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La comédie de la mort

Ident. Nr.: SSG 73

ObjID: obj:1065601

n/a

Details (expert)

Creator/Entity
Paul Éluard (1895 - 1952),
Künstler*in
Date(s)
um 1935
Additional titles
Collection title: La comédie de la mort
Die Komödie des Todes
Translation: The Comedy of Death
Geographical references
Dimensions
Höhe x Breite: 30,2 x 26,5 cm
Acquisition
2004 Dauerleihgabe der Stiftung Sammlung Dieter Scharf zur Erinnerung an Otto Gerstenberg

Object Description

Der in einem Pariser Vorort geborene Dichter Paul Éluard schloss sich 1919 den Künstlern des französischen Surrealismus um André Breton an. Im gleichen Jahr nahm er auch seine Mitarbeit an der Zeitschrift „Littérature“ auf. Mehr als 70 seiner Gedichte wurden zu seinen Lebzeiten veröffentlicht, das wohl nur wenige Blätter umfassende grafische Werk ist indes weitgehend unbekannt geblieben. Dennoch waren Bilder für Éluard sowohl sprachlich als auch zeichnerisch ein wichtiges Element zur Visualisierung seiner Themen. Der Dichter arbeitete über längere Zeit mit Max Ernst zusammen und gab mit diesem gemeinsam 1921 und 1924 zwei illustrierte Gedichtbände heraus. Liebe und besonders der Tod bilden die Hauptmotive seiner Lyrik, so auch in „Le cinquième poème visible“ : „[…] Je vis dans la misère et la tristesse et je résiste / Je vis malgré la mort. […] (Ich lebe in Elend und Kummer und ich halte es aus / Ich lebe trotz des Todes.)“ Auch stellt Éluard sich selbst oft in den Mittelpunkt seiner Schilderungen und beschäftigt sich in zahlreichen Gedichten wie auch in der Collage „La comédie de la mort“ vielleicht mit der schmerzhaften Trennung von seiner Frau Gala, die ihn verließ, um Salvador Dalí zu heiraten. Als Anregung für die Darstellung von „La comédie de la mort“ kann ihm aber auch der gleichnamige Gedichtband des Schriftstellers Théophile Gautier aus dem Jahre 1838 gedient haben. Darin treten in einer Reihe schauerlicher Visionen Raffael, Faust, Don Juan und Napoleon nacheinander auf und werden über die Rätsel des Lebens und des Todes befragt. | Melanie Wilken

Last updated: 28.08.2026

Contact

Institution:

Sammlung Scharf-Gerstenberg

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Ohne Titel

Ohne Titel

Seit 1925 wurden Picassos Werke regelmäßig in Zeitschriften der Surrealisten veröffentlicht und mehrmals war er an ihren Ausstellungen beteiligt. Mitglied der Vereinigung war er jedoch nie, mit ihrem Programm konnte sich der Einzelgänger nicht identifizieren, wohl aber ließ er sich von ihnen inspirieren. Besonders Ende der 1920er und zu Beginn der 1930er Jahre offenbarte sich Picassos Nähe zu den Surrealisten, er bediente sich ihrer künstlerischen Methoden: Metamorphose und Kombinatorik. Durch eine Loggienarchitektur mit zwei Bogenöffnungen fällt der Blick auf das offene Meer. Dazwischen erscheint auf einem Wandpfeiler der Kopf von Marie-Thérèse Walter, Picassos damaliger Lebensgefährtin, das Zitat einer zwei Jahre zuvor entstandenen Skulptur. In der linken Öffnung steht auf einem niedrigen Podest eine kannelierte, von einem Schleier umwehte Säule, auf deren Kapitellplatte eine Schale mit Früchten ruht. Eine surreale Konstruktion in der rechten Öffnung erinnert an eine Figur, eine Scheibe stellt den Rumpf, eine Stange den Hals dar, eine abgerundete Dreiecks- oder Herzform den Kopf, lange Haare umwehen ihn und die Spiralen könnten weinende Augen symbolisieren. Eine am selben Tag entstandene aquarellierte Zeichnung, in der die Fruchtschale durch Voluten ersetzt ist, die an einen Frauenkopf erinnern, erhärtet die Vermutung, dass Picasso zwei gegensätzliche weibliche Gestalten versinnbildlichen wollte, nämlich seine zart und weiblich anmutende Geliebte Marie-Thérèse Walter und seine Ehefrau Olga Khokhlova, von der er sich erst 1935 endgültig trennte. | Silke Krohn

