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Samson-Leuchter

Ident. Nr.: 1993,56

ObjID: obj:1830399

Details (Expert)

Datierung
1. Drittel 13. Jahrhundert
Abmessungen
Objektmaß: 25,5 x 15,8 x 8,8 cm

Objektbeschreibung

Der 1834 im Schaalsee gefundene Leuchter zählt zu einer etwa ein Dutzend Werke umfassenden Gruppe figürlicher Leuchter aus dem 12. und 13. Jahrhundert, die den Löwenbezwinger Samson darstellen. Dieser gilt in der christlichen Typologie, der Lehre von den Entsprechungen zwischen Altem und Neuem Testament, als alttestamentliches Vorbild für Christus. Der Löwenkampf des Samson, der dem Untier mit bloßen Händen das Maul auseinanderreißt (Richter 14, 6), ist Gleichnis für den Sieg des Guten über das Böse, des Lichtes über die Finsternis.
Der Berliner Samson-Leuchter macht diesen Triumph in bildhafter Weise sinnfällig: Der Kampf ist entschieden, der noch immer furchterregende Löwe ist, wie seine kraftlos eingeknickten Hinterläufe verdeutlichen, bezwungen. Samson kann sich ganz dem Schultern des Kerzenhalters widmen. Sein demonstrativer Griff mit der Linken an das Ohr des Tieres ist eine bedeutungsvolle Geste, die im Mittelalter leicht verstanden wurde: „testes sunt per aures tracti“ („die Zeugen sind beim Ohr genommen worden“) ist eine weit verbreitete Schlussformel zeitgenössischer Notariatsurkunden. Samson macht damit den besiegten Löwen zum Zeugen seiner eigenen Stärke. Zum Reittier gebändigt, wird der Unhold in den Dienst des Lichtes gezwungen.
Stilistisch ist der Leuchter durch die flache Modellierung der Figur des Samson, den eigentümlichen Kopftypus des Löwen mit den naturfernen Augenbögen, die sich zu Knoten einrollenden Locken der Mähne und den reichen ornamentalen Schmuck aus geperlten Streifen und punzierten Linien gekennzeichnet. Während die Forschung zunächst wegen des Fundorts eine Entstehung im nahegelegenen Lübeck vermutete, wurde später mit Verweis auf stilistisch verwandte Türzieher und Aquamanilien auch Magdeburg als Herstellungsort des Samson-Leuchters in Erwägung gezogen. LL

Letzte Aktualisierung: 15.12.2025

Kontakt

Einrichtung:

Kunstgewerbemuseum

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Großer Gießlöwe aus dem Lüneburger Ratssilber

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Körper aus zweiteiliger Form, Vordertatzen und Hinterbeine mit Schenkeln gesondert gegossen. Sorgfältig ziseliert und, so das Fell, punziert. Wohl ehemals ganz vergoldet, am Hinterteil abgegriffen. Racheninneres rot und die Augen (in Resten) schwarz kalt bemalt. Marken auf der Innenseite des Eingußdeckels und auf der Rückseite des Wappens.Den Rachen drohend geöffnet, die muskulösen Hinterbeine rückwärts in den Boden gestemmt und den Schwanz s-förmig nach oben geschlagen, erscheint das mächtige Tier in Angriffspose. Es faßt mit der rechten Pranke den Wappenschild des Stifters, hält im Maul ein sich gabelndes, in zwei Drachenköpfen endigendes Rohr und trägt auf dem Rücken einen zweibeinigen Drachen. Ein weiterer Drache ringelt sich an der linken Vorderpranke des Löwen. Über dem emaillierten Allianzwappen der Familien Stöterogge und Stoketo die Widmungsinschrift: D HARVIC(VS) STOTEROGGE P(RO)TH(O)CO(N)SVL INCLITO DEDIT SENATVI 1540 (Herr Bürgermeister Hartwig Stöterogge schenkte ihn dem berühmten Senat 1540).Hartwig I Stöterogge war 1499 zum Bürgermeister von Lüneburg gewählt worden und starb 1539. Er war seit 1486 mit Margareta Stoketo verheiratet und Vater von Nikolaus I Stöterogge, der dem Rat den Jesse-Pokal (s. Inv. Nr.1874,381) schenkte. Der Gießlöwe wird bereits im Inventar von 1555/56 erwähnt: "Ein grott sulueren Louw thom dele vorguldet, so her Hartich Stoterogge ethwan Burgermester dem Rade gegeuen."

Wappen des Sixtus Oelhafen

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Das in leuchtenden Farben ausgeführte Medaillon zeigt vor rotem Strahlenkranz und von einer gelben Rahmenbordüre mit Ranken und stilisierten Blüten umschlossen das Wappen der Oelhafen. Die Familie entstammte einem Zürcher Stadtgeschlecht, das sich im 14. und 15. Jahrhundert nach Nördlingen, Lauingen, Leipzig und Breslau verbreitete, 1546 den kaiserlichen Wappen- oder Adelsbrief erhielt, jedoch erst 1729 ratsfähig wurde.Ihr bedeutendstes Mitglied war der in Nördlingen geborene Sixtus Oelhafen (um 1456–1539), der als oberster Sekretär gleich drei Kaisern diente – Kaiser Friedrich III., Maximilian I. und Karl V. Sixtus Oelhafen ließ sich 1499 in Nürnberg nieder, erwarb 1519 das Bürgerrecht und wurde im gleichen Jahr Genannter des Größeren Rats. Sein Dienst beim Kaiser brachte ihm den Ruf eines geschickten Politikers ein, der sein diplomatischesTalent auch zum Nutzen der Reichsstädte einsetzte und allseits geachtet wurde. Kaiser Friedrich hatte ihn bereits im Jahr 1489 durch die Vermehrung und Verbesserung seines Wappens ausgezeichnet, das ursprünglich nur einen gelben dreibeinigen Kessel mit Henkel zwischen zwei geschlossenen blauen Hörnern zeigte, der seitdem jedoch wie hier in Blau von einem nach rechts steigenden gelben Löwen getragen wird.Die meisterliche Zeichnung des Löwen verrät ebenso wie das fein ziselierte und ohne Schablone aus dem Halbton radierte Rankenwerk die Hand des Augustin Hirsvogel (vgl. Inv. Nr. K 7022 und K 7197). Verwandte Tier- und Rankenmotive begegnen immer wieder in seinen Stichen. An der geschweiften und gezackten Form des Schildes, dem Blattwerk auf dessen Oberkante und an dem stilisierten Pflanzenornament der Rahmenbordürezeigt sich seine Hinwendung zur Frührenaissance. Wie in der Werkstatt seines Vaters, Veit Hirsvogel d.Ä., üblich, versah er die roten Gläser mit eingeritztem Brandzeichen, hier einem J. Das kleine Medaillon dürfte noch in seiner Nürnberger Zeit entstanden sein, mithin vor 1536. CVMA 98782