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La sphère

Ident. Nr.: SSG 268

ObjID: obj:1065923

n/a

Details (Expert)

Beteiligte
Odilon Redon (1840 - 1916),
Künstler*in
Datierung
um 1890
Weitere Titel
Sammlungstitel: La sphère
Himmelskugel
Übersetzung: Celestial Sphere
Material / Technik
Kohle und Sepia, laviert, auf Papier
Abmessungen
Höhe x Breite: 49 x 36 cm

Objektbeschreibung

Redons wiederholte Nutzung der Kugelform ist mannigfaltig konnotiert: Kugelrund ist das Auge, die Sonne, rund das Ei – und dies ist seinerseits ein uraltes Symbol der Hoffnung wie der Philosophie. Die Schwärze aber, die im Blatt „Himmelskugel“ zum Rund noch als zweites prägendes Element hinzutritt, ist seit jeher die Farbe der Melancholie, der sogenannten Schwarzen Galle, der Schwermut und damit auch des schöpferischen Menschen, des Künstlers und Philosophen. | Bernhard Maaz

Letzte Aktualisierung: 24.06.2026

Kontakt

Einrichtung:

Sammlung Scharf-Gerstenberg

Weitere Objekte aus den Sammlungen

Le stryge

Le stryge

Seit seiner Einberufung zur Mitarbeit an der bis in die 1850er Jahre andauernden Restaurierung von Nôtre Dame durch den Architekten Viollet- le-Duc im Jahre 1844 widmete sich Méryon verstärkt der Darstellung des mittelalterlichen Paris. Die Quartiere der Île de la Cité und an den Ufern der Seine boten auch den Schauplatz für Victor Hugos 1831 publizierten Roman „Nôtre Dame de Paris“ (Der Glöckner von Notre-Dame), der Méryons Darstellung von „Le stryge“ (Der Vampir) inspirierte. Für die konkrete bildliche Umsetzung seines steinernen Fabelwesens, einer der nach Entwürfen Viollet-le-Ducs gehauenen grotesken Figuren, die bei den Restaurierungsarbeiten als Ersatz für die stark verwitterten mittelalterlichen Originale an der Balustrade des Nordturms von Nôtre Dame aufgestellt wurden, zog Méryon zudem eine Fotografie von Charles Nègre hinzu, die dieser 1853 aus dem gleichen Blickwinkel aufgenommen hatte. Méryon radierte jedoch keine Kopie dieser Aufnahme, sondern in frei gehandhabter, künstlich gesteigerter Perspektive ein scheinbares Abbild der Wirklichkeit. Die künstlich wirkende Beleuchtung taucht die Szenerie in ein kaltes, unwirkliches Licht, das tiefe Schatten in die Stadtlandschaft zeichnet. Fliegende Raben, mit dem Mythos der dem Tod nahestehenden Galgenvögel behaftet, verstärken die beklemmende Aura der Szenerie. Die Rolle der Chimäre mit ihrer diabolisch-unheimlichen Ausstrahlung – die Stadt bedrohender Dämon oder unheilabwehrendes Schutzwesen – bleibt zunächst diffus. Erst durch die Beifügung eines Textes auf späteren Abzügen definierte Méryon den Charakter von „Le stryge“: „Ein unersättlicher Vampir, die ewige Luxuria, über die große Stadt gebeugt, lechzt sie nach Nahrung.“ | Hanna Strzoda

Le petit pont

Le petit pont

Charles Méryons dokumentierte alte Pariser Straßen und Winkel, die von der abrisswütigen ‘Haussmannisation’ im 19. Jahrhundert betroffen waren. Alte Quartiere mit ihren kleinen Häusern und Gässchen mussten zwischen 1853 und 1869 den neuen Bebauungsplänen für die französische Hauptstadt, die von Georges-Eugène Baron Haussmann für Napoleon III. entworfen worden waren, weichen. Die Bauvorhaben mehrstöckiger Bauten europäischen Stils und großer Boulevards zerstörten viele der kleinen mittelalterlichen Straßen und Viertel von Paris. Die zwischen 1850 und 1854 entstandene Serie „Eaux-fortes sur Paris“ (Paris-Radierungen) umfasst 22 Blätter und zeigt vorwiegend das mittelalterliche Paris. „Le petit pont“ (Die kleine Brücke) ist als erstes Blatt dieser Reihe entstanden. Radierungen wie diese sind jedoch keine objektiven, rein dokumentarischen Ansichten des Künstlers der Stadt, sondern es sind persönliche Eindrücke, die als Metapher einer versinkenden Welt verstanden werden können. Die dargestellte alte Brücke und das „Hôtel Dieu“ (Armenkrankenhaus) wurden kurz nach Fertigstellung der Grafik abgerissen. Fotografische Aufnahmen der Commission pour la Conservation des Monuments Historiques zeigen allerdings, dass Méryon in der Darstellung „Le petit pont“ einen Straßeneinschnitt zwischen den Gebäuden unterschlagen hat und dennoch die Fassaden der Häuser nicht angeglichen sind, sodass die Häuserfront wie eine Montage wirkt. Durch Veränderungen der tatsächlichen topografischen Situation steigerte Méryon die Raumwirkung der städtischen Landschaft. | Melanie Wilken