Caféhaus 2

Caféhaus 2

In tumultartiger Gleichzeitigkeit unterschiedlicher, miteinander verzahnter Motive zeigt George Grosz in seiner Zeichnung Versatzstücke großstädtischen Lebens mit strichmännchenhaft dargestellten Männern, nackten Frauenleibern und Tieren, die sich um die Caféhausszene mit einem dumpf an einem Tisch brütenden Herrn ranken. Die Grenzen zwischen innen und außen sind aufgehoben, die Gestalten aus dem Interieur mit dem Straßenraum, der als Gebäudewirrwarr die Szenerie bogenartig umfasst, verzahnt. Ein verdichtetes Liniennetz aus unterbrochenen und verwinkelten Strichen mit Zacken und Kanten überschneidet und durchkreuzt die Figuren, deren Anordnung nicht mehr einem logischen Raumkonzept folgt. In dieser futuristisch anmutenden, schwankenden Verschachtelung spiegelt sich Ludwig Meidners 1914 in seiner „Anleitung zum Malen von Großstadtbildern“ formulierte Forderung nach der geraden Linie als dem einzig adäquaten Stilmittel des Großstädtischen wider: „Sind nicht unsere Großstadtlandschaften alle Schlachten von Mathematik! Was für Dreiecke, Vierecke, Vielecke und Kreise stürmen auf den Straßen auf uns ein. Lineale sausen nach allen Seiten. Viel Spitzes sticht uns. Selbst die herumtrabenden Menschen und Viecher scheinen geometrische Konstruktionen zu sein.“ Mit den Mitteln dieser facettierten Zersplitterung stellt Grosz das Nachkriegsberlin als ausgelaugte, an der Kapitulation zerbrochene und von sozialen Unruhen aufgerüttelte Stadt dar. In seinem „Caféhaus“ zeigt er eine wahnwitzig wirkende Gesellschaft, um auf den Irrsinn der Zeit aufmerksam zu machen. Aus dem Kriegsdienst bei der Infanterie heimgekehrt, trat er in die Kommunistische Partei ein, stellte seine Kunst in den Dienst des Proletariats und nutzte seine Zeichnungen und Karikaturen als politische Waffe. | Hanna Strzoda

Untergang

Untergang

An einem verlassenen Ort findet ein bestürzendes Geschehen statt: Erbarmungslos blickt eine vornehm gekleidete junge Frau auf das Untergehen eines Menschen im Wasser. Mit triumphierendem Hohn und fahler Erhabenheit ist ihr Blick auf das letzte Aufbegehren des Versinkenden geheftet. Ihre Hände bleiben in verführerischer Noblesse tatenlos. Durch nichts wird unser Selbstverständnis empfindlicher verletzt als durch ein solch spöttisches Betrachten einer menschlichen Katastrophe. Hier scheint wölfischer Egoismus am Werk zu sein, ein sich von drückender Schuld befreit wissendes Selbstverständnis, das bereit ist Menschenleben zu opfern. Die moralische Verpflichtung, Leben zu retten, und das christliche Gebot der Nächstenliebe werden mit sadistischem Raffinement untergraben. Mit grenzenloser Macht entscheidet die feine Dame über Leben und Tod. Aufschluss über diesen Blick in die ‘Dunkelkammer’ Kubins bietet sein 1909 im Verlag G. Müller veröffentlichter Roman „Die andere Seite“. Es ist die Romangestalt der Melitta Lampenbogen, die in der Federzeichnung vorweggenommen zu sein scheint. Nicht nur ihr Erscheinungsbild gleicht der Beschreibung der Melitta, auch in ihrer Sinnbildhaftigkeit entsprechen die beiden Frauengestalten einander. Melitta wird als eine Frau beschrieben, die „unersättlich in ihren Gelüsten“ ist und „Schande nicht fürchtet“. Sie verkörpert „ein lebensfeindliches Prinzip […]. Sie will vernichtet werden und vernichten, sie schadet und zerstört.“ Beide Frauenfiguren sind Repräsentantinnen einer Femme fatale, die unheilbringend und schicksalhaft mittels ihrer Verführungsmacht Männer zugrunde richtet. Die Frau wird hier zur Personifikation einer abgründigen Widersacherin des Lebens an sich. | Luisa Fink

