Logo

Johannes der Täufer mit Stifterin

Ident. Nr.: Id 1197

ObjID: obj:1019383

Details (Expert)

Datierung
um 1520/30
Abmessungen
Durchmesser: 21,8 cm

Objektbeschreibung

Die rechte Bildhälfte mit der Hauptfigur der Szene ist zwar verloren, doch lassen der noch sichtbare Balken und der Ansatz von Oberschenkel und Knie keinen Zweifel daran, dass dort Christus mit dem geschulterten Kreuz dargestellt war. Er ging auf die Stifterin zu, die links vor ihm auf dem Rasen kniend mit betend gefalteten Händen zu ihm aufblickt. Ob sie eine Nonne war, worauf schwarzer Mantel, Gebende und braunes Gewand zunächst deuten, ist nicht gewiss, denn solch dezente Kleidung galt gemeinhin als Ausdruck von Frömmigkeit und wurde ebenfalls von verheirateten oder verwitweten Frauen getragen. Hinter ihr steht in der Art eines Schutzpatrons hünenhaft groß Johannes der Täufer, wie üblich als bärtiger Asket in Umhang und Fellgewand und mit der Rechten auf das auf dem Buch ruhende Lamm weisend. Attribut und Geste beziehen sich auf seine prophetischen Worte „Ecce agnus Dei qui tollit peccata mundi“ (Siehe das Lamm Gottes, das hinweg nimmt die Sünden der Welt; Joh 1,29) und gelten zugleich Christus, der in ganzer Figur leibhaftig vor ihm stand. Eine beispiellose Bilderfindung ist der blockhaft mächtige, quer ins Bildfeld geschobene Sarkophag Christi, der Vorder- und Hintergrund, Figurengruppe und Landschaftsraum voneinander trennt. Die Kombination der Motive ist ungewöhnlich und geht möglichenfalls auf einen Wunsch der Auftraggeberin zurück. Umso einleuchtender ist ihre Bedeutung, denn mit der Weissagung von Johannes, dem Kreuz tragenden Messias und dem Sarkophag sind Verheißung und Vollzug der Erlösung sinnfällig ins Bild gesetzt. Der Hinweis auf Passion und Auferstehung Christi schien der um Fürbitte flehenden Frau mehr Nachdruck zu verleihen und ihrer Hoffnung auf Rettung mehr Aussicht zu verheißen.
Kopf- und Figurentyp des Johannes sind deutlich abhängig von niederländischen Vorbildern, die vermutlich auf eine Erfindung des Rogier van der Weyden zurückgehen. Er begegnet in dieser Gestalt, wenngleich anders gekleidet, schon 1438 auf dem linken Flügel des Werl-Altars und später auch auf anderen Bildern. Auf einem nur durch eine Kopie überlieferten Bildnis trug er zudem dasselbe kurzärmelige Fellgewand und einen bis in den Faltenwurf identischen, auf der Schulter geknoteten Mantel. Auch das Motiv des das Querholz des Kreuzes umfassenden und nach links auf die Stifterin zugehenden Erlösers wurde aus der niederländischen Kunst übernommen. Als sein Urbild gilt die Kreuztragung Christi des Jan van Eyck, ein seinerzeit weithin berühmtes Gemälde, das zwar verloren, doch durch Kopien gut dokumentiert ist.
CVMA 98773

Letzte Aktualisierung: 15.12.2025

Kontakt

Einrichtung:

Kunstgewerbemuseum

Weitere Objekte aus den Sammlungen

Auferstehung Christi

Auferstehung Christi

Die nur etwa zur Hälfte erhaltene Rundscheibe zeigt die Auferstehung des Herrn, eines der Hauptthemen der christlichen Kunst. Die Darstellung folgt zwar dem geläufigen Bildtyp und zeigt Christus in Siegerpose, das Triumphkreuz in der Linken und die Rechte im Segensgestus erhoben, steigert das Motiv jedoch durch geschickte Inszenierung zu fast schon barockem Pathos. Der Auferstandene, eine majestätische Gestalt von klassischer Schönheit, steht in der Bildachse, um die Arme hat er einen roten Mantel geschlungen, dessen Ende von einem Windstoß heftig bewegt hoch hinter ihm aufwirbelt. Hinter seinem Haupt verbreitet die eben aufgehende Sonne hellgelbes Licht am Horizont, das jedoch vor den goldgelben Strahlen seines Nimbus verblasst und ihn so als himmlische Sonne erweist. Links erscheint Golgatha als steile Felswand, senkrecht darin das Grab. Daneben kauern die Grabwächter, der eine tief schlafend, der andere, aufgeschreckt durch die jähe Erscheinung, der überirdischen Lichtgestalt sich zur Flucht wendend.Als Vorlage des Glasgemäldes diente wie schon bei Inv. Nr. F 354 der Holzschnitt des Jacob Cornelisz van Oostsanen aus der „Runden Passion“, die erstmals 1514 und danach zunächst um Randleisten und schließlich auch noch um typologische Szenen erweitert 1517 und 1520 von dem Amsterdamer Verleger Doen Pietersz gedruckt worden war. Gleichzeitig verarbeitet die Komposition Anregungen aus Dürers „Kleiner Passion“ (1511), wie den von den Strahlen der aufgehenden Sonne hinterfangenen Nimbus Christi. Das senkrecht in den Felsen eingelassene Grab und die im Kontrapost gegebenen Rückenfigur des Soldaten sind hingegen Motive aus der regionalen Bildtradition.Welch großen Anklang die Darstellungen der „Großen Passion“ zu ihrer Zeit fanden, zeigte schon die wiederholte Auflage der Drucke, und bestätigen auch die vielen erhaltenen danach ausgeführten Glasmalereien, die auf eine eindrucksvolle Anzahl kompletter Scheibenserien schließen lassen. Allein von der Auferstehung Christi sind noch vier weitere Glasmalereien bekannt. Das Berliner Exemplar ist das jüngste derzeit bekannte und belegt damit die lang anhaltende Popularität der Bilderfolge.CVMA 98730

