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Die Angst der Welt

Ident. Nr.: NG 34/65

ObjID: obj:965745

n/a

Details (expert)

Creator/Entity
Johanna Schütz-Wolff (1896 - 1965),
Künstler*in
Date(s)
Herstellung: 1950
Provenance
im Besitz der Künstlerin,
1950–1965
Material / Technique
Textilfarbe auf Wolle
Dimensions
Höhe x Breite: 280 x 350 cm
Acquisition
1965 Ankauf aus dem Nachlass der Künstlerin, Söcking bei Starnberg

Object Description

Anfang der 1920er-Jahre schuf Schütz-Wolff ihre ersten großformatigen Gobelins. Zuvor hatte sie eine Ausbildung an der halleschen Handwerkerschule (1915–1918) und an der Kunstgewerbeschule in München (1918–1920) absolviert. 1920 kehrte sie nach Halle/Saale zurück, wo sie für fünf Jahre die neu eingerichtete Textilklasse an der Kunstgewerbeschule Burg Giebichenstein übernahm. Ihre Bildteppiche orientieren sich in ihrer abstrahierenden Gegenständlichkeit, ihren klaren Linien und strengen Flächigkeit an der Formensprache des Expressionismus, wobei Schütz-Wolff diese explizit aus dem Umgang mit dem Material entwickelte. Die Themen ihrer Arbeiten sind der Mensch, oftmals die Mutter, und ihre Verbindung zu Tier und Natur. Schütz-Wolff war mit ihren Werken erfolgreich. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 wurde es ruhiger um sie, fortan arbeitete sie vor allem für den kirchlichen Bereich. Aus Angst, ihren dem Nationalsozialismus kritisch gegenüberstehenden Mann zu gefährden, vernichtete sie 13 ihrer frühen Teppiche. Nach Kriegsende knüpfte Schütz-Wolff motivisch und formal an ihr Arbeiten der 1920er-Jahre an, so auch in ihrem 1950 entstandenen Gobelin „Die Angst der Welt“. Auf dem 280 × 350 Zentimeter großen Bildteppich erheben sich aus den Tiefen der Weltkugel ein ineinander verschlungenes menschliches Paar, eine Katze und ein Pferd. Hinter ihnen erhebt sich eine Fahnenstange, an deren Spitze eine still schlummernde Frau schwebt. Es ist eine friedliche und zugleich beängstigende Situation. | Maike Steinkamp

Last updated: 28.08.2026

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Institution:

Neue Nationalgalerie

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Sahara-Projekt

Sahara-Projekt

Das „Sahara-Projekt“ ist ein zentrales Werk von Mack. Die Idee, Kunst in weitläufige und unberührte Naturregionen zu bringen, entwickelte er bereits 1958. Er identifizierte den Himmel, das Meer, die Pole und die Wüsten als Räume für eine „neue Dimension der Kunst“. Hier sollten „die Reservate der Kunst wie künstliche Inseln ruhen“ (Heinz Mack, Das Sahara-Projekt, in: ZERO, 3, 1961, o.S.). Er konzipierte 13 Stationen, welche die Autonomie des Lichts und die Unbegrenztheit des Raums erfahrbar machen sollten: 1. Die Lichtstelen, 2. Die Spiegelmauer, 3. Die Segel, 4. Die Sandreliefs, 5. Künstliche Wälder und Gärten, 6. Der Maschinenpark, 7. Die Plateaus, 8. Der Corso, 9. Das Symposion, 10. Die Lichtreliefs, 11. Die Monumente des Lichts, 12. Die künstlichen Sonnen, 13. Die Erscheinungen im Himmel. 1961 wurde das „Sahara-Projekt“ erstmals publiziert. Die Edition von 13 Objekten in der Sammlung der Nationalgalerie dokumentiert die genannten Stationen. Das Projekt existierte zu diesem Zeitpunkt vorwiegend als Konzept; erst im Laufe der Jahre setzte Mack Teile davon um. 1968 wurden einzelne Stationen temporär in der tunesischen Wüste realisiert. Für den Film „TELE-MACK“ errichtete der Künstler unter anderem bis zu 13 Meter hohe Lichtstelen und legte Reihen quadratischer Spiegel aus, die das Licht reflektierten und brachen. 1976 verwirklichte Mack einen weiteren Bestandteil des „Sahara-Projekts“ in der Arktis und schuf Plexiglaskörper, Lichtblumen und Feuerflöße als schwimmende Strukturen. Die Umsetzung war dabei in allen Fällen bewusst nicht dauerhaft, das „Sahara-Projekt“ mit seiner ortsgebundenen Entgrenzung des Skulpturbegriffs lässt sich daher nur noch in Fotografie und Filmaufnahmen nachvollziehen. | Philine Pahnke

