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Bäuerin

Ident. Nr.: A II 1041

ObjID: obj:968405

n/a

Details (Expert)

Beteiligte
Abram Archipow (1862 - 1930),
Künstler*in
Datierung
nach 1914
Weitere Titel
Sammlungstitel: Bäuerin
Übersetzung: Peasant Woman
Originaltitel: Крестьянка
Originaltitel: Женщина в красном с желтой шалью
Provenienz
Galerie Franz, Berlin,
spätestens 1950
Kauf: Magistrat von Groß-Berlin,
1950–1951
Material / Technik
Öl auf Leinwand
Abmessungen
Höhe x Breite: 100 x 78 cm
Erwerbung
1950 Ankauf für die Galerie des 20. Jahrhunderts. 1951 Schenkung des Magistrats von Groß-Berlin (Ost)

Objektbeschreibung

Der in einfachsten Verhältnissen in der russischen Provinz Rjasan aufgewachsene Archipov studierte in Moskau und Sankt Petersburg. Zunächst widmete er sich Landschaften und Genrebildern. 1891 wurde er Mitglied der Künstlergenossenschaft Peredwishniki (Wanderer), die Verkaufsausstellungen an verschiedenen Orten veranstaltete und in der späteren Rezeption vor allem als sozialkritische, realistische Bewegung gedeutet worden ist. 1894 folgte Archipow einer Berufung an die Moskauer Hochschule für Malerei, Bildhauerei und Baukunst, 1916 wurde er Mitglied der dortigen Kunstakademie. Dieser berufliche Erfolg setzte sich auch nach der Revolution 1917 fort: 1924 trat Archipow der Assoziation der Künstler des revolutionären Russlands (AChRR) bei, drei Jahre später wurde er als „Volkskünstler“ ausgezeichnet. Das Gemälde „Bäuerin“ gehört zu einer Werkgruppe von Bauernbildnissen, der sich der Maler ab etwa 1914 widmete. Typisch für diese Serie sind Einzelporträts von gesund und glücklich aussehenden Kleinbäuerinnen mit Kopftüchern und in bunter, zumeist roter Kleidung. Solche Arbeiten, die stilistisch gesehen der Zeit vor der Revolution angehören, schuf der Künstler bis zu seinem Lebensende. Archipow wurde in der Sowjetunion als Realist wahrgenommen, ebenso wie die anderen Peredwishniki. Seine Verbindung zu der Künstlergenossenschaft dürfte der Grund dafür gewesen sein, dass die „Bäuerin“ 1951 in der DDR auf Interesse stieß und von der Nationalgalerie angekauft wurde. | Emily Joyce Evans

Letzte Aktualisierung: 30.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Neue Nationalgalerie

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Innenraum-Entwurf

Innenraum-Entwurf

Bereits in den 1930er-Jahren entwickelte Mies van der Rohe die Methode der perspektivischen Fotomontagen oder Collagen als Studien zu seinen architektonischen Entwürfen, aber auch als eigenständige Kunstwerke. Sie wirken wie eine Vorwegnahme der computergenerierten Visualisierungen unserer Tage. In seinem Büro in Chicago fertigten Studierende unter seiner Aufsicht eine Vielzahl von Collagen zu den jeweiligen Projekten. Drei solcher Arbeiten, die einen Ausstellungsbereich mit Blick in den Museumsgarten darstellen, gehörten auch zur Präsentation des Entwurfs für den Bau der Neuen Nationalgalerie. Sie sollten, so Mies im Begleittext zur Entwurfsmappe, „den Charakter und Geist dieses Bereiches [des Untergeschosses] sowie seine Beziehung zum Garten klarmachen“ (Kunstbibliothek, Berlin). Feine Tusche-Linienzeichnungen des Raumes werden mit eingeklebten Fotos von einem Wald, die in Schwarz-Weiß mit Grünfilter gefertigt sind, und Fotos von Kunstwerken kombiniert, die teilweise zur Sammlung der Neuen Nationalgalerie gehören, größtenteils jedoch frei gewählt sind. Hier ist Wassily Kandinskys „Schwere Kreise“ (1927; Norton Simon Museum, Pasadena) mit Wilhelm Lehmbrucks „Große Stehende“ (1910; Von der Heydt-Museum, Wuppertal) kombiniert. Diese Werkauswahl spiegelt die Vorliebe des Architekten für die klassische Moderne, mit Lehmbruck war er außerdem persönlich und künstlerisch eng verbunden. Das von Mies bei der Möblierung bevorzugte Brauneichenfurnier verwendete er hier als abstrakten Raumteiler, der an Tresen oder hüfthohe Grafikschränke im Museum erinnert. Im Garten hinter der Glasfront ist ein rechteckiges Wasserbecken eingezeichnet, in dem die Bronze „La Rivière“ (1938–1943) von Aristide Maillol platziert ist. Hinter der Umfassungsmauer wuchert das dunkle Grün des Waldes. Das Zusammenspiel von Architektur, Kunst und Natur in den Collagen ist charakteristisch für Mies’ Entwurfsprinzip generell. | Uta Caspary

