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La poupée

Ident. Nr.: SSG 16

ObjID: obj:1065731

n/a

Details (Expert)

Beteiligte
Hans Bellmer (1902 - 1975),
Künstler*in
Datierung
1936-1938
Systematik/Art
Weitere Titel
Sammlungstitel: La poupée
Die Puppe
Übersetzung: The Doll
Geografische Bezüge
faktischer Entstehungsort: Paris
Material / Technik
s/w Fotografie, Vintage Print
Abmessungen
Höhe x Breite: 76 x 50 cm
Erwerbung
2004 Dauerleihgabe der Stiftung Sammlung Dieter Scharf zur Erinnerung an Otto Gerstenberg

Objektbeschreibung

Ein weibliches Wesen wendet sich mit schüchtern-lockendem Blick über die Schulter an den Betrachter. Das hochgerutschte Hemd wirkt provokativ. Bei genauem Hinsehen jedoch bricht die erotisch-kokette Ausstrahlung und offenbart die groteske Versehrtheit der Gestalt. Arme und Beine fehlen ganz; gestützt auf zwei Prothesen, lehnt das puppenhafte Geschöpf halb entblößt und hilflos an einer Wand. „La poupée“ gehört zu den zehn Fotografien, die Bellmer von seiner ersten, 1934 fertiggestellten Puppe aufgenommen hat. Sie mag zur Sublimierung seiner sexuellen Obsessionen gedient haben. Zudem schuf er einen bizarren Antitypus zum Idealbild der Frau, das die nationalsozialistische Propaganda zeitgleich feierte: gesund, stark, fruchtbar. Bellmers Schöpfung ist mithin auch als Protest gegen ein Regime zu verstehen, dem der eigene Vater begeistert anhing und dem er selbst auf keinen Fall dienen wollte. „Die Herkunft meiner Bilder ist skandalös“, so Bellmer, „weil die Welt für mich ein Skandal ist.“ | Kyllikki Zacharias

Letzte Aktualisierung: 24.08.2026

Kontakt

Einrichtung:

Sammlung Scharf-Gerstenberg

Weitere Objekte aus den Sammlungen

Ohne Titel

Ohne Titel

Nachdem sich Max Ernst in den 1920er Jahren primär der Technik der Frottage und der Ölmalerei zugewandt hatte, kehrte er Ende des Jahrzehnts zur Collage zurück. „La Femme 100 têtes“, wahlweise als „Die hundertköpfige Frau“ oder als „Kopflose Frau“ zu verstehen, „Rêve d’une petit fille qui voulut entrer au Carmel“ und „Une semaine de bonté“ erschienen zwischen 1929 und 1934 und sind von ihrem Umfang her ganze Collage-Romane. Das unbetitelte Blatt entstand im gleichen Jahr wie wie der Roman „La Femme 100 têtes“. Es arbeitet mit denselben Prinzipien wie er, ohne ihm oder einer Serie zugeordnet werden zu können. Möglicherweise ist es als eine Studie zu verstehen, es erschien als Einzelblatt in der Zeitschrift „Le Surrealisme en 1929“, bevor sich Max Ernst entschloss, in dieser Technik eine große Serie von 145 Blättern, aus denen „La femme 100 têtes“ besteht, zu entwickeln. Diese Blätter unterscheiden sich ganz erheblich von den Papierarbeiten aus den frühen 1920er Jahren. Die frühen Collagen zeigten vor allem technische Schaltpläne, die ins Leere laufen und Aufbau und Organisation sowohl von Maschinen als auch der Gesellschaft infrage stellen. „La femme 100 têtes“ entfaltet eine gänzlich andere Wirkung. Ernst bediente sich hierbei erneut Literatur jedweder Richtung aus dem 19. Jahrhundert wie Romanen sowie wissenschaftlicher Bücher aus den Bereichen Biologie, Physik, Philosophie und Psychologie und nutzte die hier vorgefundenen Illustrationen. Dies erklärt auch den gänzlich anderen Aufbau der Collagen im Vergleich zu denen der DADA-Phase. Ausgangslage waren bei den Roman-Collagen in den meisten Fällen Blätter, die bereits über eine flächenfüllende Raumdisposition verfügten, welche jedoch durch das Hinzufügen der Ernst’schen Fremdkörper und Gegenstände aufgebrochen wurde. Zwar werden auch bisher zusammenhanglose Gegenstände miteinander verknüpft, da es sich aber größtenteils um figurative Darstellungen handelt, ist der Identifikationsgrad beim Rezipienten wesentlich höher. Es entstehen Traumwelten von bestechender bis verstörender Poesie, die beim Betrachten einen unwiderstehlichen assoziativen Sog entwickeln, je länger man sich in sie vertieft. | Katharina Wippermann

