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Demotischer Papyrus, Hochformatbrief

Ident. Nr.: P 23627

ObjID: obj:1621159

Details (Expert)

Beteiligte
Friedrich Zucker (30.6.1881 - 4.4.1973),
Grabungsleiter*in
Datierung
Genauer: Frühe Ptolemäerzeit
Geografische Bezüge
Abmessungen
Höhe x Breite: 22,8 x 6,4 cm

Objektbeschreibung

Papyrus war ein sehr beliebtes jedoch teures Schreibmaterial im Alten Ägypten. Dieser Papyrus stammt von der Nilinsel Elephantine in Ägypten und wurde während der Ausgrabungen der damals Königlichen Museen durch Otto Rubensohn und Friedrich Zucker zu Beginn des 20. Jahrhunderts ausgegraben. Die hier verwendete Schrift ist das sogenannte Demotische. Dabei handelt es sich um eine sehr verkürzte Kursivschrift des Alten Ägypters, die gerade in persischer und griechisch-römischer Zeit eingesetzt wurde. Von der Nilinsel Elephantine stammen zahlreiche demotische Papyri und Ostraka dieses Zeithorizonts.

Aufgrund des fragmentarischen Erhaltungszustandes ist der Inhalt nicht rekonstruierbar.

http://elephantine.smb.museum/record/ID100388
(V. Lepper / Jan Moje)

Letzte Aktualisierung: 04.08.2026

Kontakt

Einrichtung:

Ägyptisches Museum und Papyrussammlung

Weitere Objekte aus den Sammlungen

Figurengruppe mit der thronenden Neith und vor sich zwei Horusknaben sowie den Stifter

Figurengruppe mit der thronenden Neith und vor sich zwei Horusknaben sowie den Stifter

Diese bronzene und teilvergoldete Figurengruppe lässt sich in die ägyptische Spätzeit datieren, genauer in die Regierungszeit von König Necho II (610 – 595 v. Chr.), der in der 26. Dynastie regierte. Die Figurengruppe stammt vermutlich aus der Stadt Sais im ägyptischen Delta. Die Hauptgöttin von Sais war Neith, die auch die Göttin der Schöpfung und des Krieges war. Im Zuge der 26. Dynastie wurde Sais zur Hauptstadt des Reiches, und Neith entwickelte sich zur Reichsgöttin und erlangte eine deutlich größere Bedeutung. Im Mittelpunkt dieser Figurengruppe und am Größten dargestellt ist die Göttin Neith, die thronend über die zwei Kindgötter und den Stifter hinweg blickt. Neith ist mit einem anliegenden Gewand dargestellt. Sie sitzt auf einem kleinen Thron, der nur eine niedrige Rückenlehne aufweist. Auf ihrem Kopf trägt sie die Krone von Unterägypten, die heute teilweise zerstört ist. Ihre Hände sind zu Fäusten geballt und ihre Füße ruhen auf einem kleinen Hocker. Die Augen der Göttin waren vergoldet. Zudem finden sich Oxidationsspuren an der Krone, am Brustschmuck und an den Armringen, was ebenfalls auf eine Vergoldung schließen könnte. Die beiden Horus-Knaben sind nackt, mit Jugendlocke und mit ihrem rechten Finger am Mund dargestellt. Der von Neith aus rechts dargestellte Horusknabe trägt die Doppelkrone, während der von Neith aus links dargestellte die Krone von Unterägypten trägt. In geringerem Abstand davor befindet sich der Stifter, der knieend dargestellt ist und einen Weinkrug hält. Auf dem Sockel befindet sich eine Inschrift. Diese Figurengruppe ist nicht ungewöhnlich. Die Konzeption von Neith zusammen mit den beiden Horussöhnen ist ein typisches Motiv des Kultes von Sais, denn alle bekannten Objekte, die diese Figurengruppe zeigen, stammen aus Sais. Die beiden Horussöhne verkörpern den Kult der Neith, wie er in der Person der Göttin für die beiden Hälften Ägyptens repräsentiert wird: als Neith des Südens und als Neith des Nordens.Das Besondere an dieser Figurengruppe ist jedoch die Darstellung des Stifters vor der Göttin Neith. Möglicherweise war er ein Priester der Neith, der ein großes Ansehen genoß und eng mit der Göttin, durch z.B. den Kult, verbunden war und sich aufgrund dessen dazu entschied, sich zusammen mit der Göttin darstellen zu lassen. Er könnte auch „nur“ eine Person von besonders hohem Rang gewesen sein, beispielsweise ein Familienangehöriger des Königs, der die Möglichkeit hatte, sich gemeinsam mit der Gottheit darstellen zu lassen und sich mit der Darstellung von Neith verewigen wollte. Vielleicht war er auch ein Militärbeamter – Neith war schließlich eine Kriegsgöttin – der bei einem im Namen der Göttin aufgeführten Auftrag ums Leben kam und deshalb von seinen Nachkommen in dieser Form dargestellt wurde. M. Suckau

