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Der behexte Knecht und sein Ross (nach Baldung Grien)

Ident. Nr.: SSG 291

ObjID: obj:1066139

n/a

Details (Expert)

Beteiligte
André Thomkins (1930 - 1985),
Künstler*in
Datierung
1971
Weitere Titel
Sammlungstitel: Der behexte Knecht und sein Ross (nach Baldung Grien)
Übersetzung: The Bewitched Farm Hand and His Horse (after Baldung Grien)
Originaltitel: Le valet ensorselé et son cheval (après Baldung Grien)
Abmessungen
Höhe x Breite: 28,2 x 21,1 cm
Erwerbung
2004 Dauerleihgabe der Stiftung Sammlung Dieter Scharf zur Erinnerung an Otto Gerstenberg

Objektbeschreibung

Die Zeichnung aus dem Jahr 1971 belegt André Thomkins’ vielschichtige, oft in die fantastische Überbietung ausgreifende Auseinandersetzung mit Bildformulierungen der abendländischen Kunstgeschichte. 1970 hatte er mit zeichnerischen, häufig farbigen Paraphrasen auf Werke etwa von Johann Heinrich Füssli oder Arnold Böcklin begonnen. Hier nun ist es der 1544 geschaffene Holzschnitt „Der behexte Stallknecht“ von Hans Baldung, genannt Grien, der unter anderem wegen der perspektivisch extrem verkürzten Darstellung des Stallknechts aus der Untersicht berühmt ist. Nachdem Thomkins 1969 in der Basler Galerie Felix Handschin seine erste große Einzelausstellung hatte, folgte am Kupferstichkabinett in Basel im Herbst des Jahres 1971 die erste Museumsausstellung. Das Blatt der Sammlung Scharf-Gerstenberg gehört zu den 240 Exponaten, die größtenteils eigens für die Ausstellung angefertigt wurden. Im Basler Kupferstichkabinett, wo Thomkins zahlreiche Anregungen für seine paraphrasierenden Zeichnungen fand (darunter Werke von Adolf Wölfli, Paul Klee, Max Ernst und Otto Meyer-Amden), studierte er auch den Holzschnitt Baldungs, der ihm als Vorlage diente. Im Vergleich zur Vorlage von Baldung zieht Thomkins die Szene ein wenig in die Breite. Der architektonische Rahmen wird vereinfacht und verändert. Auch beziehen sich die vom Künstler mittels Bleistift und weißer Tusche vorgenommenen Schraffuren auf dem bräunlichen Papier keineswegs auf die modellierenden Liniensetzungen des Holzschnitts. Über leichte Abweichungen in Proportionen und Perspektive hinaus ist die Ausgestaltung des annähernd quadratischen Stallfensters im Hintergrund des Pferdes eine Erfindung des Künstlers: Es hat den Anschein, als würde das Fenstermotiv bei fortschreitender Verkleinerung ins Unendliche fortlaufen.| Andreas Schalhorn

Letzte Aktualisierung: 16.01.2026

Kontakt

Einrichtung:

Sammlung Scharf-Gerstenberg

Weitere Objekte aus den Sammlungen

Le mystère est exempt de pudeur

Le mystère est exempt de pudeur

Georges Hugnet, zunächst vor allem als Dichter und Kunstkritiker in Erscheinung tretend, ist einer der ersten, der über die neuen Tendenzen in der Kunst der Grafik, darunter auch DADA, schreibt. In seinen seit 1928 regelmäßig in einschlägigen surrealistischen Kunstzeitschriften wie „Cahiers d’Art“ und „Minotaure“ erscheinenden Artikeln stellt er unter Beweis, dass er die Bedeutung der künstlerischen Bewegungen seiner Zeit und insbesondere die des Surrealismus erkannt hat. Ein solcher Artikel erweckt 1932 das Interesse André Bretons, woraufhin Hugnet im selben Jahr Mitglied der surrealistischen Vereinigung wird. Mitte der 1930er Jahre beginnt Hugnet, der sich eingehend mit den Werken der Dadaisten Hannah Höch und Raoul Hausmann beschäftigt hat, eigene Collagen anzufertigen, „um die Realität zu lenken und um auf diese Art in das Gebiet des Wunderbaren einzudringen, indem die Bilder von ihrem ursprünglichen Ziel und ihrer banalen Bedeutung abgekehrt werden“. Ausgehend von den Erotikzeitschriften, die er und seine Freunde sammeln, wird sein zentrales Thema das Bild der Frau, welches er mit Hilfe von Schere und Kleber symbolträchtig in immer wieder neue Sinnzusammenhänge setzt. Die beiden Szenen in der vorliegenden Arbeit, verbunden durch die Meereslandschaft, die in die Welt des Geheimnisvollen einlädt, wirken wie Sequenzen aus einem Film, dessen Erzählstrang abrupt unterbrochen zu sein scheint, vom Betrachter jedoch wieder aufgenommen werden kann. Durch die farbliche Überarbeitung der Abbildungen erreicht Hugnet eine groteske Übersteigerung. Schüren die Gitterstäbe bereits die Begierde, erscheint die halb in ein Skelett verwandelte Frau verführerisch und unerreichbar zugleich. Frei von Schamhaftigkeit verweist Georges Hugnet auf Sadismus und Nekrophilie, Themen, die die Surrealisten in zahlreichen Werken beschäftigen. | Silke Krohn

Jean Paulhan diable noir

Jean Paulhan diable noir

Das Porträt des französischen Schriftstellers Jean Paulhan gehört zu einer Reihe von Bildnissen bekannter Pariser Intellektueller, denen Dubuffet im Salon der amerikanischen Mäzenin Florence Gould begegnete. Jean Paulhan war Mitherausgeber der Zeitschrift „Nouvelle revue française“, die den Strömungen vom Symbolismus bis zum Dadaismus gleichermaßen zugewandt war. Der herkömmliche Abbildcharakter spielt für die Bildnisse Dubuffets allerdings keine Rolle. Indem er auffällige Eigenheiten und Merkmale der Dargestellten mit ungewöhnlichen Substanzen und Malmaterialien zum Ausdruck bringt, entwickelt er eine neue Form des Porträts. Im Falle Jean Paulhans erschafft er mit Zement und Kalk eine zerklüftete Oberfläche, auf der die Gestalt des Schriftstellers als brüchige Präsenz sichtbar wird. Ein Jahr bevor dieses Materialbild entstand (1946), hatte Dubuffet die ganze Figur des Schriftstellers mit Kohle festgehalten. (SSG 58). In Anlehnung an Darstellungsformen bei Kindern zeigt Dubuffet Jean Paulhan nun (1947) als ‘Kopffüßer’, ohne Arme und mit einem im Verhältnis zum Körper überdimensional großen Kopf, aus dem die Augen, zwei schwarze Punkte, starr herausblicken. Ohne Volumen und räumliche Tiefe breitet sich der ‘Teufel in Schwarz’ auf der krustigen Fläche aus. Die kindliche Anmutung spielt mit dem vermeintlich Diabolischen der schwarzen Gestalt zusammen. Mit dieser unkonventionellen, an unverbildete Ausdrucksformen erinnernden Darstellungsweise will Dubuffet seine Freunde und Bekannten keineswegs karikieren. Vielmehr geht es ihm darum, die ‘wahre Gestalt’ einer Person zu vermitteln, die in der Begegnung mit dem Betrachter auch dessen sinnlich-haptische Empfänglichkeit ansprechen soll: „Es schien mir, indem ich meine Modelle entpersönlichte und auf eine elementare, menschliche Gestalt reduzierte, daß ich es meiner Meinung nach dem Betrachter des Bildes leichter machte, seine Phantasie und Vorstellungskraft anzuregen, und gleichzeitig die Macht des Bildnisses verstärkte.“ | Melanie Franke

