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Memento Mori

Ident. Nr.: 8554

ObjID: obj:862672

Details (expert)

Involved
Chicart Bailly (1490 - 1533)
Dating
Datierung: um 1520
Abweichende Datierung: um 1520
Datierung engl.: ca. 1520
Geographical references
Material / Technique
Elfenbein
Dimensions
Höhe x Breite x Tiefe: 28 x 9,1 x 7,9 cm
Gewicht: 890 g

Object Description

Bei dieser Skulptur aus Elfenbein steht auf der einen Seite eine junge Frau, nackt bis auf ein Paar Schuhe und eine Haube samt Kopftuch, dessen Ende sie vor ihrem Bauch hält. Die Blume in ihrer linken Hand stammt wohl aus dem umzäunten Garten, der auf dem aufwendigen Sockel dargestellt ist. Dreht man die Gruppe um 180 Grad, entdeckt man den Tod als ein Skelett, auf dem Würmer und anderes Ungeziefer wimmeln. Der Tod nimmt eine identische Pose ein wie die Frau; schaut man eine der Figuren frontal an, erscheint es, als würden die zwei dasselbe Gewand teilen.
Die Gruppe ist ein raffiniertes Beispiel eines Memento Mori (Gedenke, zu sterben), eine Darstellung der Unausweichlichkeit des Todes und Mahnung zugleich, sein Leben sinnvoll und sündenfrei zu gestalten. Offensichtlich tut die dargestellte junge Frau dies nicht: Mit dem rechten Mittelfinger weist sie auf ihre Scham. Direkt unter ihr steht auf dem Sockel ein Narr in einem Kapuzengewand, der mit offenem Mund zu ihr emporschaut; sein linker Fuß ruht auf dem Flechtwerk, und er hält einen Stab, an dem ursprünglich eine Marotte (Puppe) befestigt war. In der spätmittelalterlichen Gesellschaft ist der Narr ein Spaßmacher und zugleich der Tor, der fern von Gott lebt. Unter dem Tod ist ein junger Edelmann zu sehen; er zieht sein Schwert aus der Scheide, als würde er versuchen, sich zu verteidigen, und blickt hoch zum Skelett. Der Größenunterschied macht offensichtlich, dass trotz seiner Tugenden auch er dem Tod nicht entkommen kann. Im Garten befinden sich ebenfalls vier weitere Kreaturen: Der angekettete Affe ist ein Symbol der Triebe; er hat gerade einen Apfel aus einem Korb genommen und beißt hinein, ein Hinweis auf den Sündenfall. Ein gleichfalls negativ belastetes Wesen ist der Teufel, rechts von dem Edelmann. Demgegenüber sind der Hund und der Löwe Symbole von Tugenden beziehungsweise von Treue und von Mut.
Das Luxusobjekt wurde im frühen 16. Jahrhundert in Paris geschaffen. Der Künstler wurde in der neuesten Forschung als Chicart Bailly (tätig von etwa 1490 bis 1533) identifiziert. Der Erstbesitzer gehörte vermutlich den oberen Klassen an und war entweder eine adelige Person oder ein Mitglied einer Handelsfamilie. Das Material Elfenbein wurde aus Afrika importiert, war entsprechend teuer und konnte nur von der Elite erworben werden. Ähnliche Darstellungen mit belehrenden Botschaften waren in europäischen Städten aber weit verbreitet. Das Jüngste Gericht am Eingang vieler Kirchen und Kathedralen erinnerte die Gläubigen daran, dass ihre Lebensweise entscheidend sein würde für ihren Eingang ins Paradies oder in die Hölle. Der Totentanz in Nordeuropa machte deutlich, dass der Tod keine Rücksicht auf Alter, Amt oder Reichtum nimmt, während in Südeuropa die Universalität des Lebensendes in großen Fresken mit dem Triumph des Todes zum Ausdruck gebracht wurde. Die antithetische Darstellung der nackten Frau mit dem Tod ist eine deutliche Mahnung, dass ein sorgenloses, unkeusches Leben mit dem ewigen Tod bestraft wird. JC

Last updated: 12.02.2026

Contact

Institution:

Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst

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Kruzifixus

Kruzifixus

Das Kruzifix stammt mit größter Wahrscheinlichkeit aus der Stabkirche von Vang im Valdres-Tal (Oppland, Norwegen), die der Maler Johan Christian Dahl am 18. Januar 1841 für den preußischen König Friedrich Wilhelm IV. erwerben ließ. Der König wollte die Stabkirche zunächst auf die Pfaueninsel unweit seiner Potsdamer Residenz versetzen. Doch bereits im Winter 1841/42 entschied Friedrich Wilhelm IV., die Kirche nicht als Baudenkmal in Hauptstadtnähe, sondern als Gotteshaus im schlesischen Riesengebirge in Brückenberg (Karpacz Górny) in der Nähe seiner Sommerresidenz Erdmannsdorf (Mysłakowice) wieder aufbauen zu lassen. Von den beweglichen Ausstattungsstücken begleiteten lediglich zwei Leuchter die Kirche nach Schlesien. Es ist unklar, was mit den weiteren Werken aus Norwegen geschah. Sicher ist, dass Friedrich Wilhelm IV. 1845, das Kruzifix als Geschenk an die Kunstkammer überwiesen hat, von wo aus es später in den Besitz des Deutschen Museums überging. Die zeitliche Nähe dieser Schenkung zu der überlieferten Lagerung des Vanger Kruzifixes in Berlin, die Tatsache, dass es sich um königlichen Privatbesitz handelte und die Singularität einer norwegischen Skulptur in den Königlichen Museen lassen keinen anderen sinnvollen Schluss zu, als dass es sich bei Inv. 364 um das Kruzifix aus Vang handelt.Das Kruzifix ist schwer einzuordnen. Sämtliche Details gehören dem 13. Jahrhundert an, sind aber sehr roh und eigentlich kaum verstanden, wie Tuchfalten, Oberkörper und Gesicht demonstrieren. Unter den erhaltenen norwegischen Werken findet sich keines mit einer über Motive hinausgehenden Verwandtschaft. Der erhobene Kopf und die gezackten Locken sind ohne Parallele. Es fragt sich angesichts des ausgeprägten Zickzackverlaufs der Haare und der zeichenhaften Ausbildung des Oberkörpers, ob dem Schnitzer nicht eine Buchmalerei als Vorlage gedient hat, wo gerade diese Elemente besonders ausgeprägt waren. Überhaupt scheint es, als wäre der Bildschnitzer ungeübt im Schnitzen eines Kruzifixus gewesen, hätte aber streng nach einer Vorlage aus dem 13. Jahrhundert gearbeitet. Diese Arbeitsweise spricht jedoch auch gegen die im 19. Jahrhundert übliche Vorgehensweise neugotischer Bildschnitzer. Außerdem muss das Werk deutlich vor 1840 entstanden sein, da es damals keine liturgische Funktion mehr in der Stabkirche hatte. Gemeinsam mit den technologischen Befunden, vor allem zur Fassung (keine älteren Reste unter der heute sichtbaren), und den Erwerbungsumständen bleibt daher nur der Schluss, dass es sich um eine Arbeit der Zeit vor 1800, vielleicht des 18. Jahrhunderts handelt, bei der ein möglicherweise beschädigtes Kruzifix des 13. Jahrhunderts nachgeahmt wurde. Solche Fälle sind im Norwegen des 17. und 18. Jahrhunderts nicht selten.(Auszug aus: Tobias Kunz, Bildwerke nördlich der Alpen. 1050 bis 1380. Kritischer Bestandskatalog der Berliner Skulpturensammlung, Petersberg, Michael Imhof Verlag 2014)

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Das markante Gesicht des Dargestellten ist im strengen Profil nach links wiedergeben, während der Oberkörper sich ein wenig zum Betrachter hinwendet, was eine leichte Bewegung suggeriert. Das Barett mit herabgeschlagener Krempe wie auch der Mantel mit pelzverbrämtem Kragen, der so genannten Schaube, zeigen an, dass hier eine vornehme Persönlichkeit porträtiert wurde, ist doch die beschriebene Tracht allein dem ersten Stand vorbehalten gewesen. Das Relief weist weder eine Inschrift noch ein Familienwappen auf, die die Identität des hier Dargestellten preisgibt. Das scharf gezogene Profil mit der leicht gebogenen Nase und dem runden Kinn lassen den Porträtierten nicht zuletzt auch aufgrund seiner halblangen, die Ohren bedeckenden Haare, leicht als den Bischof Philipp von Freising und Naumburg identifizieren, wie der Vergleich zu zahlreich gesicherten Porträts des Dargestelllten belegen. Neben Gemälden existieren von ihm auch weitere Bildnisreliefs, von denen das von Loy Hering (1484/85-nach 1554) in Solnhofener Stein gearbeitete (Germanischen Nationalmuseum, Nürnberg) zu den prominentesten zählt. Das hier vorgestellte Brustbild Philipps ist hingegen für die Zeit von ungewöhnlicher Größe. Wie bereits festgestellt wurde, handelt es sich hier wohl um eine eigenhändige Wiederholung von Friedrich Hagenauers Medaille des Bischofs Philipp von Freising und Naumburgs. Durch die Übertragung vom ausgewogenen rund der Medaille in das hochrechteckige Format entstand ein ungewöhnlicher, weitaus steilerer Bildausschnitt. Es wird vermutet, dass Friedrich Hagenauer die Vergrößerung auf Wunsch des Auftraggebers ausführte. Der vorgesehene Bestimmungsort des Reliefs blieb bis heute unbekannt.Hans-Ulrich Kessler