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Doppelseitiger Kamm mit Figurenreigen

Ident. Nr.: F 1561

ObjID: obj:1819262

Details (Expert)

Datierung
Ende 15. Jahrhundert
Material / Technik
Elfenbein, geschnitzt
Abmessungen
Objektmaß: 12 x 13,8 x 0,8 cm

Objektbeschreibung

Die Seitenteile des doppelseitigen Kammes zieren vegetabile Rankenornamente, an der einen Seite links und rechts Hopfen, an der anderen Seite links Mohn und rechts Erdbeeren, beide jeweils mit Blüten und Früchten dargestellt. Im horizontalen Mittelfeld erscheinen figürliche Darstellungen, an der Seite mit den Hopfenranken steht eine weibliche Figur mit einem Apfel in der Linken im Zentrum. Sie wird links flankiert von zwei Tänzern und rechts von einem Narren mit Narrenzepter sowie einem Trommler und Pfeifer. Die andere Seite des Kammes zeigt drei Figurengruppen: links einen jungen Mann in langem Mantel, eine Frau führend, in der Mitte einen bärtigen Mann mit kurzem Wams und einer langen Fackel in der Linken, der eine Frau mit einer hohen Burgunderhaube (Hennin) führt. Rechts erscheint wieder ein Trommler und Pfeifer, begleitet von einem liegenden Hund mit Halsband.
Die Bildfelder des aus einem einzigen Werkstück gearbeiteten Kammes sind im Hintergrund mit einer unregelmäßigen Kreuzschraffur versehen, von der sich die glatten Oberflächen der vegetabilen Ornamente und figürlichen Darstellungen wirkungsvoll absetzen. Spuren von Polychromie sind nicht vorhanden.
Die – von der Seite mit den Hopfenranken aus gesehen – linke Seite des Kammes ist abgebrochen und mit zwei Eisenstiften wieder angesetzt worden. Etwa 20 mm rechts davon ist der Mittelsteg gebrochen und geklebt. Vier der dünnen Zinken sind ausgebrochen, zwei weitere sind beschädigt. LL

Letzte Aktualisierung: 15.12.2025

Kontakt

Einrichtung:

Kunstgewerbemuseum

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Drehleierspieler

Drehleierspieler

Stehende männliche Figur auf einer Plinthe mit abgeschrägten Ecken. Der bärtige Mann trägt einen Hut, einen blauen Umhang, einen grauen Wams, dunkelrote Kniebundhosen und Schnallenschuhe. Er spielt eine Drehleier, die er mit dem linken, leicht angewinkelten Bein stützt. // Der Künstler, Georges Pull, war Naturforscher und Keramiker. Er war fasziniert von den Arbeiten des französischen Keramikers Bernard Palissy (1510-1589/90), dessen Werke sich im 19. Jahrhundert großer Beliebtheit erfreuten und auch gefälscht wurden. Pull hingegen hat die Werke Palissys nachempfunden und technisch noch übertroffen, er hat sie nicht einfach kopiert und hatte auch keine fälscherischen Absichten. Er signierte seine Keramiken mit dem Stempel "PULL", was auch bei dem Drehleierspieler der Fall ist. Die Figur ist eine vergrößerte Kopie der Statuette "joueur de vielle", die im 19. Jahrhundert als Arbeit von Palissy galt und von der sich mehrere Ausformungen im Pariser Louvre befinden. Heute gilt die Statuette als anonyme Arbeit des frühen 17. Jahrhunderts aus der Region um Fontainebleau, Paris, Avon, siehe https://collections.louvre.fr/en/ark:/53355/cl010114355Barbara Mundt schreibt in ihrem 1973 erschienenen Katalog des Berliner Kunstgewerbemuseums zum Historismus: "Pulls erklärtes Leitbild war das keramische Werk Palissys, wobei sein Interesse sich auf die Farbglasuren konzentrierte. Intensive Studien in den Sammlungen des Louvre gingen Hand in Hand mit wissenschaftlichen Experimenten. Es gelang Pull schließlich, dünnere, höher brennbare und damit härtere sowie glanzvollere Glasuren mit einer größeren Zahl von Farben hervorzubringen als sein großes Vorbild." (zu Kat. Nr. 199).ClKa