La plus belle

La plus belle

Auf einem bossierten, kegelförmigen Fuß ist die schmale, glatt polierte Gestalt, den Oberkörper in der Taille leicht nach rechts gebeugt, aufgesteckt. Auf einem sehr langen, zarten Hals ruht der überproportioniert große Kopf, der Biegung des Körpers in entgegengesetzter Richtung antwortend. Einer Kinderzeichnung gleich formen zwei tiefgesetzte Punkte und ein leicht nach oben gebogener Strich das Gesicht. Überhaupt wirkt die Figur bis auf den leichten Taillenschwung gänzlich androgyn – erst durch den Titel wird das Geschlecht bestimmt. In seinem knapp 20 Jahre zuvor entstandenen bildhauerischen Hauptwerk „Capricorne“ verfuhr Max Ernst im Zusammenfügen der Abgüsse von Fundstücken ähnlich wie in seinen Collagen. Viele andere seiner Skulpturen folgen ebenfalls mehr oder weniger dieser Art von Assemblage, an denen der Arbeitsprozess ablesbar bleibt. „La plus belle“ hingegen bildet eine glatte, in sich geschlossene Form, lediglich der kleine Absatz zwischen Sockel und Körper suggeriert eine Mehrteiligkeit der Skulptur. In ihrer Torsohaftigkeit erinnert „La plus belle“ an antike Statuen, die häufig ohne ihre Extremitäten aufgefunden wurden. Unter ihnen gilt vor allem die „Venus von Milo“ als Inbegriff antiker, zeitloser Schönheit. Der Titel von Max Ernsts Skulptur und eine ähnliche Körperlenkung der beiden Statuen lassen vermuten, dass sich der Künstler hier an einer Adaption des klassischen Schönheitsideals versuchte, so wie er sich Ende der 1950er Jahre dem Schaffen von Leonardo da Vinci zuwandte, sich also in seinem Spätwerk doch noch mit den Heroen der Kunstgeschichte auseinandersetzte, statt sich, wie zu Beginn seiner künstlerischen Karriere, über sie hinwegzusetzen. | Katharina Wippermann

Les cyprès

Les cyprès

Gänzlich anders, nahezu gegensätzlich zu „Der Triumph der Liebe“ (SSG 91) und zu „Die Barbaren gen Westen ziehend“ (SSG 90) in Aufbau und Wirkung entstehen zwei Jahre nach den apokalyptischen Visionen „Les cyprès“, und das, obwohl sich die gesamteuropäische politische Situation noch wesentlich verschärft hatte. Titelgebend waren möglicherweise die Bäume in Max Ernsts neuer Umgebung; nach einem Streit der Surrealisten hatte er Paris 1938 verlassen und in der Nähe von Avignon in Südfrankreich, wo diese Bäume weitverbreitet sind, ein Haus erworben. Max Ernst schuf in der Technik der Décalcomanie, einem Farbabklatschverfahren, eine leuchtend heitere Unterwasserwelt, die in ihrer Abgeschiedenheit und Stille eine Rückzugsmöglichkeit von der auseinanderfallenden Zivilisation bietet. Den Eindruck, dass man sich unter Wasser befindet, vermitteln zuvörderst die beiden den Bildaufbau dominierenden Zypressen, die in ihrer ‘sponginfaserigen’ Beschaffenheit sehr viel stärker an Schwämme als an Bäume erinnern. Ist der linke Zypressenschwamm ziemlich deutlich als lächelnder, sich emporschwingender Engel gekennzeichnet, so ist die Ausgestaltung des rechten verhaltener, einmal mehr dazu auffordernd, sich in die Struktur, die Ein- und Ausstülpungen, zu vertiefen und die darin verborgenen Figurationen zu entdecken. Das türkisgrüne Zwitterwesen am Fuße der linken Zypresse ordnet sich durch seinen flossenartigen Bart ebenfalls eher dem maritimen Lebensraum zu. Das unvermittelt aufleuchtende Blau am rechten Bildrand und die dunstig verschleierten Felsformationen im Hintergrund sind auch Phänomene, die unter Wasser zu beobachten sind. Zieht man die biologische Funktion von Schwämmen hinzu – sie reinigen das Wasser, indem es sie durchströmt und die Schwämme dabei ihre Nahrung herausfiltern –, so lässt sich in den „Zypressen“, nach der unverhohlenen Kritik an den politischen Entwicklungen im „Triumph der Liebe und den „Barbaren“ ein Gegenentwurf zum gewalttätigen Umbruch der Gesellschaft vermuten. | Katharina Wippermann

