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Prunkkassette mit Lapislazuli

Ident. Nr.: K 3898

ObjID: obj:884352

Details (expert)

Creator/Entity
Ausführung: Hans Straub (1541 - 1610),
Goldschmied*in
Date(s)
1593/1602
Dimensions
Höhe x Breite x Tiefe: 27,8 x 34,1 x 20 cm

Object Description

Die Prunkkassette besitzt einen eingezogenen, von Greifen getragenen Unterbau und einen aufklappbaren Deckel, der im Aufbau die Grundform der Basis spiegelt. Alle Seiten sind durch reiche Ornamentfriese architektonisch gegliedert. Zwischen Karyatiden und steinbesetzten Rosetten erscheinen in der Mittelzone auf edel wirkenden Hintergründen aus Lapislazuli kunstvolle Reliefs der Planetengötter: an der Vorderseite Merkur zwischen Saturn und Uranus, an der Rückseite Luna zwischen Neptun und Venus. An einer der Schmalseiten ist der Sonnengott Sol dargestellt, an der anderen Jupiters Gemahlin Juno. Sie ist als Gattin des Göttervaters keine Planetengottheit, ihr Auftreten in dieser Reihe als Göttin der Geburt und Ehe ist wohl als Hinweis auf eine weibliche Empfängerin dieser Prunkkassette zu deuten.
Hans Straub (1541–1610) war der Schwiegersohn und einer der Werkstattgenossen von Wenzel Jamnitzer (1508–1585), dem bedeutendsten Nürnberger Goldschmied des 16. Jahrhunderts. Jamnitzer gilt als der Erfinder jener „truehlin“ genannten Prunkkassetten, die er selbst unter anderem für die Kunstkammern der Wittelsbacher und Wettiner lieferte. Es verwundert nicht, dass auch Hans Straub solche hochbegehrten Werke herstellte und sich dabei der von seinem Schwiegervater gefertigten Goldschmiedemodelle bediente.
Nachgewiesen ist dies nicht nur für das Mäanderband am unteren und den Metopen-Triglyphen-Fries am oberen Rand der Berliner Kassette. Auch der zauberhafte, am Deckel umlaufende Fries mit den zu Seiten von Maskarons zwischen Girlanden tollenden Putten hatte schon Verwendung an eigenhändigen Arbeiten von Wenzel Jamnitzer gefunden, so an einer Schmuckkassette in der Schatzkammer der Münchner Residenz. Das zugrunde liegende Bleimodell Jamnitzers ist im Bayerischen Nationalmuseum erhalten. LL

Last updated: 29.07.2026

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Institution:

Kunstgewerbemuseum

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Drehleierspieler

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Stehende männliche Figur auf einer Plinthe mit abgeschrägten Ecken. Der bärtige Mann trägt einen Hut, einen blauen Umhang, einen grauen Wams, dunkelrote Kniebundhosen und Schnallenschuhe. Er spielt eine Drehleier, die er mit dem linken, leicht angewinkelten Bein stützt. // Der Künstler, Georges Pull, war Naturforscher und Keramiker. Er war fasziniert von den Arbeiten des französischen Keramikers Bernard Palissy (1510-1589/90), dessen Werke sich im 19. Jahrhundert großer Beliebtheit erfreuten und auch gefälscht wurden. Pull hingegen hat die Werke Palissys nachempfunden und technisch noch übertroffen, er hat sie nicht einfach kopiert und hatte auch keine fälscherischen Absichten. Er signierte seine Keramiken mit dem Stempel "PULL", was auch bei dem Drehleierspieler der Fall ist. Die Figur ist eine vergrößerte Kopie der Statuette "joueur de vielle", die im 19. Jahrhundert als Arbeit von Palissy galt und von der sich mehrere Ausformungen im Pariser Louvre befinden. Heute gilt die Statuette als anonyme Arbeit des frühen 17. Jahrhunderts aus der Region um Fontainebleau, Paris, Avon, siehe https://collections.louvre.fr/en/ark:/53355/cl010114355Barbara Mundt schreibt in ihrem 1973 erschienenen Katalog des Berliner Kunstgewerbemuseums zum Historismus: "Pulls erklärtes Leitbild war das keramische Werk Palissys, wobei sein Interesse sich auf die Farbglasuren konzentrierte. Intensive Studien in den Sammlungen des Louvre gingen Hand in Hand mit wissenschaftlichen Experimenten. Es gelang Pull schließlich, dünnere, höher brennbare und damit härtere sowie glanzvollere Glasuren mit einer größeren Zahl von Farben hervorzubringen als sein großes Vorbild." (zu Kat. Nr. 199).ClKa