
1941–1952
Gertrud Simon ("Privatbesitz"),
1950–1952
Kauf: Galerie des 20. Jahrhunderts, Berlin (West),
1952–1968
Material / Technik
Eichenholz
Abmessungen
Höhe x Breite x Tiefe: insgesamt 118 x 98 x 38 cm
Erwerbung
1952 Ankauf von den Erben der Sammlung Hugo Simon durch das Land Berlin für die Galerie des 20. Jahrhunderts (West)

Objektbeschreibung

„Die Vision“ vereinigt auf überraschende Weise zwei Holzreliefs. Das untere, kleinere Teilstück zeigt eine liegende weibliche Figur mit geschlossenen Augen, den Kopf an einer Erhöhung träumend zurückgelehnt. Sie ist vorgeprägt in Zeichnungen, eine von 1912 gibt die Züge des Kunstkritikers Theodor Däubler wieder (WVZ Wittboldt/Laur 2013, Teil 1, 1207). Barlach hat das Motiv später noch einmal einzeln, vollplastisch, wiederholt in der Holzfigur „Der Träumer“ von 1925 (WVZ Laur 2006, 384). Das obere, größere Relief zeigt eine ruhige, mit verschränkten Armen über einer hügeligen Landschaft schwebende Gestalt. Dieses für ihn zentrale Motiv hat Barlach mit variierendem Sinngehalt über Jahrzehnte in Zeichnungen und plastischen Werken wiederholt, bis hin zum „Schwebenden“ im Dom von Güstrow (1927). Ganz direkt verwandte er die Figur noch einmal in seinen Entwürfen für das Grabmal von Theodor Däubler 1935 (WVZ Laur 2006, 591), das er jedoch aus politischen Gründen nicht ausführen konnte. Den Gips des Schwebenden von 1912 für das vorliegende Relief hat Barlach nachträglich, im März 1933, mit der geritzten Inschrift versehen: „Freiheit die ich meine“ (WVZ Laur 2006, 172). Aus dem Besitz des Galeristen Paul Cassirer, mit dem Barlach ein Vertrag verband, erwarb der Bankier und Kunstsammler Hugo Simon 1919 das Werk, aus dessen Nachlass es 1952 für die West-Berliner „Galerie des 20. Jahrhunderts“ angekauft wurde. 1938 war „Die Vision“ in der als Gegenausstellung zu der Münchner Schau „Entartete Kunst“ konzipierten Präsentation „Twentieth Century German Art“ in London zu sehen gewesen. | Angelika Wesenberg

Letzte Aktualisierung: 30.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Neue Nationalgalerie

Weitere Objekte aus den Sammlungen

Innenraum-Entwurf

Innenraum-Entwurf

Mies van der Rohe ließ sich während der Weimarer Republik von avantgardistischen Kunstformen inspirieren. Er verwendete Collagen, ein beliebtes Verfahren des Dadaismus, als Medium für seine Entwürfe und eröffnete damit ein gänzlich neues Spektrum für die Architekturdarstellung. Die hier eingefügte Abbildung der Skulptur „Mädchentorso, sich umwendend“ von Wilhelm Lehmbruck (1913/1914, F.V. 77) aus der Nationalgalerie-Sammlung spielte in Mies’ Architekturauffassung eine zentrale Rolle. Sie stand auch in der Villa Tugendhat in Brünn, die er 1929/1930 erbaute. Mies setzte die (bei ihm stets weibliche) menschliche Figur als Kontrapunkt zu seiner geometrischen Architektur. So ist Auguste Renoirs Plastik einer knienden Wäscherin („La Grande Laveuse accroupie/L’Eau“, 1917, NG 10/68) vor der Glasfront zum Garten platziert, in der Sichtachse zum Wasserbecken. Pablo Picassos Wandbild „Guernica“ (1937; Museo Reina Sofia, Madrid) dagegen kommt einer politischen Positionierung gleich. Dieses berühmte Antikriegs-Bild war zwischen 1939 und 1981 im Museum of Modern Art in New York zu sehen und in den USA, wo Mies seit 1938 lebte, durch eine Wanderausstellung sehr bekannt geworden. An der Holzwand auf der rechten Bildseite sind Details von Georges Braques’ „Mann mit Gitarre“ (1911/1912; Museum of Modern Art, New York) zu sehen. In dieser Werkauswahl spiegeln sich Mies’ Kunstvorlieben, der in den USA mehrere Werke seiner Freunde Paul Klee und Kurt Schwitters sowie von Georges Braque, Pablo Picasso und Edvard Munch erworben hatte. Den Collagen zufolge hatte Mies in den Räumen im Untergeschoss einen Terrazzoboden vorgesehen, der durch eingelegte Aluminiumleisten in Quadrate gegliedert sein und so das Raster der Granitplatten im Garten und Foyer fortsetzen sollte. Die Decken waren dagegen als fugenlose Flachdecken konzipiert. In der Ausführung wurde der Vorschlag aus Kostengründen indessen durch ein modulares Deckensystem und einen einheitlichen Spannteppich formal umgekehrt realisiert. | Uta Caspary