Ohne Titel

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In einer Ruinenlandschaft, die sich aus Versatzstücken von Torbögen und abgebrochenen Mauern bildet, bewegt sich eine Gruppe von Figuren, die sich in unterschiedlichen Zuständen der Skelettierung befinden. Rechts im Vordergrund eine fragmentarische Figur, deren Inneres komplett nach außen gestülpt ist, der Brustkorb weit geöffnet, der Kopf durch den Beckenknochen ersetzt. Links daneben eine kopflose Frau, die bis zur Hüfte aufwärts ebenfalls ihr Skelett freigibt, nur die üppige Brust zeugt noch von einem Rest Leben. Zwischen beiden Figuren steht eine mädchenhafte Gestalt, an den Armen fragmentiert, dahinter lehnt eine andere weibliche Figur kokett am Torbogen. Das Motiv ist eine Reminiszenz an das besonders in der deutschen Renaissance beliebte Thema „Die drei Lebensalter und der Tod“, eine allegorische Darstellung der Vergänglichkeit des Lebens. Auch verarbeitete Bellmer hier die Motive „Wurmstich“ und „Plissee“, mit denen er den brutal-schmerzlichen Angriff auf die Materie zu visualisieren vermochte: „Und beachten Sie, daß sich die Struktur ohne jede Spur von Zusammenhangslosigkeit sichtlich und bis zum völligen Gegenteil ihrer ursprünglichen Beschaffenheit ändert und sich in unmerklichen Übergängen wandelt. In ihrer letzten Verwandlung machen sich das Wurmstichige und sein Feind, das Plissee, die Rückenmitte zwischen den Schultern streitig […]. Der Vertikalschnitt des Ganzen, von außen nach innen betrachtet, zeigt eine ähnliche, aber klarere Abfolge von Knochen- und Zahnformationen, den Verlauf der Gehirnwindungen […].“ Das Blatt gehört in eine Werkgruppe, an der Bellmer von 1960 bis 1963 arbeitete. In diesem Spätwerk demonstrierte er die Kongruenz der Körperöffnungen Auge, Ohr, Mund mit Vagina und Anus, indem er Schenkel mit Busen und Beinfragmente mit Penissen kombinierte. Auf diese Weise findet der Angriff auf Tabus wie die von Sigmund Freud als verdrängt erkannten sexuellen Wünsche einen unverblümten Ausdruck. | Melanie Franke/Nadine Ott

Hommage à Antonin Artaud

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Zwischen mehreren geöffneten Fensterläden tänzelt eine Gestalt aus Armen und Händen, die an den Enden der Figur verspielt ineinandergreifen. Mindestens in dreifacher Vervielfältigung überschneiden und durchdringen sich die Extremitäten. Die einzeln fixierten Bewegungsabläufe der Armpaare umspielen sich gestisch scheinbar selbst. Die Figur findet ihre Position zwischen Innen- und Außenraum; Inneres (Skelett) und Äußeres werden zugleich sichtbar gemacht. Das Organisch-Tänzelnde des Körpers steht insgesamt im starken Kontrast zu den geometrischen Formen, welche sich im Schachbrettmuster der Wände, vor allem aber in den leeren Fensterrahmen finden. Auch das Selbstumgreifen der Hände wird im linken Fensterrahmen in der Form einer Escher’schen „Unmöglichen Figur“, eines figürlichen Paradoxes, das virtuell, jedoch nicht in der Wirklichkeit existieren kann, wieder aufgegriffen. Bellmer widmete das Blatt Antonin Artaud, dem französischen Schauspieler und Künstler, der zeitweise Mitglied der Surrealisten war. Für Artaud sollte eine Aufführung keine Mimesis, also Nachahmung der Wirklichkeit, sein, sondern eine Wirklichkeit für sich. Das Theater ist demzufolge kein Double der Realität, sondern die Realität selbst, die für Artaud immer grausam war. Insbesondere Artauds Auffassung des Körpers dürfte Bellmer fasziniert haben. In seinem „Theater der Grausamkeit“ beschäftigte sich Artaud besonders mit der Zeichenhaftigkeit des Körpers. Die Eigenmächtigkeit von Zeichen wie die einer bestimmten Gestik oder Mimik, eines Kostüms oder nur des Auftretens eines Körpers an sich war für seine Theatertheorie wichtig. Aggressionen und Wünsche sollten durch solche körperlichen Zeichen dargestellt werden, sodass der entstellte und deformierte Körper in seiner Theorie zu den zentralen Aspekten zählt. Artaud wollte den Körper – und insbesondere in diesem Punkt trifft er mit Bellmers Auffassung zusammen – nicht mehr dem Text und der Realität unterordnen, sondern ihn selbst zum Ausdrucksmittel steigern, teilweise bis ins Anarchisch-Unlogische. | Melanie Franke/Nadine Ott

