Facilité
Ident. Nr.: SSG 85
ObjID: obj:1066117
n/a
Kontakt
Einrichtung:
Sammlung Scharf-Gerstenberg
E-Mail:
ssg@smb.spk-berlin.deDetails (Expert)
- Beteiligte
- Datierung
- 1927
- Weitere Titel
- Sammlungstitel: FacilitéLeichtigkeitÜbersetzung: Ease
- Geografische Bezüge
- Material / Technik
- Öl auf Leinwand
- Abmessungen
- Höhe x Breite: 54 x 65 cm
- Permalink
- https://id.smb.museum/object/1066117
Objektbeschreibung
Darstellung und Titel von „Facilité“ scheinen im Unterschied zum übrigen Œuvre Max Ernsts zunächst in seltener Harmonie zu stehen, vermittelt die sich auflösende, nicht klar umrissene Figur doch einen leichten, schwebenden Eindruck. Ganz und gar nicht leicht im Sinne von einfach ist es, die Figur in ihrer Komplexität zu fassen. Dies gilt umso mehr, als andere wesentliche gestalterische Elemente, Farbe und Räumlichkeit, kaum oder gar nicht zur Strukturierung beitragen. So wirkt der Raum trotz seiner fast mittigen Querteilung nicht dreidimensional, sondern weiterhin als eine Ebene, wozu auch die eigentümlich nebeneinandergesetzten Flicken beitragen. Die auf Rot und Gelb reduzierte Farbpalette ist eher hingehaucht als aufgetragen und nicht auf die konturierten Flächen begrenzt, sondern geht über diese hinaus, den flüchtigen Charakter der Figur unterstreichend. Auf den ersten Blick wirkt dieses Werk, als hätte sich Max Ernst an einer Auflösung der „Anghiari- Schlacht“ von Leonardo da Vinci versucht. Die diesem zugeschriebene „Tavola Doria“ weist zudem einen ähnlich fragmentarischen Charakter wie das vorliegende Figurenknäuel auf. Zwar setzt sich Max Ernst erst im Spätwerk dezidiert mit Leonardo auseinander, Anspielungen auf ihn oder die anderen Überväter der Renaissance, Raffael und Michelangelo, finden sich allerdings bereits zu Beginn der 1920er Jahre. Die theoretische Ausbildung Ernsts, das Studium der Kunstgeschichte in Bonn, legt gleichermaßen nahe, dass er sich eingehend mit diesen Künstlern beschäftigte, um sich anschließend über den kunsthistorischen Kanon hinwegzusetzen. Der zweite Blick eröffnet dann den Auftakt zu einem faszinierenden, weil nahezu endlosen Vexierspiel, in dem sich die Linien zu immer wieder neuen figurativen Konstellationen formieren, flüchtige Zusammenhänge entstehen lassen und wieder auflösen. Kämpfende Pferde wandeln sich zu Kopulierenden. Der Kopf des unterlegenen Tieres ergänzt sich mit einer weiteren Rundung zu einem Paar Brüste, während die wallende Mähne sich zum weiblichen Geschlechtsorgan formt. Der lang gestreckte Vorderlauf des oberen Pferdes zum rechten Bildrand hin mutiert in entgegengesetzter Blickrichtung zum komplementären Phallus, um nur einige der offensichtlichsten Vexierungen zu nennen. Andere Werke Ernsts mögen in ihrer Bildsprache expliziter aufgeladen sein, „Facilité“ besticht durch die wortwörtlich reizende Balance zwischen animalischer Triebhaftigkeit und der Flüchtigkeit des Augenblicks, der es obliegt, die Zügellosigkeit aufzuheben und dadurch gewissermaßen zu bändigen. | Katharina Wippermann
Letzte Aktualisierung: 17.07.2026
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Sammlung Scharf-Gerstenberg
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