Selbstbildnis

Selbstbildnis

Unold hatte sich um 1925, nach an Paul Cézanne und später an Hans von Marées orientierten Werkphasen, einer Malweise zugewandt, die im Sinne der Neuen Sachlichkeit Form und Umriss deutlich betont. In der einfachen Prägnanz der Formen ist er Georg Schrimpf nahe. Doch verlor Unold Ende der 1920er-Jahre die Begeisterung für sein Tun. Die Bilder wurden nun freudlos, Motive in neuen Zusammenhängen kopierend wiederholt. 1930 berichtete er seiner Frau (von einem Arbeitsaufenthalt: „Ich lebe freundlich langweilig, etwas schwunglos und nicht sehr zufrieden […] ich mag und kann nicht mehr.“ Und 1932: „Ich wollte nur, das gestern angefangene, heute weiter gemalte Bild gefiele mir besser! Im Grunde interessiert es mich nämlich recht wenig“ (zit. nach WVZ Ruck 1992, S. 125). Das Selbstbildnis von 1932 zeigt Unold vor neutralem Grund, ohne die Insignien des Malers, mit der für ihn charakteristischen Pfeife im Mund. Noch im selben Jahr verwandte er die Komposition fast unverändert für das „Doppelbildnis“ mit seiner Frau und deren Porträt auf der Staffelei (WVZ Ruck 1992, 275). Der Freund und Kunstkritiker Wilhelm Hausenstein, der mehrfach über Unold schrieb und dessen poetische Bilder liebte, hat die spezielle Problematik des Malers schon früh erkannt: „[…] wenn ich zwischen den Wänden Ihres Ateliers Ihr weißes, Ihr fahles, getrübtes, unliebliches Gesicht erblicke, [dürfte ich] an den Silen des Platon denken, der außen nicht reizend ist, aber im Inneren Götterbilder verbirgt“ (Wilhelm Hausenstein, Brief an Max Unold, in: Die Horen [1925/1926], H. 2, S. 295). | Angelika Wesenberg

Landschaft mit Regenbogen

Landschaft mit Regenbogen

Zu den Bildern, die nach Langes Entlassung aus dem Lehramt an der Kunstschule in Plauen 1933 entstanden, gehören vermehrt Darstellungen der weitläufigen böhmischen Gebirgslandschaft wie „Landschaft mit Regenbogen“ (A II 1036) und „Gebirgslandschaft im Nebel“ (A II 1035). Alle Einzelheiten sind sorgfältig erfasst: die Felder und Wiesen begrenzenden Baumreihen, verstreute Gehöfte, die arbeitenden Menschen im Vordergrund. Besonderes Augenmerk ist den titelgebenden Wetterphänomenen und ihrem Widerschein gewidmet. Wiesen leuchten gelb unter dem durchbrechenden Sonnenlicht auf. Lange scheint mit den in dünner, lasierender Malweise gearbeiteten Stimmungsbildern an Traditionen der Dresdner Romantik anzuschließen. Auch Otto Dix, mit dem Lange 1919/1920 sein Studium bei Otto Gussmann in Dresden beendet hatte und mit dem sich noch mehrfach seine Wege kreuzten, bezog sich zu dieser Zeit motivisch und technisch häufig auf romantische Vorbilder. „Ich bin verbannt worden in die Landschaft“, äußerte Dix später (zit. nach Fritz Löffler, Otto Dix. Leben und Werk, Dresden 1989, S. 100). Nach dem Zweiten Weltkrieg fanden derlei Werke, lediglich als Ausdruck „innerer Emigration“ verstanden, zunächst wenig Anklang. Fritz Löffler, der sowohl Dix als auch den 1944 verstorbenen Lange noch gut gekannt hatte und dessen expressionistisches Werk (vgl. „Knabe mit Mundharmonika“, A IV 44) neu zu propagieren suchte, urteilte über die späten Arbeiten: „Er begann im Stil eines Neu-Realismus zu experimentieren, der seinem Phantasiereichtum keine Auswirkung erlaubte. Was er noch zu Stande brachte, war das Werk eines innerlich gebrochenen und seiner naiven Sicherheit beraubten Menschen“ (Fritz Löffler, Gemütlichkeit und Dämonie. Dresdner Malerei in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, nach einem Manuskript von 1948/1949, in: Dresdner Hefte, Sonderausgabe 1999, S. 88). | Angelika Wesenberg