Kuboide Statue ("Würfelhocker") des Amenemopet

Kuboide Statue ("Würfelhocker") des Amenemopet

„So relativ zahlreich Bildnisse von Echnaton, Nofretete und der weiteren königlichen Familie erhalten sind, in so geringerem Umfang existieren Zeugnisse dafür, wie sich der Umbruch von Amarna auf die übrige Plastik dieser Epoche ausgewirkt hat. Zu den drei oder vier eindeutigen Beispielen sind erst in jüngster Zeit zwei weitere gekommen, die beide für die Berliner Sammlung erworben werden konnten. Eines dieser beiden Werke ist das Bildnis des Amenemopet, eines Vorstehers der Nekropolenhandwerker in Memphis. Die Plastik zeigt Amenemopet in der Gestalt des sogenannten Würfelhockers, einer Form der ägyptischen Rundbildkunst, in der ihre Neigung zu höchster Konzentration den intensivsten Ausdruck findet. Der Dargestellte sitzt dabei auf dem Boden, die aufgestellten Beine eng an den Körper herangezogen und mit diesem so sehr zu einer Form verschmolzen, daß selbst Füße und Hände vielfach nur noch angedeutet daraus hervortreten. Das Gesicht des Amenemopet erinnert in der Überbetonung von Augen und Mund stark an die Echnaton-Bildnisse der frühen Amarnazeit, so daß seine Entstehung in eben dieser Periode wahrscheinlich ist. In dieselbe Richtung weist auch die Inschrift, die zwar einleitend Aton nennt, dann aber u. a. Osiris und Hathor und in der weiteren Formulierung ganz im Rahmen der üblichen Totengebete der 18. Dyn. bleibt.“Aus: Kaiser, Werner (Hrsg.), Ägyptisches Museum Berlin, Östlicher Stülerbau am Schloss Charlottenburg, Berlin 1967, S. 70.

Orakelstatue der Aphrodite Arsinoe II. Philadelphos in griechisch-ägyptischem Stil

Orakelstatue der Aphrodite Arsinoe II. Philadelphos in griechisch-ägyptischem Stil

Die Statue aus der Villa Hadriana vereint charakteristische Merkmale sowohl der ägyptischen als auch der griechischen Kunst. Der lokale dunkle Stein und die schreitende Haltung der Königin spiegeln den ägyptischen Stil wider, während das dünne, faltenreiche Gewand, das sich hinter den Beinen faltenreich staut, und die symmetrisch angeordnete Lockenfrisur an griechische Meisterwerke erinnern. Das Gesicht mit flachen Wangen, weit geöffneten Augen und markanten Ohren ist typisch für die Bildnisse ptolemäischer Herrscherinnen. Auch die als Diadem getragene Stirnbinde gilt als Symbol für Herrscherkult und Deifizierung (Vergöttlichung).Die Statue trägt einerseits die Porträtzüge der um 270 v. Chr. vergöttlichten Arsinoe II. Philadelphos, die in einem Kult verehrt wurde. Sie war die älteste Tochter von Ptolemaios I. und heiratete ihren Bruder Ptolemaios II., was den Beginn einer Reihe ähnlicher Verbindungen in der ptolemäischen Dynastie markierte. Die Verbindung der vergöttlichten Arsinoe mit Aphrodite ist durch zeitgenössische Quellen belegt. Andererseits ist sie als Nischenstatue konzipiert, mit einer roh belassenen Rückseite. Unterhalb des Halses befindet sich eine Bohrung, die durch den Körper verläuft und am Rücken austritt. Beide Merkmale deuten darauf hin, dass die Statue als Orakelstatue diente, an die Menschen mit praktischen Fragen herantraten. Mit Hilfe eines aus der Bohrung in den Nebenraum geleiteten Rohres konnte orakelt werden. Arsinoe II. Philadelphos war also auch als kultische Ratgeberin gefragt. Von der Statue sind der Körper, die Oberschenkel und der linke Arm original antik; die übrigen Teile wurden später ergänzt. Das linke Bein und der Fuß passen zueinander, während das rechte Bein und der Fuß nicht genau zusammenpassen. Diese Ungenauigkeiten wurden geschickt durch die Gewandfalten kaschiert. Die stilistischen Besonderheiten der Skulptur deuten darauf hin, dass sie möglicherweise ein Werk des römischen Eklektizismus ist, bei dem Elemente verschiedener vergangener Stile kombiniert wurden. Einige der Ergänzungen könnten auch im 18. Jahrhundert entstanden sein.I. Regulski

