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Die Großen Sutren der Vollkommenen Weisheit

Ident. Nr.: 214

ObjID: obj:978587

Details (Expert)

Datierung
Späte Heian-Zeit
12. Jh.
Weitere Titel
Sammlungstitel: Die Großen Sutren der Vollkommenen Weisheit
Dai-hannyaharamitta-kyô
Geografische Bezüge
Abmessungen
Blattmaß: Rollen zu je 4,4 x 200,0 cm
Durchmesser: 3 cm (aufgerollt)
Objektmaß: 4,8 x 24,5 x 8 cm (kleiner Lackkasten in Seidentuch)
Objektmaß: 12,3 x 56,8 x 27,4 cm (großer Kasten in Textilhülle)
Objektmaß: 16,5 x 32,7 x 63 cm (äußerer Aufbewahrungskasten)

Objektbeschreibung

Zu den heiligsten und wichtigsten Texten des Mahâyâna-Buddhismus gehören die insgesamt 600 Kapitel umfassenden "Großen Sutren der Vollkommenen Weisheit" (sanksr. Mahâ-prajnâpâramitâ-sûtra, jap. Dai-hannyaharamitta-kyô), welche der berühmte chinesische Pilgermönch Xuanzang (596-664) aus Indien mitgebracht und zwischen 659 und 663 ins Chinesische übersetzt hatte. Dieser buddhistische Lehrtext enthält Predigten, die Buddha in 16 Zusammenkünften auf dem Geierkopfberg in Magadha und an drei anderen Orten vor seinen Schülern und Laienanhängern gehalten haben soll. Seit dem achten Jahrhundert war es unter der Aristokratie und dem Klerus Japans ein beliebter Brauch, Sutrentexte auf kostbar verziertem Papier abzuschreiben. Die Vervielfältigung der heiligen Schrift wurde einerseits als religiöse Übung erachtet, andererseits erhoffte man damit auch heilbringende Wirkungen. Für die Sutrenabschriften wurde meist Papier verwendet, das mit Indigo dunkelblau gefärbt wurde. Für die Schrift und die begleitenden Illustrationen benutzte man Gold und Silber. Der Berliner Satz soll ursprünglich 60 Miniaturrollen umfasst haben. 10 Rollen wurden jedoch bereits im Jahre 1784 wegen Insektenfraß entfernt. Die übrig gebliebenen 50 Rollen enthalten je 10 Kapitel, wobei das äußere Deckblatt, hyôshi, mit prächtigen, stilisierten Blütenranken, hosoge, verziert ist. Auf dem Deckblatt ist auch eine Kartusche vorgesehen, in der die Nummerierung der jeweiligen Rolle sowie der Titel geschrieben ist. Auf der Innenseite fangen alle Rollen mit einer szenischen Darstellung von Buddhas Predigt vor seinen Schülern und Laienanhängern an. Eingebettet wird diese Szene in eine stilisierte, nicht näher identifizierbare Landschaft. Danach folgen die einzelnen Kapitel, die jeweils mit einem Titel voneinander getrennt sind. Mehrere Rollen sind jeweils in einem Schwarzlackkästchen untergebracht, das auf der Innenseite auf Rotlackgrund mystische Bannsilben im sogenannten Siddham-Alphabet trägt. Sechs solcher Kästchen, von Brokathüllen umgeben, füllen den großen, in der Negoro-Technik lackierten Aufbewahrungskasten. Der Kastendeckel ist mit einer chinesischen Gedichtaufschrift versehen. In einer illustrierten Chronik der Provinz Settsu aus dem Jahre 1797 wurde der Berliner Satz, der sich damals im Besitz des Jingu-Tempels in Sumiyoshi, Ôsaka, befand, erwähnt. Gemäß Akisato Ritô, dem Verfasser der Chronik, stammen Schrift und Bild von der Hand der Kaiserin Kômyô (701-760). Die technische Ausführung der Malerei deutet jedoch auf eine Arbeit des 12. Jahrhunderts hin.

