Logo

Anthropomorpher Sarg der Hat (Deckel)

Ident. Nr.: ÄM 8501/01

ObjID: obj:1898751

Details (expert)

Creator/Entity
Émile Brugsch (24.2.1842 - 14.1.1930)
Date(s)
Historische Datierung: Ptolemäerzeit
Geographical references
Dimensions
Höhe x Breite x Tiefe: 177 x 55 x 45 cm

Object Description

Die Ruinen der Tempel des am östlichen Nilfufer Oberägyptens liegenden Achmim galten noch im Mittelalter bei den arabischen Schriftstellern als Weltwunder. Heute sind diese Bauwerke nahezu komplett verschwunden. Dank den ausgedehnten Nekropolen in Achmim sind uns dennoch viele kostbare Funde erhalten geblieben, so z. B. der mumienförmige Sarg der Hat.
Der Herstellungsort spiegelt sich gleich in zwei gestalterischen Elementen wieder. Die ausladende Gestalt des Sarges und der voluminöse Halskragen, der sich fast über den halben Deckel erstreckt, sind typisch für die achmimischen Särge. Doch nicht nur der Halskragen wurde sehr detailliert ausgearbeitet, auch den anderen Darstellungen wurde viel Raum gegeben: Den Scheitel schmückt auf rotbraunem Untergrund eine geflügelte, grünhäutige Nephthys, die in jeder Hand eine Maat-Feder hält. Die untere Hälfte des Sargdeckels zieren außerdem die vier Horussöhne in Schreinen, gefolgt von den knienden Göttinnen Nephthys und Isis mit ihren jeweiligen Hieroglyphen auf dem Kopf. Den Abschluss bilden im Fußbereich zwei auf Scheintüren liegende Schakale – die Tiergestalt des Anubis, dem altägyptischen Gott der Totenriten. Die Schakale tragen jeweils eine Geißel – eine zentrale Insignie des Königtums, mit deren Klappergeräuschen, aber auch böse Geister ferngehalten werden sollten.
Bei den Inschriften beschränkte man sich dagegen auf ein Minimum. Unter dem üppigen Halskragen bildet ein vierzeiliges, gelbgrundiges Inschriftenband mit genealogischen Angaben und einigen Opferformeln den einzigen Text des Sargdeckels. Die neuen Einflüsse, die die ptolemäische Zeit mit sich brachte, werden nicht nur durch die individuelleren Gesichtszüge des mumienförmigen Sarges, sondern auch anhand von Textpassagen deutlich. Entsprechend der Theologie dieser Epoche konnte eine Frau in ihrer jenseitigen Existenz zwei Seinsformen haben. So wird die Tote hier zum einen als „Osiris Hat“ und zum anderen als „Hathor Hat“ bezeichnet. Sinnbildlich für alles Leben, alle Dauer und alles Wohlbefinden schmücken außerdem magische Ornamente den Sockel des Sargdeckels. Die Mumie der Hat fand 1884 in diesem Holzsarg allein ihren Weg nach Berlin. Ob einst noch weitere Särge zur Grabausstattung gehörten, ist unklar."
(Olivia Kühne)

Last updated: 30.07.2026

Contact

Institution:

Ägyptisches Museum und Papyrussammlung

Additional items from the collections

Büste der Göttin Isis auf rundem Sockel

Büste der Göttin Isis auf rundem Sockel

Auf einem runden, nach oben verjüngten Sockel liegt eine Kugel, auf der die Büste der Göttin Isis in ihrer hellenistischen Ikonographie steht. Sie ist in einem attischen Chiton und darüber einer Knotenpalla gekleidet, wobei die Palla nach oben gezogen wurde, um den Kopf zu bedecken. Auf dem Kopf trägt Isis über der Palla einen Kopfschmuck, der aus Kuhhörnern, zwei Getreideähren, zwei Straußenfedern und einem Granatapfel besteht. Die Augen wurden mit kleinen Goldplatten aufgelegt. Zwei Vertiefungen auf den Goldplatten fungieren als die Pupillen der Göttin.Um die ägyptischen Gottheiten besser in der hellenistischen Weltanschauung integrieren zu können, fand bereits vor der Eroberung Alexanders des Großen die Angleichung ägyptischer Gottheiten mit den hellenistischen statt. So wurde Isis zum Beispiel häufig mit Demeter, Io oder Aphrodite gleichgesetzt. Die vielfachen Bedeutungen und Eigenschaften der ägyptischen Isis machte sie jedoch zu einer allumfassenden Göttin, die mit allen Göttinnen identisch war. Als Pendant zu dem neu kreierten ägyptisch-hellenistischen All- und Dynastiegott Serapis bekam Isis ebenfalls eine hellenistische Darstellungsform. Die vielfältigen Kronenvarianten und Attribute der Isis, analog zu den zahlreichen Verbindungsmöglichkeiten mit anderen Göttinnen, dienen dabei als Modifikations- und Verstärkungselemente sowie der Einbindung in kultische und mythische Zusammenhänge.So kennzeichnen die Kuhhörner der Berliner Isis-Büste, die zusammen mit den hohen Straußenfedern die Verbindung mit der ägyptischen Göttin Hathor verdeutlichen, genauso wie zur hellenistischen Io. Die Ähren und der Granatapfel stehen zudem für den Zusammenhang der Isis mit Demeter und Kore-Persephone. In dieser Gestalt der Isis tritt der Natur- und Fruchtbarkeitsaspekt deutlich in den Vordergrund.Des Weiteren wies der Bereich Palästina schon in pharaonischer Zeit enge Kontakte mit Ägypten auf. Hinzu kommt, dass sich die Isis-Kulte in der griechisch-römischen Zeit weit über die Grenzen Ägyptens hinaus über den gesamten Mittelmeerraum verbreiteten. Daher ist es nicht verwunderlich, im Land Israel solch eine Isis-Büste finden zu können.(I. Liao)