Vache rouge

Vache rouge

Als leuchtend rote Fläche bestimmt die Kuh die sie umrandende grün blaue Umgebung. Mit dicken Konturlinien fasste Dubuffet die Form ein, die sich flächig, ohne Volumen und räumliche Tiefe, artikuliert. Die Nähe zu Darstellungsformen bei Kindern spricht aus dem Gemälde ebenso wie die Nähe zur Volkskunst. Auch die Farbigkeit der Motive ist unabhängig von naturalistischen Vorbildern, zudem sind die Maßstäbe verschoben – als hätte die Kuh von einem Zaubertrank getrunken, der sie zu enormer Größe hat anwachsen lassen. Die rote Kuh spielt im Judentum eine Rolle und vielleicht hat Dubuffet gerade hieran gedacht, als er seine „Vache rouge“ während der Besatzung von Paris malte, wo er sich im Jahre 1943 aufhielt. Über die rote Kuh ist nur wenig bekannt, aber den jüdischen Weisen zufolge wurden seit der Gesetzgebung bis heute neun rote Kühe geopfert. Die Opferung der zehnten roten Kuh ist (nach Rambam) dem Messias vorbehalten. Die erste rote Kuh wurde durch Mose selbst und den Hohepriester Eleasar dargebracht. Zu Zeiten des Tempels wurde die Kuh außerhalb des Heiligtums geschlachtet und verbrannt – auf der östlichen Seite des Tempelbergs, wahrscheinlich auf dem Ölberg. Dubuffets Kuh ist jedoch alles andere als ein Opfer, denn sie streckt dem Bauern in brauner Montur keck die Zunge heraus. Der grobe Witz verwandelt sich in feinen Humor, wenn man die rote Fläche als Symbol revolutionärer Bewegungen, wie sie die Résistance war, deutet und in dem braunen Bauern das Germanische erkennt. Im Verhältnis zur Kuh ist der Bauer zum Zwerg geschrumpft. Die Verschiebung von Maßstäben, die Auffassung von Volumen und Raum als Fläche sowie die Unabhängigkeit der Farbe – all das verdeutlicht die programmatische Absicht des Malers, sich von ästhetischen Übereinkünften zu distanzieren und eine Malweise zu proklamieren, die elementar und ursprünglich ist. Kurze Zeit später, 1945, sollte Dubuffet für diese Malweise den Begriff „Art brut“ prägen. Dabei bezog er den Begriff weniger auf seine eigenen Werke als vielmehr auf die Kunst von Autodidakten, die sich abseits des etablierten Kunstbetriebs bewegen. | Melanie Franke

