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Berge und Flüsse von Kiso

Ident. Nr.: 60080-30.23

ObjID: obj:978422

Details (Expert)

Beteiligte
Utagawa Hiroshige 歌川廣重 (1797 - 1858),
Holzschnittzeichner
Datierung
Edo (Tokugawa)-Zeit
1857
Geografische Bezüge
Abmessungen
Bildmaß: Ôban 36- 36,1 x 24,5 cm -24,9 cm

Objektbeschreibung

Als Höhepunkte seines Spätwerks schuf Hiroshige eine Folge von drei monumentalen Landschaftspanoramen, die als Triptychen gestaltet sind. Das Thema "Schnee, Mond, Kirschblüte" (setsugekka) ist bereits in der chinesischen Kunst bekannt gewesen und spielt auf eine Gedichtzeile des berühmten Tang-zeitlichen Dichters Bo Juyi (772-846) an: "Bei Schnee, Mond und Kirschblüten denke ich an Euch". Im vorliegenden Triptychon mit der Darstellung der Landschaft an der alten Handelsstraße Kiso hat Hiroshige den Schnee motivisch umgesetzt. Entsprechend sind die beiden anderen Triptychen der Folge auf die Visualisierung von Kirschblüten und Mond fokussiert. Mächtig ragen die Gipfel des Gebirges am Oberlauf des Kiso-Flußes in die Höhe und wölben sich weit in den Vordergrund vor. Nur ein kleines Stück des nächtlichen Horizontes und der sich wie ein Band um die Berge legende Fluß schaffen Raumtiefe. Die undurchdringliche Winterlandschaft scheint kaum von Menschen berührt zu sein und nur wenige Brücken, Wege und verschneite Häuser lassen erahnen, dass es sich um einen wichtigen Bergpaß auf dem Weg von Edo nach Kyôto handelt. Hiroshige hat das Bergpanorama kompositorisch und zeichnerisch vergleichsweise traditionell angelegt. Die kleinen beschneiten Kiefern im Vordergrund sind vom Betrachter entfernt, allein wo Schluchten und Täler sind, bricht eine kaum strukturierte Binnenzeichnung die weißen Bergflächen auf. Über die schmalen, an mächtigen Felsflanken vorbeiführenden Bergpfade wird der Blick des Betrachters in die Tiefe geleitet. Bereits in früheren Landschaftsserien wie den "Acht Ansichten von Ômi", die der Künstler bald nach seiner um 1833 entsandenen hochberühmten Folge der "53 Stationen der Tôkaidô" begann, offenbaren sich Hiroshiges unverwechselbare Stilmerkmale. Seine delikate Farbgebung, die Verwendung fließender Farbschattierungen (fukibokashi) verbunden mit dem Druck konturloser Flächen schaffen Landschaften mit starker malerischer Ausdruckskraft. Mit diesen Landschaften nach der Natur im Stimmungsgehalt der Tages- und Jahreszeiten entfernt sich Hiroshige von den spektakulären, dramatischen Landschaftsentwürfen des anderen herausragenden Holzschnittkünstlers im 19. Jahrhundert, Katsushika Hokusai (1760-1849). Das Setsugekka-Motiv erfreute sich bis ins späte 19. Jahrhundert hinein großer Beliebtheit in der japanischen Kunst.

Letzte Aktualisierung: 15.12.2025

Kontakt

Einrichtung:

Museum für Asiatische Kunst

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Diese Stadtlandschaft zeigt den nördlichen Abschnitt der wichtigsten Einkaufsstraße der Stadt Edo, der von der Imagawa-Brücke im Bezirk Kanda bis zur berühmten Nihonbashi-Brücke führt. Eng aneinander gereiht stehen die verschiedensten Geschäfte, darunter auch der Hauptsitz des Stoff- und Bekleidungsgeschäfts Mitsui Echigoya, das heute unter dem Namen Mitsukoshi weltweit als Warenhaus bekannt ist. Mit akribischer Genauigkeit, erfrischendem Humor und großer Liebe zum Detail werden eine Vielfalt von landwirtschaftlichen und handwerklichen Produkten sowie eine enorme Zahl von Geschäften, Verkaufsständen und Gebäuden abgebildet. Wohl nachträglich aufgebrachte Titelkartuschen nennen den jeweiligen Standort. Auf der Hauptstraße und den Nebengassen tummeln sich Menschen unterschiedlichster Berufe, Altersstufen und Stände. Von Samurai bis zu Bettlern, von vornehmen Bürgersfrauen bis zu Dirnen, von Mönchen bis zu Straßenhändlern ist das gesamte Spektrum der städtischen Bevölkerung vertreten.Das Bild trägt weder eine Signatur noch eine Datierung, doch weisen bestimmte Details auf eine Entstehung um das Jahr 1805. Die entsprechende Jahresangabe Bunka 2 findet sich im Zusammenhang mit dem Tempelnamen Ekōin als Aufschrift auf der Kiste eines Lastenträgers. Er bildet den Abschluss des Gefolges eines Mönchs, der wohl Spenden für den Bau der Haupthalle dieses Tempels sammelt. Die Bezeichnung „Haupthalle“ hondō ist auf der Fahne eines weiteren Begleiters zu erkennen. Der insgesamt vier Personen umfassenden Gruppe vor dem Buchladen Suharaya unweit der Ortsbezeichnung Surugachō, folgen drei ältere Frauen, wohl Laienanhänger des Tempels, welche die Bittprozession durch das Schlagen von Handglocken akustisch untermalen. Der Entstehungszeitraum der Rolle wird ferner durch das Todesjahr des 1814 verschiedenen Schreibers der Titelkalligraphie, Sano Tōshū, eingegrenzt.Aufgrund der hervorragenden malerischen Qualität und des bemerkenswerten Formats der Bildrolle (12 Meter lang und 44 cm hoch) kann angenommen werden, dass ein potenter Auftraggeber, der sich besonders für das Alltagsleben der Hauptstadtbewohner interessierte, dieses dokumentarische Werk speziell bei einem Malatelier anfertigen ließ. Als wahrscheinlichste Kandidaten gelten Mitglieder der Kaufmannsfamilie Mitsui, Eigentümer des Echigoya, oder Mitglieder der Aristokratie, die sich nicht unter das Volk mischen, aber eine Anschauung von dessen Leben sehen und besitzen wollten.Die Informationsfülle und die Lebendigkeit der Darstellung sind einzigartig. Die Darstellung von Stadttopographien hat aber eine Tradition, die wenigstens bis in das 16. Jahrhundert zurückreicht und vor allem durch Darstellungen der Sehenswürdigkeiten Kyotos belegt ist. Aus der Titelkartusche geht hervor, dass diese bis vor wenigen Jahren in Berliner Privatbesitz tradierte Bildrolle zu einem zwei- oder gar dreiteiligen Set gehört. Hinweise auf den Verbleib der anderen Rolle/n sind dringend erwünscht. Ein Faksimile dieser Rolle ist seit 2011 in einem Schaufenster des Kaufhauses Mitsukoshi ausgestellt, das in einer Untergrundpassage auf die U-Bahn-Station Mitsukoshi-mae weist und täglich von Tausenden Menschen passiert wird. [SM8HF]