Standfigur einer Königin oder Göttin

Standfigur einer Königin oder Göttin

Die Statue zeigt eine stehende Frau mit vorgestelltem linken Bein. Auf der Rückseite befindet sich ein sehr flacher, rechteckig abschließender und unbeschrifteter Rückenpfeiler. Die Arme hängen vertikal eng am Körper herab und in der rechten Hand hält die Figur einen Schattenstab. Sie ist mit einem glatten Gewand bekleidet, das bis auf die Unterarme den gesamten Körper bedeckt. Unter dem Gewand, vor allem im Bereich der Brüste und des Bauches, tritt der schlanke Körper deutlich hervor. Den Kopf bedeckt eine dreiteilige Perücke, deren seitliche Teile bis auf die Brust reichen. Oberhalb der Ohren umgibt diese ein bereits horizontales Band mit einem Uräus über der Stirn; plastisch kaum abgesetzt läuft es am Hinterkopf in den Rückenpfeiler hinein. Auf der Kalotte befinden sich ein quadratisches Zapfenloch und eine sorgfältig aufgeraute Fläche für den Kronenaufsatz. Das Gesicht ist oval, das Karnat voll und faltenlos. Infolge der Uräusschlange wurde die Statue stets unter die Königinnenbildnisse eingereiht, obgleich diese auch bei Göttinnen gut bezeugt ist. Ohne weitere Epitheta oder eine Inschrift ist diese Statue daher nicht eindeutig als Königin oder Göttin zu identifizieren.Auch stilistisch ist ihre Einordnung umstritten. Einerseits werden die konventionellen Elemente als Hinweis für eine Datierung in die ausgehende Spätzeit gewertet, andererseits wird die Statue ohne nähere Erläuterungen in die ptolemäische Zeit datiert. Kaum zu beantworten ist die Frage, welcher der frühen Ptolemäerinnen dieser Statue darstellen könnte.(J. Helmbold-Doyé)

Standfigur des Meh-Chonsu (Mx-Cnzw), eine Osirisfigur haltend (Theophor)

Standfigur des Meh-Chonsu (Mx-Cnzw), eine Osirisfigur haltend (Theophor)

Die qualitativ sehr gut bearbeitete Bronzestatuette eines Gottesvaters des Chons namens Meh-Chonsu stellt den kahlköpfigen Priester in schreitender Haltung dar, der in einem langen, plissierten Schurz mit Vorbau, glattem Ärmelhemd und Sandalen gekleidet ist. Um seinen Hals hängt ein Amulett in Form des falkenköpfigen Mondgottes Chons. Seine Hände liegen auf dem Vorderteil des Schurzes und berühren fast die Schultern einer Osirisstatuette, die sich vorne halbrundplastisch auf dem Schurz befindet. Auf der rechten Seite des Schurzes ist außerdem im erhabenen Relief ein Priester mit einem Räucherarm in seiner rechten Hand dargestellt; auf der anderen Seite sieht man noch einmal denselben Priester im erhabenen Relief, der zwei kugelartige Objekte in den Händen hält. Die Beischriften nennen ihn als Pa-scheri-(en)-Iset. Auf dem Oberkörper des Meh-Chonsu sind weitere, feine Dekorationen in Gravuren vorhanden. Auf dem Rücken ist in einem rechteckigen Bildfeld die Götterfamilie Osiris, Horus und Isis unter einer Himmelshieroglyphe dargestellt. Auf den Ärmeln des Hemdes sieht man rechts den menschengestaltigen Amun-Re mit Doppelfederkrone und links den ithyphallischen Amun von Luxor.Die theophore Statuette des Meh-Chonsu zeigt eine Darstellung des Darbringens einer Götterfigur bzw. des Beschütztseins durch den Gott Osiris, wobei er auch von anderen dargestellten Gottheiten, wie Chons und Amun, beschützt ist. Der an den Körperseiten dargestellte Priester Pa-scheri-(en)-Iset, höchstwahrscheinlich ein Familienangehöriger des Meh-Chonsu, opfert gleichzeitig dem Gott Osiris sowie dem Besitzer der Statuette Meh-Chonsu. ÄM 23732 gehört zu einer relativ kleinen Gruppe von besonders qualitätsvoll tauschierten Metallstatuen der Dritten Zwischenzeit. Die separat angefertigten Arme sind ebenfalls typisch für ihre Entstehungszeit.(I. Liao)