Letzte Aktualisierung: 30.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Museum für Asiatische Kunst

Weitere Objekte aus den Sammlungen

Porträt von Munakata Shikō

Porträt von Munakata Shikō

Sekino Jun'ichirô gehört - ebenso wie der dargestellte Holzschnittmeister Munakata Shikô - zu den bekanntesten "Sôsaku hanga"-Künstlern, die mit Beginn des 20. Jahrhunderts den Holzdruck als künstlerisches Medium entdeckten, in Unabhängigkeit von kommerziellen Vorgaben durch Verlage. Obgleich zahlreiche Künstler der "Kreativen Druck-Gesellschaft" in westlichen Malereitechniken ausgebildet waren, gab ihnen das traditionell vertrautere Gebiet des Holzdrucks die gesuchten Möglichkeiten, ihren künstlerischen Willen authentisch umzusetzen. Das Berliner Porträt von Munakata Shikô (1903-1975) ist eine meisterliche Charakterisierung der von tiefem buddhistischen Glauben geprägten Persönlichkeit des 11 Jahre älteren Jugendfreundes und zugleich eine feinfühlige Hommage an dessen künstlerisches Werk. Wie ein Berg ragt der in einen Yukata gekleidete Oberkörper Munakatas in die Bildfläche hinein. Der ins rechte Halbprofil gewendete Kopf bildet die kompositorische Mitte. Im oberen Bildteil erscheint beinahe spiegelsymmetrisch eine Mandorla, in der zwei buddhistische Figuren, den Druckstock fast sprengend, erkennbar werden. Flammenschraffuren füllen den Bildraum zu beiden Seiten des Dargestellten. Äußerst geschickt baut Sekino eine tonale Abstufung auf. Körper und Gesichtszüge werden von kräftigen Umrißlinien und Schattierungen geprägt. Die dicken Brillengläser, tiefen Gesichtsfalten und das wirre Haar des Altmeisters stehen mit ihrer radikal realistischen Wirkung in starkem stilistischem Kontrast zur Bildsprache des Hintergrunds, die aus der Volkskunst (mingei) schöpft. Sekino zitiert hier inhaltlich und formal eines der frühen Hauptwerke von Munakata Shikô. Aus der Serie "Die Zehn Großen Schüler des Buddha" von 1939 sind Ubari, der die buddhistischen Klosterregeln kompilierte, und Furuna, der zum Hauptprediger von Buddhas Lehre wurde, zu erkennen. In Sekinos Porträt werden sie zu spirituellen Erscheinungen der einem Buddhawesen gleichenden einzigartigen Künstlerpersönlichkeit Munakatas. Indem Sekino seine Darstellung des bewunderten Lehrer-Freundes formal einem traditionellen Priesterporträt angleicht, betont er die geistige Kraft von Munakata und seine Vorbildrolle für die Sôsaku hanga-Bewegung. Möglicherweise spielt er hier auch auf den buddhistischen Ehrentitel "Auge des Gesetzes" (hôgen) an, der Munakata im Januar 1962 verliehen wurde. Sekino schuf bereits vor und während des Krieges hervorragende Zeichnungen und Holzschnitt-Porträts von Kabuki-Schauspielern und von Bunraku-Puppen, die er bei Vorführungen in der Iwasaki-Farbrik in Tôkyô zu sehen bekam. Berühmt sind auch seine Porträts von Künstlerkollegen wie Onchi Koshirô (1891-1955). Zum Drucken benutzte er überwiegend Katsura-Holz sowie handgeschöpftes Papier (torinoko), wie viele Künstler der Sôsaku hanga-Bewegung. Seine späteren Landschaften wie die 1959 begonnene und 1974 beendete Serie der "53 Stationen der Tôkaidô" zeichnen sich durch eine ruhige und poetische Bildsprache in Verbindung mit brillanter Technik aus. Typisch für Sekino ist auch die meisterhafte Einbeziehung der natürlichen Maserung des Holzes in die Komposition.