Studie zu "Versammlung kurdischer Hirten"

Studie zu "Versammlung kurdischer Hirten"

Während seines Aufenthalts auf dem Baumwollkolchos „Lenin“, den Vogeler auf seiner Reise in den Südkaukasus im Sommer 1939 besuchte, fuhr er auch in das angrenzende Hochgebirge. Dort hielt er die baumlose grüne Berglandschaft und das Leben der kurdischen und armenischen Hirten in schriftlichen Aufzeichnungen und etlichen Bildern fest. Ein Ergebnis dieser Eindrücke ist das Gemälde „Versammlung kurdischer Hirten vom Kolchos Lenin“ (A III 288), das eine Gruppe von Hirtinnen und Hirten auf einem Bergplateau zeigt. Dem vorausgegangen waren die Studie „Versammlung kurdischer Hirten“ (A III 287) sowie eine Vielzahl an Zeichnungen und Aquarellen, die sich ebenso wie die Studien zu seinen anderen Reisen zum Teil im Kupferstichkabinett, Berlin, befinden. Auch das Gemälde „Armenische Hirten“ (A III 289) ist diesem Entstehungskontext zuzurechnen. Mit den genannten Werken gab Vogeler einen Einblick in das einfache, traditionsverbundene Leben der Hirten sowie der verschiedenen Bevölkerungsgruppen, die in dieser politisch so umkämpften Region aufeinandertrafen. Sie zeigen auch die Veränderungen auf, die mit der „Eingliederung“ in die Sowjetunion verbunden waren, die Dichotomie zwischen Alt und Neu, Tradition und Fortschritt, wie sie in dem 1940 entstandenen Gemälde „Sowjetgut Lissogorsk, Armenien“ (A III 290) zu erkennen ist. Während sich im Hintergrund jenes Bildes vor den beeindruckenden grünen Bergrücken des Nordkaukasus die modernen weißen Stallgebäude des Sowjetgutes erstrecken, sieht man im Vordergrund die traditonellen braunen Jurten der einheimischen Bevölkerung. | Maike Steinkamp

Gartenblumen

Gartenblumen

Das 1932 durch die Nationalgalerie beim Künstler erworbene Blumenstück (A II 778) zeigt den engen Ausschnitt eines Sommergartens mit botanisch genau erfassten Pflanzen. „Zu meinen Blumenbildern“, so Bartning, „bin ich von der Landschaft her gekommen. Schon vor 30 Jahren habe ich versucht, den Vordergrund des Landschaftsbildes zu selbständiger Bedeutung zu entwickeln. Daraus ist das entstanden, was ich die Nahlandschaft nenne und für eine neue, fast unbekannte Aufgabe halte“ (Ludwig Bartning, in: Maler und Bildhauer der Juryfreien II, Berlin 1929, o.S.). Der Künstler schenkte zu dem Ankauf ein zweites Gemälde (A II 779). Dieser Gartenblumenstrauß in leuchtenden Farben auf dunklem Grund erinnert in der Feinheit und Präzision der Darstellung an Malerei des frühen 19. Jahrhunderts, etwa an die Blumenbilder des Porzellanmalers Gottfried Wilhelm Voelcker. Bartning, der seine erste Ausbildung und Prägung bei Paul Schultze-Naumburg erhielt, gehörte zum konservativen Flügel der deutschen Neuromantik. Ab 1913 war Bartning an der Unterrichtsanstalt des Kunstgewerbemuseums tätig, mit Beginn der 1920er Jahre wurde er Professor an den Vereinigten Staatsschulen für freie und angewandte Kunst in Berlin-Charlottenburg. Als Lehrkraft hielt er dort im März 1931, zur Entstehungszeit der beiden Blumenbilder, den stringent aufgebauten Vortrag „Was ist lehrbar in der Kunst?“. Mit dem Siegeszug der Skizze seit dem Impressionismus wie der Absolutsetzung des seelischen Gestus mit dem Expressionismus hielt er alles Lehrbare für stark zurückgedrängt. Einen Ausweg sah er in der Rückkehr zum soliden Handwerk, wofür die beiden kunstreich auf Holz gemalten, nahsichtigen Blumenbilder stehen, sowie in einer respektvollen Sicht auf die Natur: „Vielleicht ist doch noch ein neues Wunder zu entdecken, das kein Auge je gesehen hat, obwohl es vor aller Augen lag“, ermunterte er zum Schluss seine Zuhörer. (Ludwig Bartning, Was ist lehrbar in der Kunst?, Berlin-Charlottenburg 1932, o.S.). Mit seiner Frau Gertrud und den gemeinsamen Kindern hat Bartning, ein Bruder des Architekten Otto Bartning, zahlreiche botanische Werke illustriert und 1950 ein Lehrbuch der Blumenmalerei publiziert. | Angelika Wesenberg