Innenraum-Entwurf

Innenraum-Entwurf

Bereits in den 1930er-Jahren entwickelte Mies van der Rohe die Methode der perspektivischen Fotomontagen oder Collagen als Studien zu seinen architektonischen Entwürfen, aber auch als eigenständige Kunstwerke. Sie wirken wie eine Vorwegnahme der computergenerierten Visualisierungen unserer Tage. In seinem Büro in Chicago fertigten Studierende unter seiner Aufsicht eine Vielzahl von Collagen zu den jeweiligen Projekten. Drei solcher Arbeiten, die einen Ausstellungsbereich mit Blick in den Museumsgarten darstellen, gehörten auch zur Präsentation des Entwurfs für den Bau der Neuen Nationalgalerie. Sie sollten, so Mies im Begleittext zur Entwurfsmappe, „den Charakter und Geist dieses Bereiches [des Untergeschosses] sowie seine Beziehung zum Garten klarmachen“ (Kunstbibliothek, Berlin). Feine Tusche-Linienzeichnungen des Raumes werden mit eingeklebten Fotos von einem Wald, die in Schwarz-Weiß mit Grünfilter gefertigt sind, und Fotos von Kunstwerken kombiniert, die teilweise zur Sammlung der Neuen Nationalgalerie gehören, größtenteils jedoch frei gewählt sind. Hier ist Wassily Kandinskys „Schwere Kreise“ (1927; Norton Simon Museum, Pasadena) mit Wilhelm Lehmbrucks „Große Stehende“ (1910; Von der Heydt-Museum, Wuppertal) kombiniert. Diese Werkauswahl spiegelt die Vorliebe des Architekten für die klassische Moderne, mit Lehmbruck war er außerdem persönlich und künstlerisch eng verbunden. Das von Mies bei der Möblierung bevorzugte Brauneichenfurnier verwendete er hier als abstrakten Raumteiler, der an Tresen oder hüfthohe Grafikschränke im Museum erinnert. Im Garten hinter der Glasfront ist ein rechteckiges Wasserbecken eingezeichnet, in dem die Bronze „La Rivière“ (1938–1943) von Aristide Maillol platziert ist. Hinter der Umfassungsmauer wuchert das dunkle Grün des Waldes. Das Zusammenspiel von Architektur, Kunst und Natur in den Collagen ist charakteristisch für Mies’ Entwurfsprinzip generell. | Uta Caspary

Aufstehendes Pferd

Aufstehendes Pferd

Das ehemals im Besitz des Reichsministeriums für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung in Berlin befindliche „Aufstehende Pferd“ aus lebhaft strukturiertem rot-schwarzen Lahnmarmor steht exemplarisch für Graevenitz’ Schaffen, dessen künstlerisch erfolgreichste Phase in die Zeit des Nationalsozialismus fiel. Ab 1937 leitete er die Bildhauerklasse sowie – mit einigen Unterbrechungen aus gesundheitlichen Gründen – vom selben Jahr bis 1945 die Kunstakademie in Stuttgart als Direktor. Beim vorliegenden Werk hat von Graevenitz offenbar das Zugleich von noch ruhendem Pferdekörper und sich bereits in Bewegung setzenden Vorderbeinen samt sich aufbäumendem Kopf bildhauerisch gereizt, variierte er das Thema doch mehrfach: so etwa in der monumentalen Travertinskulptur „Aufstehendes Pferd“ von 1934/1935 für den Garten des Robert-Bosch-Krankenhauses Stuttgart oder in seinem 1934 möglicherweise im Zusammenhang mit der Ausgestaltung des Berliner Olympiageländes entstandenen Entwurf „Pferd in Wellen“ (Verbleib unbekannt). Das heute als Dauerleihgabe in der Stiftung Fritz von Graevenitz in Solitude bei Stuttgart befindliche „Aufstehende Pferd“ aus dem Bestand der Nationalgalerie war von Graevenitz’ bildhauerischer Beitrag auf der „Großen Deutschen Kunstausstellung“ 1937 im Münchner Haus der Deutschen Kunst; es wurde 1938 auch unter dem Titel „Leżący koń“ (Liegendes Pferd) auf der Propagandaschau „Deutsche Bildhauer der Gegenwart“ in Warschau und Krakau gezeigt. | Yvette Deseyve

Un-Quadrat rot

Un-Quadrat rot

„Das Schrägelement – der senkrecht und waagrecht beschnittene, schräge Balken – […] ist aus der Diagonalen im Quadrat gewonnen. Daher steht es den Grundlagen und dem Ausgangspunkt absoluter Malerei nahe“, heißt es in Stankowskis Buch „Bildpläne“ (Stuttgart 1979, S. 97). Ein von links unten aufsteigender Schrägbalken sei „Ausdruck von Energie und Antriebskraft“; eine Diagonale vermittele „Erregung, Bewegtheit, Rhythmik und ‚Sensation‘“, unabhängig von ihrer Richtung (S. 99). Der Künstler und Designer Stankowski beschäftigte sich zeitlebens so intensiv mit dem Schrägelement, dass die Form zu einer Art Markenzeichen seiner Kunst wurde – sowohl in freien Arbeiten als auch im Grafikdesign. Sein wohl bekanntester Schrägstrich ist Teil des quadratischen Logos für die Deutsche Bank, das 1973 entstand. Doch bereits zuvor war die Schräge das visuell am ausgiebigsten erforschte Element seines Schaffens – ob in experimentellen Fotografien, Werbecollagen, Funktionsgrafiken, Markendesigns oder freien künstlerischen Arbeiten. Mit „Un-Quadrat“ ließ Stankowski die Schräge zur Bildgestalt werden: Die Leinwand selbst hat als „shaped canvas“ („geformtes Bild“) die aufsteigende Schrägform angenommen. Die Dynamik des Aufstrebens wird durch den Neigungswinkel unterstützt: Statt eines optisch ruhigeren 45-Grad-Winkels, der Diagonale eines Quadrats, wurde hier ein Winkel mit energiegeladenen 55 Grad gewählt. Diesen Kniff hatte Stankowski bereits erfolgreich beim Deutsche-Bank-Logo eingesetzt (dort mit 53 Grad). Der Werktitel „Un-Quadrat“ verweist also einerseits auf die als Bildkörper ausgeformte Leinwand ohne klassische rechte Winkel, andererseits auf das dynamische Ausbrechen der Schräge aus der Quadratdiagonale. | Christina Thomson