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Pferdetrensen mit durchgehender Achse (Trensengebiss)

Ident. Nr.: ÄM 20493

ObjID: obj:606700

Schenkung James Simon, 1920

Details (Expert)

Beteiligte
Deutsche Orient-Gesellschaft (DOG) (24.1.1898),
Auftraggeber*in
Ludwig Borchardt (5.10.1863 - 12.8.1938),
Grabungsleiter*in
James Simon (17.9.1851 - 23.5.1932),
Mäzen*atin
Datierung
Amenophis (Amenhotep) IV. / Echnaton
Datierung engl.: Amenhotep IV / Akhenaten
Weitere Titel
Sammlungstitel: Pferdetrensen mit durchgehender Achse (Trensengebiss)
Übersetzung: Bits (from bridles)
Geografische Bezüge
Material / Technik
Bronze (Material / Metall)
Abmessungen
Höhe x Breite x Tiefe: 9 x 24,2 x 9 cm (ÄM 20493/01)

Objektbeschreibung

Titel wie „Erster Streitwagenfahrer seiner Majestät“ oder „Vorsteher der Pferde(gespanne) des gesamten Pferdestalles“ zeigen deutlich, dass es in Achet-Aton eine größere militärische Einheit an Streitwagenlenkern und natürlich Pferdeställe gegeben haben muss. Die zahlreichen Abbildungen Echnatons und seiner Familie bei der Ausfahrt im Wagen sprechen ebenfalls für die Beliebtheit von Pferdegespannen.
Pferde sind seit der Hyksoszeit (um 1648–1539 v. Chr.) in Ägypten nachweisbar. Ebenso ist die Streitwagentechnologie seit dem Ende der 17. Dynastie (um 1645–1550 v. Chr.) belegt und stammt ursprünglich aus dem vorderasiatischen Raum. Genutzt wurde der schnelle Wagen zur Jagd, zu Ausfahrten und zur sportlichen Betätigung der Elite, kam jedoch vorrangig im Krieg zum Einsatz. Da der Bogenschütze nicht gleichzeitig den Wagen lenken und schießen konnte, stand ihm ein Wagenlenker zur Seite.
Mit Hilfe der zwingend notwendigen Trensen konnte der Streitwagenfahrer die Tiere leichter lenken und kontrollieren. Die Trense bildet denjenigen Teil des Pferdegeschirrs, der sich im Pferdemaul befindet und zum Zaum bzw. Riemengestell am Kopf gehört. Die seitlichen Knebel, die als Platten oder Stangen – selten als Scheiben – gestaltet sein können, verhindern das Herausrutschen aus dem Maul. Die beiden fast identischen Stücke des Trensenpaars ÄM 20493 stellen eine absolute Besonderheit dar. Die starre Gebissstange endet auf einer Seite in einem kleinen Knauf, auf der anderen in einer durchbohrten feingliedrigen Faust mit abstehendem Daumen. Die jeweils in einem Stück gegossenen Trensenknebel sind beweglich und wie ein großes durchbrochenes Speichenrad gestaltet. Die Speichen sind abwechselnd als Lotosdolden und Voluten gefertigt. Auf der glatten, nicht ausgearbeiteten Innenseite des Knebels, wo dieser am Maul anlag, sind vier kleine Prickel angebracht, auf deren Druck das Pferd bei jeder richtunggebenden Zügelbewegung sofort reagiert haben muss. Sonderbar ist das Fehlen von Ösen für die Befestigung des Zaums. Vermutlich – so Anja Herold, die Ludwig Borchardts Rekonstruktion im Grabungstagebuch folgt – wurden die Lederriemen direkt durch die „Radspeichen“ des Trensenknebels gezogen. Unklar ist die Funktion der jeweils nur auf einer Seite der Trense angebrachten Durchbohrung der Faust. Borchardt schrieb zu den Stücken im Tagebuch, dass vielleicht „dort ein Zierat (Wedel??)“ herunterhing. Möglich ist auch die Befestigung einer Leine zu den Jocharmen oder die Fixierung der Zügel.
Für das Alte Ägypten ist die hier vorliegende Gestaltung der Gebissstange einmalig. Ähnliche Objekte mit Fäusten an den Enden der Stange stammen aus Luristan im Westen des Iran.
Nach: Schmidt, S., in: F. Seyfried (Hrsg.), Im Licht von Amarna. 100 Jahre Fund der Nofretete, Berlin 2012, S. 212 (Kat.-Nr. 11).

Letzte Aktualisierung: 30.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Ägyptisches Museum und Papyrussammlung

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Demotischer Papyrus mit einem Auszug aus dem "Buch vom Atmen" für Pamonthis

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Totenbücher gibt es seit dem Beginn des Neuen Reiches (um 1500 v. Chr.). In der vollständigen Ausgabe sind mehr als 200 Kapitel erhalten, man beschränkte sich aber häufig auf die wesentlichen Aussagen. Das Totenbuch wurde dem Verstorbenen in Form einer Papyrusrolle mitgegeben oder einzelne Kapitel wurden, auf Leinenbinden geschrieben, in die Mumie eingewickelt. Die Sprüche sollten dem Verstorbenen helfen, sich in der Unterwelt zurecht zu finden und sich korrekt gegenüber ihren Bewohnern, Göttern und Dämonen, zu verhalten, damit er als 'Verklärter' unter ihnen leben konnte.Bei keinem Totenbuch fehlt das 125. Kapitel, das das sogenannte 'Negative Sündenbekenntnis' enthält. In diesem rechtfertigt sich der Verstorbene vor den 42 Richtergottheiten, indem er beteuert, alle Sünden unterlassen zu haben. Die Szene zeigt das Totengericht: die Verstorbene wird zur Waage geführt, auf der ihr Herz (als Topf gezeichnet) gegen die Göttin Maat, dargestellt als hockende Frau mit einer Feder auf dem Kopf, aufgewogen wird. Hat sie maatgerecht, im Sinne der Weltordnung gelebt, wird die Verstorbene von dem mumiengestaltigen Unterweltsgott Osiris als 'gerechtfertigt' in das Jenseits aufgenommen. Besteht sie die Prüfung nicht, wird die große Fresserin, ein Untier bestehend aus Krokodilskopf, Löwenvorder- und Nilpferdhinterteil, ihr Herz endgültig verschlingen. Da für die Ägypter jede Darstellung die Realität widerspiegelt, wurde grundsätzlich ein positiver Ausgang des Gerichtes dargestellt, so dass die Verstorbene mit Hilfe dieses Papyrus sicher in die Unterwelt eintreten und das ewige Leben erreichen konnte.Dies ist der Totenpapyrus des Pamonth mit einer mythologischen Darstellung. Der mumifizierte Tote wird vor einem gefüllten Opfertisch mit dem Unterweltsgott Osiris dargestellt, hinter ihm steht der Totengott Anubis. Dieser Papyrus ist in demotischer Sprache und Schrift geschrieben und datiert in die Römische Kaiserzeit, vermutlich ins 2.-3. Jahrhundert nach Christus. Dies ist ein eindrückliches Beispiel dafür, dass die altägyptische Mythologie noch bis weit in christliche Zeit hinein verbreitet war. Ursprünglich war der Papyrus mit einem, heute abgewischten, greichischen Text beschriftet (Palimpsest).V. Lepper