Bodhisattva Ksitigarbha (Jizō Bosatsu)

Bodhisattva Ksitigarbha (Jizō Bosatsu)

Das rechte Bein untergeschlagen und das linke locker auf einen Lotossockel stützend, sitzt der in jugendlicher Mönchsgestalt auftretende Jizō Bosatsu in lässiger Halblotossitzhaltung und erhabener Frontalansicht auf einem Lotosthron mit doppelt gestuftem Sockel. Die Attribute, das Mönchsgewand, das wunschgewährende Juwel und der für Wandermönche typische Rasselstab, weisen auf die jüngere Ikonographie des Jizō Bosatsu hin, die seit Beginn der Kamakura-Zeit (1185–1333) in Japan beliebt war. Mit dem Aufkommen des Buddhismus des Reinen Landes in Japan im 12. Jahrhundert stieg auch die Popularität des Jizō Bosatsu als eine der wichtigsten buddhistischen Gottheiten. Er galt als der einzige Bosatsu, der nach dem Eingang des historischen Shaka Butsu ins Nirvana und bis zur Erscheinung des zukünftigen Miroku Butsu in der physischen Welt geblieben ist, um den Seelen bei ihrem Durchgang der sechs Existenebenen als Helfer beizustehen. Besonders im japanischen Volksglauben genießt Jizō Bosatsu bis heute große Beliebtheit als Schutzgottheit der KInder, der Schwachen und Hilflosen sowie der Reisenden. Der Blütendekor des doppelgestuften Sockels sowie die Behandlung der Gewandmuster mit feiner Goldmalerei auf grünem und rotem Pigmentgrund haben ihre Vorbilder in der chinesischen Song-zeitlichen buddhistischen Malerei. Der subtile Gesichtsausdruck und die delikate Malerei mit Goldfabe sind charakteristisch für die sakrale Bildkunst der späten Kamakura-Zeit. [SM8HF]

Niedriger Tisch (oder Fußbank)

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Der niedrige Tisch mit floralem Dekor zählt zu den Meisterwerken chinesischer Schnitzlackarbeiten der frühen Ming-Zeit und stammt ohne Zweifel aus den kaiserlichen Werkstätten, wie zwei eng verwandte Stücke in der Sammlung des Pekinger Palastmuseums bezeugen. An der Wende zur Ming-Dynastie waren die beiden für ihre roten Schnitzlacke berühmtesten Lackmeister tätig, Zhang Cheng und Yang Mao. Sie legten die Grundlagen für eine grandiose Blüte dieser Kunst, die in der Ära Yongle (1403–1424) und Xuande (1426–1435) ihren Höhepunkt erreichte. Die Schnitzlackarbeit dieses niedrigen Tisches besticht durch den weich modellierten Schnitt der dicken Lackschicht und die kompositorische Eleganz des Dekors. Die Oberseite zeigt halb oder vollständig geöffnete Päonienblüten und Knospen unterschiedlicher Größe. Die Beine und Querverstrebungen sind außer mit Päonien auch mit Pflaumenblüten, Lotos und Chrysanthemen geschmückt. Fritz Löw-Beer (1906–1976), aus dessen Sammlung das Werk stammt, begann bereits in den 1920er Jahren, chinesische Lackarbeiten zu sammeln und konnte im Verlauf weniger Jahre eine umfangreiche Sammlung aufbauen. Er konnte sie nach einer Ausstellung in Amsterdam im Jahre 1938 bei seiner Emigration nach den Vereinigten Staaten mitführen und so in Sicherheit bringen. Während und nach dem Kriege vermehrte und verbesserte Löw-Beer die Sammlung. Der Großteil der Sammlung befindet sich heute im Stuttgarter Linden-Museum, das diese Bestände (186 Lackarbeiten) 1978 erwarb. Einzelne bedeutende Lackkunstwerke gingen zuvor bereits an das Museum of Fine Arts in Boston, das Victoria and Albert Museum und das British Museum in London. Im Jahr 1972 gelang der Erwerb des berühmten kaiserlichen Thronensembles und 1978 aus dem Nachlass der Erwerb des niedrigen Tisches für die Berliner Sammlung.