L'acrobate sur une balle

L'acrobate sur une balle

„Während des nahezu halben Jahrhunderts, das ich Bildhauer bin“, schrieb Lipchitz 1957, „fällt mir auf, dass ich nach Perioden intensiver und bewusster Arbeit einen starken Drang zu einer Art freier lyrischer Expansion fühle, der sich nicht aufhalten lässt. So entstanden meine Transparenzplastiken von 1925 nach einer langen Periode harten Ringens um eine neue Sprache; und so entstanden 1942 in diesem Land [den USA] meine neuen Transparenzplastiken nach den anspannenden Kriegsjahren und meiner Flucht aus Paris.“ Es ist sehr gut nachvollziehbar, weshalb Lipchitz Arbeiten wie den „Akrobaten auf einem Ball“ als Transparenzplastik bezeichnet, begegnen wir hier doch einer vollständigen Durchdringung von Raum und fester Materie. Lediglich aus wenigen plastischen Bändern unterschiedlicher Breite geformt, lässt der Bildhauer, der noch kurze Zeit zuvor mit sehr massiven Volumina gearbeitet hat, ein organisches Geflecht schwingender Formen entstehen, das den Raum völlig in sich aufnimmt. Gleichzeitig wirken die fast skripturalen, umrissartigen Lineaturen wie ein arabeskes Ornament, das einzelne Raumzonen aus der unsichtbaren Materie herausschneidet und damit mehr oder weniger deutbare Formzeichen bildet, aus denen sich so etwas wie eine tänzerisch bewegte Figuration ablesen lässt. Das Gewirr fließender Streifen beschäftigt unablässig den Blick des Betrachters, der zwischen dem Erfassen einer möglichen Bedeutung und dem Aufnehmen freier Impulse hin- und herpendelt. Der Bildhauer gestaltete hier einerseits Analogien eines unsteten Wachstums, andererseits bleiben selbst in dieser lebendig-wuchernden Verschlingung Bezüge zu objekthaft verdrahteten Formgebilden enthalten. In einer solchen, tatsächlich ‘lyrischen’ Arbeit finden sich nicht nur Anklänge an surrealistische Verfremdungen, sondern Lipchitz nahm damit auch die fast vollständige Entmaterialisierung der wenig später entstehenden Drahtplastiken eines Alexander Calder vorweg. | Fritz Jacobi

Krähen über den Häusern - nach Méryon

Krähen über den Häusern - nach Méryon

In den 1960er Jahren begann Janssen sich als ein stilistisch und thematisch ausgesprochen exaltierter Zeichner einen Namen zu machen. In seinem reichen künstlerischen Schaffen setzte sich Janssen vornehmlich mit der eigenen Physiognomie, aber auch allgemein mit dem menschlichen Körper sowie der Landschaftsdarstellung und dem Stillleben auseinander. In den 1970er Jahren schuf Janssen vorwiegend im Medium der Radierung subjektive ‘Kopien’ nach grafischen Meisterwerken von Botticelli, Grünewald, Füssli, Rembrandt, Goya oder auch Redon, Klinger und Hokusai. Ähnlich wie André Thomkins nutzte er die Vorlagen als „Krücken“ (Janssen). Diese ermöglichten es ihm, sich in einen vorgegebenen zeichnerischen Stil zu vertiefen und ihn für die eigene, so erfindungsreiche Bildsprache fruchtbar zu machen. In ihrem fantastischen und zugleich unheimlichen Klang musste für Horst Janssen die Vorlage zu „Krähen über den Häusern“ äußerst faszinierend sein: Es handelt sich um die 1853 entstandene Radierung „Le stryge“ (Der Vampir) von Charles Méryon (SSG 185). Janssen bezieht sich vermutlich auf den ersten Zustand der berühmten Radierung Méryons. Auf diesem ist die im 19. Jahrhundert unter Eugène Viollet-le-Duc geschaffene dämonische Skulptur des „Stryge“, befindlich an der Balustrade des Nordturms von Nôtre-Dame, noch nicht ausgeführt. Auch der die Häuser überragende Turm der Kirche St. Jacques ist im Druck nur als weiße Leerstelle vorhanden. Für Janssen wie für Méryon bildet das ausschnitthaft erfasste architektonische Setting die Bühne für mehrere große schwarze Vögel. Mit ihren langen und spitz auslaufenden Flügeln, die eher an Fledermäuse denken lassen, dominieren die Krähen, in düsterem Schwarz angelegt, die Zeichnung, die über einer Collage unterschiedlicher Papiere entwickelt wurde. Dem Werk selbst eignet, bedingt durch die unregelmäßigen Ränder, der Charakter eines Fragments. Man gewinnt den Eindruck, als stamme die Zeichnung aus einer anderen Zeit. Diese vom Künstler fingierte ‘Patina’ steigert das Unheimliche und Düstere der Darstellung. | Andreas Schalhorn