Auf Reisen

Auf Reisen

Das Gemälde „Auf Reisen“ gehört zu den ersten Werken, die 1947 für die kurz zuvor in Berlin gegründete „Galerie des 20. Jahrhunderts“ erworben wurden. Die Ankaufskommission unter Adolf Jannasch und Nationalgalerie-Direktor Ludwig Justi hatte Schmielewskis Arbeit in der vom Amt für bildende Kunst ausgerichteten Ausstellung „Junge Generation“ entdeckt und sich auf ihrer ersten Sitzung im April des Jahres für eine Erwerbung entschieden. Ebenfalls aus der Ausstellung angekauft wurden ein Gemälde von Heinz Trökes („Tierlandschaft“, 1946, A III 259) und eine Skulptur von Bernhard Heiliger („Liegende Frau“, um 1946, B I 661). Auch wenn heute über den Künstler und sein Werk nahezu nichts bekannt ist, muss Schmielewski also einst als ein vielversprechendes Talent der Nachkriegszeit gegolten haben. Das in der Nationalgalerie befindliche Bild spiegelt die Faszination der europäischen Avantgarden für fremde Kulturen wider. Dargestellt ist eine Jagdszene in Afrika. Ein durch überbetont rote Lippen rassistisch überzeichneter Einheimischer schießt mit einem Gewehr auf fliehende Löwen, deren paarweise Anordnung von zwei Jungtieren wiederholt wird. Das lodernde Feuer am unteren Bildrand weist auf die von einem vermeintlich zivilisierten Standpunkt aus als barbarisch begriffene Fortführung der Szene hin, die Zubereitung und Verspeisung der Beute. Die expressive, mit leuchtenden Farben ausgeführte Malerei wurde stellenweise eingeritzt, um einzelne Partien plastischer zu gestalten. | Irina Hiebert Grun

Belgische Landschaft mit Häusern

Belgische Landschaft mit Häusern

Im Sommer 1923 ging Nussbaum zum Malereistudium nach Berlin. Auf den Spuren seines Vorbilds Vincent van Gogh hielt er sich 1928/1929 in Belgien und Frankreich auf, wobei auch das Gemälde „Belgische Landschaft mit Häusern“ entstand. Solche in einem moderaten sachlich-realistischen Modernismus gehaltene Landschaften, Stadtansichten und Alltagsszenen sind typisch für Nussbaums Frühwerk. Sie sind geprägt von einer narrativen, allegorischen Formensprache, die beeinflusst ist von der Pittura metafisica eines Giorgio de Chirico sowie der Archaik von James Ensor und Karl Hofer. In Berlin feierte Nussbaum bald erste Erfolge, 1930 war sein Werk in der Modernen Galerie des Kaufhauses Wertheim erstmals in einer Einzelausstellung zu sehen. Im selben Jahr wurde „Belgische Landschaft mit Häusern“ aus Mitteln des Ministeriums für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung für die Nationalgalerie erworben. Es war der erste Ankauf eines Bildes von Nussbaum für ein Museum – und blieb bis 1971 der einzige. Die Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 durchkreuzte Nussbaums aufstrebende Künstlerkarriere. Als Jude war er den politischen Repressionen im nationalsozialistischen Deutschland bereits früh ausgesetzt, was 1935 zu seiner endgültigen Emigration nach Belgien führte. Trotz der jüdischen Herkunft des Künstlers war sein Gemälde in der Nationalgalerie nicht von der Aktion „Entartete Kunst“ 1937 betroffen. Nussbaums persönliche Situation als exilierter Jude änderte seine Sujets: Zunehmend setzte er sich nun künstlerisch mit sich und der politisch-gesellschaftlichen Lage, in der er sich befand, auseinander. 1944 wurde Nussbaum in Auschwitz ermordet. | Maike Steinkamp