Aufstehendes Pferd

Aufstehendes Pferd

Das ehemals im Besitz des Reichsministeriums für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung in Berlin befindliche „Aufstehende Pferd“ aus lebhaft strukturiertem rot-schwarzen Lahnmarmor steht exemplarisch für Graevenitz’ Schaffen, dessen künstlerisch erfolgreichste Phase in die Zeit des Nationalsozialismus fiel. Ab 1937 leitete er die Bildhauerklasse sowie – mit einigen Unterbrechungen aus gesundheitlichen Gründen – vom selben Jahr bis 1945 die Kunstakademie in Stuttgart als Direktor. Beim vorliegenden Werk hat von Graevenitz offenbar das Zugleich von noch ruhendem Pferdekörper und sich bereits in Bewegung setzenden Vorderbeinen samt sich aufbäumendem Kopf bildhauerisch gereizt, variierte er das Thema doch mehrfach: so etwa in der monumentalen Travertinskulptur „Aufstehendes Pferd“ von 1934/1935 für den Garten des Robert-Bosch-Krankenhauses Stuttgart oder in seinem 1934 möglicherweise im Zusammenhang mit der Ausgestaltung des Berliner Olympiageländes entstandenen Entwurf „Pferd in Wellen“ (Verbleib unbekannt). Das heute als Dauerleihgabe in der Stiftung Fritz von Graevenitz in Solitude bei Stuttgart befindliche „Aufstehende Pferd“ aus dem Bestand der Nationalgalerie war von Graevenitz’ bildhauerischer Beitrag auf der „Großen Deutschen Kunstausstellung“ 1937 im Münchner Haus der Deutschen Kunst; es wurde 1938 auch unter dem Titel „Leżący koń“ (Liegendes Pferd) auf der Propagandaschau „Deutsche Bildhauer der Gegenwart“ in Warschau und Krakau gezeigt. | Yvette Deseyve

Un-Quadrat rot

Un-Quadrat rot

„Das Schrägelement – der senkrecht und waagrecht beschnittene, schräge Balken – […] ist aus der Diagonalen im Quadrat gewonnen. Daher steht es den Grundlagen und dem Ausgangspunkt absoluter Malerei nahe“, heißt es in Stankowskis Buch „Bildpläne“ (Stuttgart 1979, S. 97). Ein von links unten aufsteigender Schrägbalken sei „Ausdruck von Energie und Antriebskraft“; eine Diagonale vermittele „Erregung, Bewegtheit, Rhythmik und ‚Sensation‘“, unabhängig von ihrer Richtung (S. 99). Der Künstler und Designer Stankowski beschäftigte sich zeitlebens so intensiv mit dem Schrägelement, dass die Form zu einer Art Markenzeichen seiner Kunst wurde – sowohl in freien Arbeiten als auch im Grafikdesign. Sein wohl bekanntester Schrägstrich ist Teil des quadratischen Logos für die Deutsche Bank, das 1973 entstand. Doch bereits zuvor war die Schräge das visuell am ausgiebigsten erforschte Element seines Schaffens – ob in experimentellen Fotografien, Werbecollagen, Funktionsgrafiken, Markendesigns oder freien künstlerischen Arbeiten. Mit „Un-Quadrat“ ließ Stankowski die Schräge zur Bildgestalt werden: Die Leinwand selbst hat als „shaped canvas“ („geformtes Bild“) die aufsteigende Schrägform angenommen. Die Dynamik des Aufstrebens wird durch den Neigungswinkel unterstützt: Statt eines optisch ruhigeren 45-Grad-Winkels, der Diagonale eines Quadrats, wurde hier ein Winkel mit energiegeladenen 55 Grad gewählt. Diesen Kniff hatte Stankowski bereits erfolgreich beim Deutsche-Bank-Logo eingesetzt (dort mit 53 Grad). Der Werktitel „Un-Quadrat“ verweist also einerseits auf die als Bildkörper ausgeformte Leinwand ohne klassische rechte Winkel, andererseits auf das dynamische Ausbrechen der Schräge aus der Quadratdiagonale. | Christina Thomson