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Ostensorium mit Reliquie des hl. Blasius aus dem Welfenschatz

Ident. Nr.: W 44

ObjID: obj:1839332

Details (expert)

Date(s)
3. Viertel 14. Jahrhundert
Dimensions
Höhe x Breite x Tiefe: 31,3 x 14,2 x 14 cm

Object Description

Wohl im dritten Viertel des 14. Jahrhunderts entstand das Ostensorium mit einer Reliquie des hl. Blasius. Es gehört zur Gruppe der turmförmigen Ostensorien, die es in einfachster Form repräsentiert; alle Grundelemente dieses Typus sind darin bereits voll ausgebildet. In seinen schlanken, ausgewogenen Proportionen darf es sicher als eines der schönsten Beispiele dieser Form des Reliquiars bezeichnet werden. Seine Bekrönung ist abgebrochen [...]. Der sternförmige Fuß und der kapellenartig gebildete Sockel des Ständers weisen auf Verbindungen zu rheinischen Goldschmiedearbeiten hin. Die sechs Rautenknöpfe des durchbrochenen Nodus zeigen, wie häufig an dieser Stelle, eine Inschrift, hier in blauem Schmelzwerk den Namen des Evangelisten LVCAS und eine Rosette.
Möglicherweise war das Ostensoprium ursprünglich für eine Lukas-Reliquie angefertigt und erst später für die Blasius-Reliquie verwendet worden. Sie ist in einer vergoldeten Silberkapsel mit der gravierten und niellierten, griechischen Inschrift "ΛΙΨΑΝΟΝ ΤΟΥ ΑΓΙΟΥ ΙΕΡΟΜΑΡΤΥΡΟ ΒΛΑCΙΟΥ" (Reliquie des hochheiligen Märtyrers Blasius) gefaßt und im Reliquienbehälter aufgehängt. Auf diese Reliquie bezieht sich der schmale Pergamentstreifen, auf dem nur die Worte "de osse S. Blasii" lesbar sind, während die Aufschrift des breiteren Streifens "pollex de s. marco" als mißverstandene Wiedergabe der griechischen Inschrift der Reliquienkapsel gedeutet wird.
Dietrich Kötzsche

Last updated: 30.07.2026

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Institution:

Kunstgewerbemuseum

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Drehleierspieler

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Stehende männliche Figur auf einer Plinthe mit abgeschrägten Ecken. Der bärtige Mann trägt einen Hut, einen blauen Umhang, einen grauen Wams, dunkelrote Kniebundhosen und Schnallenschuhe. Er spielt eine Drehleier, die er mit dem linken, leicht angewinkelten Bein stützt. // Der Künstler, Georges Pull, war Naturforscher und Keramiker. Er war fasziniert von den Arbeiten des französischen Keramikers Bernard Palissy (1510-1589/90), dessen Werke sich im 19. Jahrhundert großer Beliebtheit erfreuten und auch gefälscht wurden. Pull hingegen hat die Werke Palissys nachempfunden und technisch noch übertroffen, er hat sie nicht einfach kopiert und hatte auch keine fälscherischen Absichten. Er signierte seine Keramiken mit dem Stempel "PULL", was auch bei dem Drehleierspieler der Fall ist. Die Figur ist eine vergrößerte Kopie der Statuette "joueur de vielle", die im 19. Jahrhundert als Arbeit von Palissy galt und von der sich mehrere Ausformungen im Pariser Louvre befinden. Heute gilt die Statuette als anonyme Arbeit des frühen 17. Jahrhunderts aus der Region um Fontainebleau, Paris, Avon, siehe https://collections.louvre.fr/en/ark:/53355/cl010114355Barbara Mundt schreibt in ihrem 1973 erschienenen Katalog des Berliner Kunstgewerbemuseums zum Historismus: "Pulls erklärtes Leitbild war das keramische Werk Palissys, wobei sein Interesse sich auf die Farbglasuren konzentrierte. Intensive Studien in den Sammlungen des Louvre gingen Hand in Hand mit wissenschaftlichen Experimenten. Es gelang Pull schließlich, dünnere, höher brennbare und damit härtere sowie glanzvollere Glasuren mit einer größeren Zahl von Farben hervorzubringen als sein großes Vorbild." (zu Kat. Nr. 199).ClKa