Garten der Leidenschaft

Garten der Leidenschaft

In der zweiten Grafikmappe der Schweizer Gruppe Moderner Bund veröffentlichte Klee 1913 die kleinformatige Radierung „Garten der Leidenschaft“. Wie unter einem Mikroskop eröffnet sich eine Welt wimmelnder Vielfalt, deren Details erst nach und nach sichtbar werden. Während in der unteren horizontalen Zone Steinrücken zu sehen sind, wird der Mittelgrund links von Pflanzenblättern dominiert. Rechts dagegen tanzen Figuren mit weit ausgebreiteten Armen um einen kantigen Felsblock. Oben links öffnet sich im Licht der Sonne ein Ausblick über sanfte Hügel, rechts deuten Verschattungen auf den Einbruch der Dunkelheit hin. In einem Artikel für die Zeitschrift „Alpen“ hatte Klee im August 1912 betont, die zeitgenössische Kunst sei gekennzeichnet durch einen „Zwang bis zur Unkenntlichkeit des Gegenstandes, bis zum Vexierbild“. Neben den Kubisten dürfte er dabei besonders Kandinsky im Auge gehabt haben, bei dem sich in Werken wie „Komposition II“ (1910) formale Entsprechungen zum „Garten der Leidenschaft“ finden lassen. In Reaktion auf Kandinsky, der die figurativen Elemente gezielt verschleierte, um „die seelischen Mitklänge“ erlebbar zu machen, ließ Klee die dargestellten Gegenstände in einer grafischen Gesamtstruktur aus Linien und Schraffuren aufgehen, um eine Atmosphäre lebendiger Natürlichkeit zu vermitteln. Da die Künstler des Blauen Reiters eine gemeinschaftlich bebilderte Bibelausgabe planten, bei der Klee die Illustration der Psalmen übernehmen sollte, wurde in der Darstellung die Vertreibung aus dem Paradies und die Ölbergszene gesehen. Andere Interpretationen verwiesen auf literarische Schilderungen beseelter Natur wie etwa in E. T. A. Hoffmanns Erzählung „Der goldene Topf“, die Klee 1906 gelesen hatte. | Dieter Scholz

Nach & Nach nachgeben

Nach & Nach nachgeben

André Thomkins’ meisterhafte Fähigkeit zu überraschenden figurativen, bildräumlichen und somit inhaltlichen Brechungen belegt sein Aquarell aus dem Jahre 1974, das in zarten Pastelltönen angelegt ist. Mit seinem programmatisch-ironischen Titel bezeugt es den Hang des Künstlers zu Wortspielen und Worträtseln, der sich auch in seinem literarischen Schaffen niederschlug. Das hochformatige Blatt zeigt eine Landschaft, die in horizontalen Schichten aufgebaut ist. Als Basis dient ein gelber Streifen, in den der Künstler den Werktitel gesetzt hat. Liest man das Blatt von unten, so fällt auf, dass das landschaftliche Bildgefüge – anfangs wie aus großer Ferne dargestellt – durch mehrere, sich gleichsam überbietende Horizontlinien gegliedert ist. Eine erste Brechung dieses gestuften Raumkontinuums erfolgt durch die Einblendung eines halb skulptural, halb architektonisch anmutenden Objektes, das schräg aus der Aufsicht dargestellt ist. Wenig darüber schließlich entwickelt Thomkins über einem letzten Horizont eine Bodenzone, die nicht mehr die ganze Breite des Blattes einnimmt. Diese Zone – einen letzten Horizont vor dem die obere Blatthälfte füllenden Himmel markierend – wird von verschiedenen Figuren und Gegenständen eingenommen, die teilweise fragmentarisch bleiben und in ihrer Bedeutung nicht zu entschlüsseln sind. Hierzu gehört ein Kopf mit Mitra auf der das Kürzel „N & N“ zu lesen ist, das sich mit dem Werktitel in Verbindung bringen lässt. Die Funktion der an vier Pfeilern befestigten Tafel, die an eine Plakatwand erinnert, bleibt unklar. Sie erscheint wie der Spiegel eines anderen Bildes, ist aber außerdem auch mit der Himmelszone verknüpft, da sie deren streifigen Wolkenverlauf aufgreift. Rechts von der Tafel schwebt in der Wolkenzone, im gleichen Grauton entwickelt, ein Gewand samt eingeschriebenem Kreuz. Möglicherweise lässt sich das Gewand als Rumpf für den Heiligenkopf begreifen. Werk wie Titel stehen programmatisch für Thomkins’ Arbeitsweise, sich innerhalb eines Systems, eines scheinbar fest umrissenen Bildraums treiben zu lassen – und so immer wieder zu neuen Erfindungen zu kommen. Das Aquarell illustriert auf seine Weise eine Äußerung des Künstlers aus dem Jahr 1969: „Kunst macht aus etwas etwas anderes, aus Realem Fiktives oder aus Fiktivem Reales. Kunst ist homogen, aus Gleichem entwickelt, interpretierend entstanden.“ | Andreas Schalhorn