Étude pour "Banlieue de la ville paranoïaque-critique"

Étude pour "Banlieue de la ville paranoïaque-critique"

Salvador Dalí ging davon aus, dass Paranoiker aufgrund der Überempfindlichkeit ihres verstörten Geistes die Fähigkeit besitzen, doppelte Vorstellungsbilder aufzuspüren, und er nutzte diese Erkenntnis für seine Kunst: „Durch einen eindeutig paranoischen Vorgang ist es möglich geworden, ein doppeltes Vorstellungsbild zu erhalten, das heißt die Darstellung eines Gegenstandes, die ohne die mindeste figürliche oder anatomische Veränderung gleichzeitig die Darstellung eines anderen, völlig verschiedenen Gegenstandes ist.“ Das ausgearbeitete Studienblatt veranschaulicht diesen Vorgang, den Dalí als „paranoisch-kritische Methode“ bezeichnete. In der oberen Reihe vollzieht sich die Metamorphose eines Pferdes in dessen eigenen Totenschädel, in der mittleren Reihe wird das Tier in runde Formen aufgelöst, die einer Traube gleichen. In der unteren Reihe demonstriert Dalí, wie seine Frau Gala mit Trauben in der Hand zum Vorstellungsbild der vorangegangenen Gegenstände werden kann. Das Blatt ist eine Studie zu dem Gemälde „Banlieue de la ville paranoïaque-critique“, in dem eine Pferdestatue, der Pferdeschädel und im Mittelpunkt Gala, die Trauben in der Hand haltend, in einer Dreierkonstellation aufeinander bezogen sind. Dalí kommentierte die Zeichnung Jahre später: „Erinnerung an Cadaquès, wo Gala auf einer alten Steinmauer schwarze Trauben verzehrte; und sie wurde schöner mit jeder Traube.“ Von Galas existenzieller Bedeutung für Dalís künstlerisches Schaffen zeugt auch die gemeinsame Signatur: „‘Es ist vor allem Dein Blut, Gala, mit dem ich meine Bilder male’, sagte ich eines Tages zu ihr. Und ich beschloss, von da an mit unser beider Namen gemeinsam zu signieren.“ | Silke Krohn

Ohne Titel

Ohne Titel

Seligmann hat die Grafik mit den Worten „für den berühmten Sadomasochisten – Georges Hugnet, meinen Freund“ versehen. Der Schweizer Seligmann lebte seit 1932 in Paris, stieß 1934 zu den Surrealisten und lernte dort Hugnet kennen. Widmung und Thema der Radierung spielen auf dessen Collagen an, welche stereotype Abbildungen aus Erotikmagazinen zur Grundlage haben. Zugleich ist das Blatt ein Hinweis auf gemeinsame Arbeiten und Interessen. 1938 veröffentlichten die beiden den Band „Une écriture lisible“ mit Gedichten von Hugnet und Radierungen von Seligmann, welche durch die Lektüre von Lautréamonts „Gesängen des Maldoror“ geprägt waren. Der collageartige Aufbau der von schwarzem Humor bestimmten Radierung und die Betonung der Ausschnitte erinnern an ein Rätsel, das es zu deuten gilt. Die Unterwasserwelt könnte eine Reminiszenz an Lautréamonts Werk sein. Viele der sadistischen Handlungen in den „Gesängen“, denen zumeist Frauen zum Opfer fallen, spielen im submarinen Raum. Die Folterszene und das Hybridwesen, halb Meerestier, halb Dienstmädchen, Objekt sadistischer Begierde, verweisen ebenfalls auf Lautréamonts Werk, in dem, anders als in den Schriften des Marquis de Sade, auch Tiere und Mischwesen Sexualpartner der Menschen sein können. Die einem weiblichen Genital nachempfundene Meeresfrucht mit Tentakeln kommt wie die unten links angedeuteten Schwerter oder Dolche in weiteren Arbeiten Seligmanns vor. Die Gemälde von Hieronymus Bosch bildeten ebenfalls eine der zahlreichen Inspirationsquellen. | Silke Krohn