Pferdetrensen mit durchgehender Achse (Trensengebiss)

Pferdetrensen mit durchgehender Achse (Trensengebiss)

Titel wie „Erster Streitwagenfahrer seiner Majestät“ oder „Vorsteher der Pferde(gespanne) des gesamten Pferdestalles“ zeigen deutlich, dass es in Achet-Aton eine größere militärische Einheit an Streitwagenlenkern und natürlich Pferdeställe gegeben haben muss. Die zahlreichen Abbildungen Echnatons und seiner Familie bei der Ausfahrt im Wagen sprechen ebenfalls für die Beliebtheit von Pferdegespannen.Pferde sind seit der Hyksoszeit (um 1648–1539 v. Chr.) in Ägypten nachweisbar. Ebenso ist die Streitwagentechnologie seit dem Ende der 17. Dynastie (um 1645–1550 v. Chr.) belegt und stammt ursprünglich aus dem vorderasiatischen Raum. Genutzt wurde der schnelle Wagen zur Jagd, zu Ausfahrten und zur sportlichen Betätigung der Elite, kam jedoch vorrangig im Krieg zum Einsatz. Da der Bogenschütze nicht gleichzeitig den Wagen lenken und schießen konnte, stand ihm ein Wagenlenker zur Seite.Mit Hilfe der zwingend notwendigen Trensen konnte der Streitwagenfahrer die Tiere leichter lenken und kontrollieren. Die Trense bildet denjenigen Teil des Pferdegeschirrs, der sich im Pferdemaul befindet und zum Zaum bzw. Riemengestell am Kopf gehört. Die seitlichen Knebel, die als Platten oder Stangen – selten als Scheiben – gestaltet sein können, verhindern das Herausrutschen aus dem Maul. Die beiden fast identischen Stücke des Trensenpaars ÄM 20493 stellen eine absolute Besonderheit dar. Die starre Gebissstange endet auf einer Seite in einem kleinen Knauf, auf der anderen in einer durchbohrten feingliedrigen Faust mit abstehendem Daumen. Die jeweils in einem Stück gegossenen Trensenknebel sind beweglich und wie ein großes durchbrochenes Speichenrad gestaltet. Die Speichen sind abwechselnd als Lotosdolden und Voluten gefertigt. Auf der glatten, nicht ausgearbeiteten Innenseite des Knebels, wo dieser am Maul anlag, sind vier kleine Prickel angebracht, auf deren Druck das Pferd bei jeder richtunggebenden Zügelbewegung sofort reagiert haben muss. Sonderbar ist das Fehlen von Ösen für die Befestigung des Zaums. Vermutlich – so Anja Herold, die Ludwig Borchardts Rekonstruktion im Grabungstagebuch folgt – wurden die Lederriemen direkt durch die „Radspeichen“ des Trensenknebels gezogen. Unklar ist die Funktion der jeweils nur auf einer Seite der Trense angebrachten Durchbohrung der Faust. Borchardt schrieb zu den Stücken im Tagebuch, dass vielleicht „dort ein Zierat (Wedel??)“ herunterhing. Möglich ist auch die Befestigung einer Leine zu den Jocharmen oder die Fixierung der Zügel.Für das Alte Ägypten ist die hier vorliegende Gestaltung der Gebissstange einmalig. Ähnliche Objekte mit Fäusten an den Enden der Stange stammen aus Luristan im Westen des Iran.Nach: Schmidt, S., in: F. Seyfried (Hrsg.), Im Licht von Amarna. 100 Jahre Fund der Nofretete, Berlin 2012, S. 212 (Kat.-Nr. 11).