Gerippte Flötenvase mit figürlichen Chinoiserien

Gerippte Flötenvase mit figürlichen Chinoiserien

Gegenstück zur Flötenvase Inv. Nr. M 1841: "Achteckige Form, gerippt, über dem breiten Wulst (als Nodus) kelchförmig ausschwingend. Fußzone leicht ausgestellt. Unter der Mündung, ausgespart aus blauem Grund ein weit herabhängendes Behangwerk in Lambrequinform. Auf dem Nodus ein Behangwerk aus gefältelten Palmetten auf blauem Grund mit girlandenförmig hängenden 'Petersilienblättern'. Auf der hohen Wandung die bekannten chinesischen Figurengruppen in freier Landschaft: 1. eine aus hoher Kanne eingießende weibliche Person und Diener mit Tablett oder Schale, 2. eine am Tisch sitzende Dame mit hinter ihr stehenden Dienerin, 3. eine Schirmträgergruppe ohne Schirm, 4. Landschaft mit Lochfelsen und Büschen. Die Malerei bereichert eine feine Binnen- und Umrißzeichnung in schwärzlichem Grün. Unter dem Wulst, auf der Fußzone, chinesische Figuren in Landschaftskulisse." (Kat. Berlin 2001, "Herrliche Künste und Manufacturen", Kat. Nr. 66)Eine im ersten Jahrzehnt des 18. Jahrhunderts in der Berliner Fayencemanufaktur von Gerhard Wolbeer entwickelte Spezialität waren gerippte Gefäße. Wie Christiane Keisch im Berliner Katalog von 2001 ausführt, war die die komplizierte Technik von der Delfter Fayencekunst nach Berlin übernommen worden. In Delft wurden mit dieser Form jedoch nur sehr selten figürliche Chinoiserien verbunden, da sich durch die Rippung gerade bei den Figuren bisweilen bizarre Verformungen ergeben.Keine Marke.Lit.: Kat. Berlin 2001, "Herrliche Künste und Manufacturen, S. 54, Kat. Nr. 66 (C. Keisch)ClKa

Großer Trichterpokal mit Kugel- und Olivenschliff

Großer Trichterpokal mit Kugel- und Olivenschliff

Kelch aus farblosem, etwas gelbstichigem Glas, schlierig, Abrissnarbe am Boden, angesetzter Massivbalusterschaft mit kleiner Luftblase, über einer Ringscheibe ist die trichterförmige Kuppa mit einem Kranz aus zwei versetzten, polierten Oliven verziert, der untere mit einem Rahmen aus mattierten Perlen, darüber ein Fries aus Vögeln und Blumen zwischen geblänkten Kugelungen, Mündungsrand verwärmt. Der Trichterpokal gehört zu einer Gruppe von formähnlichen Gläsern mit böhmisch anmutendem Dekor aus der Zeit vor 1700, die in der Literatur nach Brandenburg verortet wird (vgl. Poser, Berliner Becher, 2017; Fischer, Gläserne Pracht, 2011, Kat. 98, S. 83, Keisch/Netzer, Herrliche Künste und Manufacturen, 2001, Kat. 131, 133–136, 166–168; Rückert, Die Glassammlung, 1982, Bd. 2, Kat. 800–802, Taf. 245; Schmidt, Brandenburgischer Gläser, 1914, Taf. 4.2). Allein sechzehn Exemplare sind im Bestand der Stiftung Stadtmuseum Berlin vorhanden (publiziert im Themenportal "Brandenburgisches Glas" auf museum-digital.de). Nahezu identische Gläser wurden zeitgleich auch im Riesengebirge hergestellt (vgl. Wierzchucka/Kügler, Barockes Glas, 2016, Kat. 20, S. 46; Jentsch, Licht und Rausch, 2004, Abb. 27, S. 49; Brožová, Sklo v Praze, Ars Vitraria 9, 1989, S. 17). Eine zweifelsfreie Zuschreibung ist unmöglich. Karl-Heinz Poser hat für ihn den Begriff "Potsdamer Kelch" geprägt (Poser, Berliner Becher, 2017). Trifft die Potsdamer Herkunft zu, hat diese charakteristischen Trichterpokale wohl ein in Berlin ansässiger, böhmischer Glasschneider veredelt. Dass hingegen auch andere zeitgenössische Kreideglashütten in Brandenburg Glasschneider beschäftigten, ist dokumentiert. Ab 1654 bis in die 1670er Jahre waren in Marienwalde und Grimnitz drei Brüder Gampe aus Böhmen tätig. Die Standorte Pinnow bei Oranienburg und Zerpenschleuse bei Wandlitz haben der Potsdamer Hütte um 1690 Konkurrenz gemacht und könnten ebenso gut die Rohlinge zur Weiterveredlung beispielsweise nach Berlin geliefert haben (Schmidt, Brandenburgische Gläser, 1914, S. 21, 35, 112). [Verena Wasmuth]MAKR