Weib u. Tier

Weib u. Tier

Eine weibliche Aktfigur, die wie eine Skulptur aus einem Steinblock herauswächst, lockt ein gazellenartiges Tier mit einer Blume. Das Tier erhebt sich auf den Hinterläufen und macht so ‘Männchen’. Laut Klee symbolisiert es „das Tier im Menschen (im Manne)“. Während in der ersten, im Juli 1903 entstandenen Fassung der Radierung ein geifernder Köter das Geschlecht einer hilflos gestikulierenden Frau beschnüffelt, ist das Verhältnis in der zweiten Fassung, die vom November 1904 datiert, ausgeglichener. Das Tier ist schlanker und mit einem Bockshorn ausgestattet, die Frau steht zwar abgewandt, doch wendet sie Kopf und Arm dem Tier zu. „In Beziehung auf die Psychologie der Handlung steht die Arbeit jetzt insofern höher“, erläuterte Klee seiner Verlobten Lily, „als das Weib sich nicht mehr passiv verhält, das heißt erschrickt, sondern seinen Trieb, zu coquettieren, auch im Moment der brutalen Entscheidung nicht lassen kann.“ Für den satirischen Kommentar auf das Verhältnis der Geschlechter zueinander verwendete Klee verschiedene Motive aus der Kunstgeschichte. Die Frauenfigur geht auf eine antike Statue des Praxiteles zurück, wobei Klee das Venus-pudica- Motiv des Verhüllens der Scham zu einem „Venus- Koketterie-Motiv“ (Gregor Wedekind) des Enthüllens macht. Die sexuell aufgeladene Beziehung zwischen Frau und Tier ist der Grafik des 19. Jahrhunderts entlehnt und begegnet dort unter anderem bei Max Klinger und Félicien Rops. Der zeichnerische Stil, den Klee 1919 rückblickend als „gotisch-klassisch“ bezeichnete, verweist auf die Grafik des 15. Jahrhunderts, vermittelt durch den Einfluss Ferdinand Hodlers, was insbesondere die monumentale Isolierung der Figuren vor dem schwarzen Aquatinta-Hintergrund betrifft. Klee nutzt die groteske bis hässliche Abweichung von der klassischen Form, um die Fragwürdigkeit gesellschaftlicher Ideal- und Rollenbilder wie etwa der reinen und keuschen Frau oder des Edelmannes zu demonstrieren. Die zweite Fassung der Darstellung nahm Klee als Nummer 1 in seinen elf Radierungen umfassenden Zyklus „Inventionen“ auf, mit dem er sich als Grafiker etablieren wollte. | Dieter Scholz

Modemadonna

Modemadonna

Abgegriffen und zerknittert, erscheint die „Mode-Madonna“ auf den ersten Blick wie ein oft betrachtetes und berührtes Ikonenbildchen. Bei genauerem Hinsehen entpuppt sie sich jedoch als eine der „Merz“zeichnungen Kurt Schwitters. Eine schwarz-weiße gedruckte Mariendarstellung hat der Künstler auf ein farbiges Etikett geklebt. Nachträglich hinzufügte Rillen bilden – einem Heiligenschein gleich – einen Halbkreis um den Kopf der Muttergottes. Unter ihr lassen sich die Worte „Manoli“ und „Diva“ entziffern, die sich unten im Rahmen wiederholen. Kurt Schwitters war selbst in der Werbung tätig und schätzte die wechselseitige Einflussnahme von Kunst und Reklame. Daher verwendete er kaum zufällig ein Zigarettenetikett der Marke „Diva“ der Berliner Firma Manoli, welche in ihrer Reklame das Bild der mondänen Frau prägte. Schwitters spielt hier auf das Rollenverständnis der Frau der 1920er Jahre zwischen Modernität und Mütterlichkeit an. Die Frauen konnten nun der Passivität entfliehen, seit 1919 durften sie wählen und sich an der Universität habilitieren. Erstmals rauchten Frauen. Besonders in Berlin zeigte sich die neue Freiheit auch in der Mode: Bubikopf, Hosen und vor allem die Zigarettenspitze waren Kennzeichen der weiblichen Emanzipation, die gerade erst begonnen hatte. Die Geburtenrate hingegen war stark rückläufig, daher wählte Schwitters für seine Ikone eine Maria ohne Jesuskind. Das Blatt stammt aus dem Besitz von Hannah Höch, der einzigen Frau unter den Berliner Dadaisten, mit der Kurt Schwitters eng befreundet war und deren poetisch-skurrile Collagen seiner eigenen Arbeit sehr nahestehen. | Silke Krohn