Kopf einer Statuette der Königin Teje

Kopf einer Statuette der Königin Teje

Das kleine Porträtköpfchen der Königin Teje gehört zu den ausdrucksvollsten Bildwerken der altägyptischen Kunst. Selbst wenn das Gesicht grundsätzlich den künstlerischen Normen der Zeit folgt, dürften auch individuelle Züge dieser bemerkenswerten Frauengestalt aus der altägyptischen Geschichte mit eingeflossen sein.Teje wurde als Tochter des „Priesters und Rindervorstehers des Gottes Min“ Juja und dessen Gemahlin Tuja um 1400 v. Chr. geboren und war somit nicht königlicher Herkunft. Die Familie stammte aus Achmim in Mittelägypten. Die bürgerliche Herkunft der Teje wurde durch die Nennung der Eltern im Rahmen des offiziellen Protokolls auf der Serie der so genannten „Hochzeitsskarabäen“ weithin propagiert. Die markanten Gesichtszüge dieses kleinen Statuettenköpfchens erwecken in uns subjektiv den Eindruck einer energischen Frau und starken, gebieterischen Königin, was durchaus der realen Stellung der Teje entsprochen haben dürfte, aber letztlich nichts über ihr tatsächliches Aussehen aussagen kann.Allerdings erhob Amenophis III. seine „Große Königliche Gemahlin“ in eine absolute Sonderstellung, da sie ihm nahezu gleichberechtigt an die Seite gestellt wurde. So übernahm sie auch in offiziellen Kulthandlungen den weiblichen Part göttlicher Rollen, was u. a. das Tragen der Doppelfederkrone mit Sonnenscheibe und Kuhgehörn in Anlehnung an die Göttin Hathor erklärt.Von der Übernahme dieser Symbolik legt auch dieses Figürchen Zeugnis ab, wobei der wohl mit Uräus-Schlangen geschmückte, ringförmige Kronenuntersatz zwischen Perücke und Doppelfederkrone verloren ist und so der ursprüngliche Eindruck der Statuette verfälscht wird. Hinzu kommt, dass man auch die erste Version der Kopfbedeckung unter der später aufgelegten und mit kleinen blauen Perlen besetzten Haube kaum erfassen kann. Erkennbar sind noch die prächtigen Ohrgehänge sowie ein Teil der schwarz korrodierten silbernen Haube, in die zwei Uräusschlangen über der Stirn der Königin eingelassen gewesen waren, deren Schlangenkörper sich unter der zweiten Kopfbedeckung abzeichnen. Mit Hilfe computertomographischer Aufnahmen aus dem Jahr 1995 konnten dagegen alle Details der ursprünglichen Gestaltung virtuell rekonstruiert werden.Über den Zweck dieser Umarbeitung ist sich die Fachwelt bislang nicht einig, doch dürfte der Zeitpunkt erst während der Amarna-Zeit oder unmittelbar danach anzunehmen sein. Auch die Funktion der ehemals ca. 35 cm großen Statuette, die aus den königlichen Anwesen von Medinet el-Gurob im Fayum stammt, bleibt ungeklärt. Entgegen anderslautender Interpretationsansätze wird an dieser Stelle die Umarbeitung allerdings nicht mit einer Erhebung Tejes zu einer Gottheit in Verbindung gebracht, da das Tragen eines Uräen-geschmückten Kalathos mit Doppelfederkrone, Sonnenscheibe und Kuhgehörn nicht nur bei Teje und Nofretete, sondern auch bei Anch-es-en-Amun und allen folgenden Königinnen zum gängigen Erscheinungsbild gehört. Die kugelförmige Perückenumarbeitung, die der Form des darunterliegenden „Chat“-Kopfputzes folgt, sollte hier nicht überinterpretiert werden. „Göttlich“ ist die Rolle der Teje allemal, aber sie wurde sicherlich weder wie die Stammmutter der 18. Dynastie, „Ahmes-Nefertari“, in den Status einer Art „heiliger Patronin“, noch in den einer „Göttin“ erhoben.Aus: Seyfried, F., in: F. Seyfried (Hrsg.), Im Licht von Amarna. 100 Jahre Fund der Nofretete, Berlin 2012, S. 202 (Kat.-Nr. 4).